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und  Abfahrt.  Herr  Sambor  sollte  mit  ihm  zufrieden
  sein.  Dieser  Dienst,  so  hoffte  er,  würde  ihm
mehr  einbringen  als  ein  Dreitagekalb  oder  die
Kame  prächtigen  Weines,  die  er  ihm  am  Tage
nach  der  großen  Winterjagd  übersandt  und  nach

deren  Leerung  er  sich  so  beseligt  gefühlt  hatte,  das
er  das  ganzge  Dorf  hätte  umarmen  mögen.  —

Der  Mordplan-Herr

  Sambor  war  speben  mit  den  beiden  Knechten,
  die  ihn  auf  seiner  Jahrt  begleitet  hatien,  zurückgekehrt,
  wenige  Tage  nach  seinem  Bruder  Gniefomar,
  in  dessen  Begleitung  er  jetzt,  unmittelbar
nach  seinem  Einrits  in  die  Burg,  den  großen
Herrensaal  betrat.  Herr  Gniefomar  war  von  gleich
schlankem  Wuchse  wie  sein  Bruder,  trug  gleich  diesem
  einen  starken,  bräunlichen  Vollbart  und  zeigte
entgegen  der  allgemeinen  Gesichtsbildung  des  gewöhnlichen
  Volkes  ein  edel  geformtes,  länglich  schmales
  Antlitz  gleich  Herrn  Sambor.  Man  hätte  beide
verwechseln  können,  wenm  nicht  Herrn  Gniefomars
Antlitz  eine  mächtige  Narbe  entstellt  hätte,  die  sich
tief  und  breit  von  der  linken  Stirnseite  quer  über
Nase  und  Wange  bis  zum  rechten  Ohre  hinzog.
Auch  hatte  sein  Auge  mehr  einen  finsteren  und
stechenden  als  den  fast  hoheitsvollen  Blick,  der  dem
Bruder  eignete.

„Also,  die  Preußen  sind  bereit?“  fragte  soeben
Herr  Sambor  seinen  Bruder,  nachdem  er  sich  in
seinem  Sessel  niedergelassen  hatte.

„Alle  Stämme  bis  hinauf  zu  den  Russen“  lautetedie

  Antwort,  „brennen  vor  Begier,  dem  verfluchten
Polengesiudel  einmal  gründlich  die  Pelze  auszuklopfen
  und  die  feisten  Fratzen  zu  zerhauen.  Es
sind  schätzungsweise  allein  hunderttausend  Reiter,  die
ins  Feld  ziehen  werden.“

„Wer  übernimmt  den  Oberbefehl?“  fragte  Herr
Sambor  weiter.

„Der  alte  Wolf  Jagiello.“

„Dann  ist  der  Sieg  schon  halb  gewonnen.  Und
hätten  sie  auch  ohne  uns  auf  eigene  Faust  über  kurz
oder  lang  irgend  etwas  gegen  die  Polen  unternommen?“


„Nicht  gegen  die  Polen  selbst,  aber  höchstwahrscheinlich
  gegen  deren  Hörige,  die  Pomerellen.  Sie
sind  erbost,  daß  diese  seit  dem  Tage  von  Nakel  sich,
wie  die  Schafe  der  Schur,  unter  das  polnische  Joch
gebeugt  haben.  Sie  hatten  erwartet,  daß  sie  wenigstens
  mit  ihnen  in  Verbindung  blieben  und  künftige
  Rachetaten  vorbereitten  halfen.  Deshalb  schien
es  ihnen  wie  eine  Erlösung  zu  kommen,  daß  wir
mit  ihnen  gemeinsame  Sache  machen  wollen.“

„Werden  sie  aber  nach  erfochtenem  Siege  nicht
Lust  bekommen,  auf  dem  Heimwege  sich  im  Lande
unferer  Stammesbrüder  häuslich  niederzulassen?“

„Nein,  sie  sind  mit  dem  Siegespreise,  den  ich
ihnen  in  Deinem  Namen  gewährleistete,  zufriedem.

Unser  Dommerland

Ein  Drittel  des  Polenreiches  ist  nach  meinem  Bedünken
  auch  kein  Pappenstiel.  Im  übrigen  haben
wir  bei  unseren  beiderseitigen  Göttern  unsere  Abmachungen
  beschworen.“

„Ich  traue  keinen  Eiden,  die  von  Fürsten  bei
den  Göttern  geschworen  werden,“  bemerkte  Herr

Sambor  wegwerfend.  „Sie  glauben  nicht  mehr  an
die  Götter,  darum  wechseln  sie  oft  den  nicht  mehr
zuträglichen  Glauben,  wie  ein  schmutziges  Kleid.
Unsere  Fürsten  sind  das  beste  Beispiel.  Sollte  es
bei  den  germanischen  Stämmen  anders  sein?  Aber
der  alte  Wolf  Jagiello  haßt  den  Polen  wie  der
Wolf  den  Hund.  Das  ist  mir  die  beste  Bürgschaft
für  seine  Hilfe.“

„So  habe  auch  ich  ihn  in  den  langen  Jahren,
die  ich  in  seinem  Hofe  lebte,  kennen  gelernt,“  bestätigte
  der  Bruder.  „Uebrigens  würden  wir  Pommern
  und  Liutizen  auch  mit  den  geschlagenen  Polen
  im  Bunde  stark  genug  sein,  ihnen  ihre  unrechlmäßige
  Beute  wieder  zu  entreißen.  Ich  habe  ihnen
dies  auch  angedeutet,  indem  ich  von  einem  gegen
sie  gerichteten  Bündnisse  sprach,  das  Herzog  Witzlab
  unserem  Fürsten  angeboten  habe.  Sie  wurden
dabei  sehr  hellhörig."“

„Du  bist  wahrhaftig  ein  schlauer  Unterhändler,“
sprach  Herr  Sambor  lachend.  „Doch  was  sagten  sie
zu  unseren  Forderungen?“

„Die  Vorschiebung  unserer  Grenzen  nach  Süden
um  einen  Gebietsstreifen  von  zwanzig  Stunden
Wegs  erschien  ihnen  nicht  mehr  als  recht  und  billig,
  zumal  dort  ja  unsere  von  Boleslav  Schiefmaul
geraubten  Landsleute  ansässig  gemacht  wären.  Unsere
  Absicht,  das  Greifengeschlecht  hier  und  nebenan
zu  verjagen,  begrüßten  sie  mit  Freuden.  Sie  hassen
den  polenfreundlichen  Ratibor  als  Abtrünnigen  wie
die  Sünde,  während  sie  den  schlaffen  Zubtslav  hassen
  und  verachten.  Daß  ich  seinen  Herrschersttz  einnehmen
  wolle,  freute  sie,  wie  ich  bemerken  konnte,
aufrichtig.  Sie  meinten,  so  hätten  sie  doch  die
Sicherheit,  daß  Ostpommern  nie  mit  dem  Polen  liebäugeln
  werde.  Dem  Stammvater  würden  auch  die
Nachfolger  gleichen.  Ebenso  erwünscht  war  ihnen
deine  Absicht,  dte  Herrschaft  über  Westpommern  zu
übernehmen.  Sie  beglückwünschen  dich  von  ganzem
Herzen.  Von  dem  Greifengeschlecht,  meinten  sie,
dürfe  niemand  am  Leben  bletben.  Sie  würden  sich
andernfalls  zu  den  Polen  oder  Deutschen  begeben
und  so  eine  ewige  Gefahr  für  unsere  Herrschaft
bilden.  Der  aus  der  Hürde  verjagte  Wolf  kehre
immer  dorthin  zurück,  der  erschlagene  halte  Ruhe.
Von  deiner  Absicht,  Slavina  mit  dem  jungen  Rügianerfürsten
  zu  vermählen,  habe  ich  nicht  gesprochen,
  da  es  eine  innere  Angelegenheit  unserer  Familie,
  besser  gesagt,  deines  Hauses  ist.“

Herr  Sambor  atmete  tief  auf,  nachdem  der  Bruder
  seinen  Bericht  beendigt  hatte.  „So  wäre  denn
alles  unserem  Willen  gemäß  geordnet,“  sprach  er.
„Ich  danke  dir  für  deine  tatkräftige  und  erfolgreiche
Hilfe.  Auch  mir  ist  alles  nach  Wunsch  geglückt.
Sobald  der  Däne  nur  die  geringsten  Anstalten