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und  Freiheitskrieg  gewählt  habt,  so  wäre  ich  wohl
der  Berufenste,  euren  Wünschen  Geltung  zu  verschaffen,
  soweit  ich  sie  nicht  kurzer  Hand  selber  erfüllen
  werde.  —

Doch  nun  zur  Hauptsache,  biebe  Bundesbrüder.
Mit  tiefster  Verschwiegenheit  also  müssen  alle  unsere
  Vorbereitungen  getroffen  werden.  Deshalb  lasse
sich  jedei  von  uns  von  jedem  ins  Vertrauen  Gezogenen
  und  wiederum  ein  jeder  von  diesen  durch
heiligen,  bindenden  Eid  strengstes  Schweigen,  vor
allem  den  Städtern  gegenüber  zusichern.  Laßt  den
Schwur  bei  der  Göttin  des  Todes  leisten  und  des
Todes  sei,  wer  ihn  bricht!  Der  Preis,  um  den
wir  kämpfen,  ist  zu  hoch,  als  daß  wir  irgend  einen
Schwatzbold  oder  Verräter  unter  uns  dulden  könnten.
  deshalb  dürfen  wir  niemandem  den  Eid  erlassen,
  und  auch  wir  müssen  ihn  leisten,  da  nach
altem  Herkommen  und  Gesetz  nur  der  jemandem  den
Eid  der  Verschwiegenheit  abnehmen  kann,  der  ihn
in  der  nämlichen  Sache  selber  geleistet  hat.  Zu
diesem  Behuf  frage  ich  euch  nunmehr,  ob  ihr  bereit
  seid,  diesen  heiligen  Eid  zu  schwören."

Ein  jeder  war  bereit  zu  dem  Eide.

Herr  Sambor  war  der  erste,  der  ihn  leistete.
Darauf  erhob  sich  dem  Alter  gemäß  einer  nach  dem
andern  und  sprach  die  uralte  Eildesformel  nach.
Tiefstes  Schweigen  herrschte  an  der  Tafel  und
schauerlich  ballten  die  grausen  Selbstverfluchumngen,
die  der  Eid  enthielt,  durch  die  Stille  des  Saales.

Nachdem  alle  geschworen  hatten,  wurde  nach
Herrn  Sambors  Vorschlag  der  dritte  Tag  nach  dem
großen  Feste  der  Sommersonnenwende  für  den  Aufbruch

  zum  gemeinsamen  Trefipunkte  festgesetzt  und
für  diesen  die  Gegend  um  den  Duratzigsee  bestimmt.

  Dann  rief  Herr  Sambor  die  beiden  Knechte
zurück,  die  vor  der  Eidesleistung  den  Saal  hatten
verlassen  müssen.  Es  wäre  den  Satzungen  zuwider
gewesen,  wenn  ein  Unfreier  dieser  heiligen  Handlung
  beigewohnt  hätte.  Gnirko  und  Plietzka  füllten
auf  ihres  Herrn  Geheiß  aufs  neue  die  Becher  und
bald  hatte  ausgelassene  Fröhlichkeit  den  Ernst  der
letzten  Stunde  abgelöst.

Es  waren  alles  trank=  und  trunifeste  Herren,
diese  Wendenedelinge,  aber  was  bedeuteten  Met,
Birken=  und  selbst  der  beliebte,  starke  Brombeeroder
  Himbeerwein  gegen  dies  feurige  und  schwere
südländische  Gewächs!  Herr  Jakzo  war  einer  der
ersten,  dem  die  Knechte  die  Ruhestätte  bereiteten,
ihm  folgten  mehrere  ältere  Herren,  denen  der  Hausberr
  selber  ihre  Schlafstätten  anwies,  und  zuletzt
saß  nur  noch  Herr  Radeslav  aus  Schleffin  dem
Wirte  gegenüber  und  bedauerte  einmal  über  das  andere,
  daß  Griechenland  nicht  unmittelbar  hinter
Krakau  liege,  da  man  andernfalls  nach  Bestrafung
der  Polen  auch  sogleich  zur  Unterwerfung  dieses
Weinlandes  schreiten  könnte,  das  seinen  jährlichen
Tribut  sodann  in  edlem  Göttertrank  zahlen  müßte.
Selbstverständlich  hätten  dann,  wie  er  meinte,  die
Retter  des  Vaterlandes  alljährlich  einen  ausreichenden
  Teil  dieses  Tributs  erhalten  müssen.  Nachdem

Unser  Dommerland.

der  Pflaumenschnaps  brennende  Herr  diesen  Gedanken
  mehrmals  eifrigst  entwickelt  hatte,  begann  seine
Stimme  allmählich  zu  stocken  wie  der  Wasserfall  des
Bächleins  im  harten  Winterfrost,  und  zugleich  sone
sein  ehrwürdiges  Haupt  schwer  auf  die  Platte  des
Tisches.  Nachdem  er  von  den  Knechten  zur  Ruhe
gebracht  worden  war,  ließ  Herr  Sambor  das  über
die  Halfte  geleerte  Faß  in  die  Vorratskammer
schaffen  und  begab  sich  darauf  in  sein  Schlafzimmer.
  Noch  lange  konnte  man  dort  die  Wachskerze
brennen  sehen,  bis  sie  endlich  spät  nach  Mitternacht
erlosch.

Kilter  Kunrad  und  Slavina.

Der  große  Küstenwald,  der  sich  von  der  Mindung
  der  Diewenow  an  bis  an  die  preiische
Grenze  und  noch  weiter  gen  Osten  hin  erstredte,
zeigte  gemischten  Bestand.  Laubhölzer  aller  Art  wechselten
  mit  Nadelholz  ab.  Unter  letzterem  herrschte
die  breitgeästete  Kiefer  vor;  auch  Eiben  gab  es
hter  noch  in  beträchtlicher  Menge.  An  jagdbarem
Wild  war  kein  Mangel,  wenn  auch  der  Wolf,  die
allgemeine  Landplage,  zu  nächtlicher  Zeit  aus  seinen
  Schlupfwinkeln,  den  Gestrüpp=  und  Rohrdickichten,
  hervorbrach  und  arg  unter  dem  wehrlosen  Getier
  hauste.

Von  diesem  Walde  betrachtete  Herr  Sambor  den
östlich  und  westlich  seiner  Burg  gelegenen  Teil  in
einer  ungefähren  Ausdehnung  von  drei  Meilen  als
sein  Eigentum;  davon  betrug  die  westliche  Strecke
etwa  den  dritten  Teil  und  reichte  bis  an  die  Feldmark
  von  Hoff,  wie  der  neue  deutsche  Siedler,  Herr
Nitter  Kunrad,  seine  Niederlassung  benannt  hatte.
Zwar  lag  noch  auf  dem  halben  Wege  zwischen
Horst  und  Hoff  ein  Fischerdorf,  namens  Rewal,
aber  Anrecht  am  Walde  hatten  mu  die  Grundberren.
  Andrerseits  aber  hielt  Herr  Kunrad  den
bstwärts  bis  Rewal  sich  erstreckenden  Streifen  Waldes
  für  sein  rechtmäßiges  Besitztum,  da  er  es  als
erb=  und  eigentümlich  von  seinem  Ohm,  dem  Bischof
von  Wollin,  erhalten  hatte,  dem  es  wiederum  nebst
einer  Anzahl  anderer  Ländereien  von  dem  Fürsten
Ratibor  zuerteilt  worden  war.

Herr  Kunrad  hatte,  so  lange  der  Burgbau
währte,  bei  seinem  Ohm  Aufenthalt  genommen  und
war  nur  zuweilen  zu  seinem  Besitztum  hinübergeritten,
  um  sich  über  den  Fortgang  des  Baues  sowie
über  den  Stand  der  unterdessen  bereits  begonnenen
Urbarmachung  und  Bestellung  der  Feldmark  zu
umterrichten.  Er  hatte  jedesmal  nur  wenige  Tage
auf  seiner  Scholle  verweilt,  zumal  auch  das  Wohnbaus
  seines  Meiers,  bei  dem  er  Unterkunft  fand,
nur  erst  in  den  notwendigsten  Räumlichkeiten  hergestellt
  war.  Kurz  vor  Beginn  des  neuen  Jahres
aber  waren  auch  die  Innenarbeiten  vollendet  worden
  und  seitdem  hauste  Herr  Kunrad  auf  seiner
Burg.  Während  des  Winters  hatte  er  diese  nan
selten  verlassen  und  nur  einige  Male  Herrn  Dubnitz