macht,  gegen  uns  in  See  zu  stechen,  fallen  Rügianer
und  Obotriden  in  sein  Land  ein  und  zwingen  ihn
zur  Rückkehr,  worauf  sie  sich,  mit  Beute  beladen,
nach  alter  Gewohnheit  zurückziehen.  An  ihren  festen
Burgen  aber  beißt  er  sich  vergeblich  die  Zähne
aus.  Die  Edlen  der  Liutizen  haben  ihre  Hilfe  zugesagt,
  als  ich  ihnen  das  eidliche  Versprechen  gab,
die  Regierung  unseres  Landes  zu  übernehmen  und
sie  von  der  verhaßten  Christenlehre  zu  befreien.
Nachdem  ihnen  bei  Stolp  an  der  Peene,  an  Wartislavs
  Todesstätte,  von  dessen  Gatlin  und  Ratibor  ein
Kloster  hingesetzt  und  mit  stundenweitem  Grunmdbesitz
  ausgestattet  wurde,  befürchten  sie  bei  der  bekannten
  Sucht  unseres  Fürsten,  Klöster  zu  bauen,  —
soeben  hat  er  ja  wieder  ein  solches  zu  Grabow  auf
Usedom  vollendet  —  daß  ihr  ganzes  Ländchen  allmählich

  Herrn  Ratibors  Leidenschaft  zum  Opfer
sallen  möchte.  Auch  sind  dort  die  Pfaffen  ebenso
anspruchsvoll  wie  hier.  —  Aber  nun  der  dritle
Punkt!  Du  bist  ja  von  Kolberg  aus  zu  Lande  gekommen,

  wie  steht  es  mit  unserer  Sache  im  eigenen
Volke2“

„Jich  bin  mit  Absicht  etwas  die  Kreuz  und
Quer  gezogen,“  erwiderte  Herr  Gniefomar.  „Ueberall,
  wo  ich  vorsprach,  erwartete  man  mit  Ungeduld
den  Tag  der  Erhebung.  Allerorten  wird  aufs
eifrigste  gerüstet,  die  Schmiede  haben  volle  Arbeit,
Sicheln  und  Krummesser  werden  gerade  gereckt,  und
#  elbst  manche  steinerne  Streitaxt,  mit  der  vordem
die  Kinder  gespielt  hatten,  sah  ich  über  dem  Schleif—
stein.  Herr  Bertkow,  der  für  sein  Teil  allein  über
zwanzig  Herren  aufgesucht  hat,  ist  nicht  von  einem
unverrichteter  Sache  geschieden,  und  so  wird  es  al—
len  begegnet  sein.  Die  Städte  sind  selbstverständlich
  nicht  besucht;  denen  bleibt  ja  keine  Wahl,  sie
müssen  uns  folgen.“

„Nun  denn,“  sagte  Herr  Sambor  mit  ernster
Stimme,  „wenn  alles  den  Vorbereitungen,  gemäß
ausfällt,  tragen  wir  nach  kaum  einem  Mondumlaufe

  die  Fürstenkrone."
Da  ertönten  Stimmen  in  der  Vorhalle  und  die
Brüder  erhoben  sich  von  ihren  Sitzen.

Es  war  Kanja,  der  Oberpriester,  den  Herr  Sam—
bor  beim  Oeffnen  der  Tür  erblickte  und  der  soeben
den  Knecht  Plietzka  nochmals  dringlich  aufforderte,
dem  Herrn  zu  melden,  daß  er  ihn  in  wichtiger  Angelegenheit
  sogleich  zu  sprechen  wünsche.

„Nun,  was  hast  Du  denn  für  eine  so  bedeutungsvolle
  Sache  mit  mir  zu  verhandeln,  mein  lieber
  Kanja,“  fragte  der  Hausherr  den  Ankömmling,
indem  er  leutselig  seine  Hand  auf  des  Priesters
Schulter  legte.  „Ist  Dir  eine  Seele  untreu  geworden
  und  heimlich  zu  den  Chhristenhunden  entwichen?
  Ich  möchte  so  etwas  an  keinem  meiner
Untergebenen  erleben.  Der  Betreffende  hätte  keine
guten  Tage  bei  mir.“

Kanja  warf  einen  Seitenblick  auf  Herrn  Gniesomar
  und  schaute  darauf  fragend  zu  seinem  Herrn
herauf.  Kanjas  Wuchs  ging  nämlich  mehr  in  die

Unser  Dommerland  —

125

Brette  als  in  die  Länge,  Herr  Sambor  überragte
thn  um  Hauopteslänge.

„Du  kannst  Dein  Anliegen  getrost  vorbringen,“
beruhigte  der  Burgherr,  der  die  stumme  Frage  bemerkt
  hatte,  den  Unschlüsstgen.  „Vor  Herrn  Gntesomar
  habe  ich  kein  Geheimnmis."

„Es  handelt  sich  allerdings  um  eine  abtrünnige
Seele,“  begann  nun  Kanja,  nachdem  er  auf  den
ihm  angebotenen  Sessel  Platz  genommen  hatte.
„Ich  meine  nämlich,  wenn  jemand  mit  einem
Christen  näheren  Umgang  pflegt,  so  steht  er  auch
dessen  Glauben  nicht  fern.“

„Da  hast  Du  vollkommen  Recht,“  bekräftigte
Herr  Sambor.  „Ein  räudiger  Köter  macht  den  andern
  räudig.  Doch  von  wem  sprichst  Du?“

„Von  dem  deutschen  Ritter,“  Herr  Sambor.

„Ah,“  lachte  der  Hausherr,  „und  mit  dem
Christenfreunde  meinst  Du  natürlich  Herrn  Dubnitz.
  Aber  daß  dieser  den  Schwarzmönteln  ins
Garn  gegangen  ist,  wissen  wir  schon  lange,  auch
steht  er  nicht  unter  unserer  Gerichtsbarkeit.“

Der  Oberpriester  rückte  unruhig  auf  seinem  Sessel
  hin  und  her.  Es  wurde  ihm  doch  ungemein
schwer,  seine  Aufgabe  zu  erfüllen.  Aber  es  mußte
geschehen,  ein  Zurückweichen  war  nicht  mehr  möglich.
  Deshalb  begann  er  von  neuem:  „Es  muß
zwar  jeden  Vaterlands=  und  Götterfreund  in  tiefster
Seele  kränken,  wenn  er  sieht,  wie  busenfreundlich
  Herr  Dubnitz  mit  dem  deutschen  Ritter
verkehrt  und  wie  er  seine  armen  Untergebenen  bedrickt
  und  maßregelt,  wem  einmal  irgend  einer
aus  Unachtsamkeit  oder  in  alter  Gewohnheit  unserer
  Götter  gedenkt,  aber  der  Gutsherr  von  Dresow
ist  sein  eigener  Gebieter.  Nein,  es  handelt  sich  hier
um  jemand,  der  noch  unter  der  väterlichen  Machtbefugnis
  steht,  um  ein  junges  Weib,  das  der  hinterlistige
  Fremdling  allem  Anschein  nach  durch  geheime
  Zauberküste  betört  hat,  und  die  nun  mit  ihm
heimlichen  Liebesumgang  pflegt.  Denn  anders  ist
es  nicht  möglich,  daß  sie  sich  einer  so  gröblichen
und  selbstschänderischen  Verirrung  schuldig  machen
konnte.“

„Und  wer  ist  das  Weib?“  fragte  Herr  Sambor,
dem  die  Angelegenheit  jetzt  doch  von  Bedeutung  zu
werden  begann.

„Ich  wiederhole  noch
Priester,  bevor  er  antwortete,
lich  auch  jeder  unpartetisch
Mädchen  für  durchaus  schuldlos  halte.  Sie  ist  eben
das  Opfer  einer  fluchwürdigen  Zauberei.  Es  ist,
Herr  Sambor,  unsere  junge  Herrin  Slavina.“

Der  Burgherr  erhob  sich  jäh  von  seinem  Stuhle,
seine  Rechte  fuhr  nach  dem  Dolche,  der  in  künstlich
verzierter,  silberner  Scheide  an  seinem  Gurte  hing,
und  der  starke  Mann  bebte  an  allen  Gliedern,  während
  er  dicht  an  den  Sprecher  herantrat  und  ihn
zornfunkelnden  Auges  anschrie:  „Das  lügst  Du,
Bubel  Entsetzlich  wirst  Du  mir  für  diesem  Schimpf,
den  Du  meinem  Hause  antust,  büßen.“

einmal,“  erklärte  der
daß  ich,  wie  sicher-Denkende,
  das  junge