Auch  Kanja  hatte  stch  erhoben,  aber  ohne  mit
der  Wimper  zu  zucken,  hielt  er  dem  erschrecklichen
Zornesausbruch  seines  Herrn  stand  und  erwiderte
ruhig:  „Jch  meine,  daß  es  eines  wahrhaft  treuen
Dieners  Zeichen  und  Pflicht  ist,  seinen  Gebieter
auch  auf  die  Gefahr  hin,  ihm  Schmerz  zu  bereiten,
rechtzeitig  zu  warnen,  wenn  die  Ehre  des  Hauses
auf  dem  Spiele  steht.  Und  diese  Pflicht  habe  ich
soeben  erfüllt.“

Durch  das  sichere  Auftreten  seines  Priesters  entwaffnet
  zwang  Herr  Sambor  sich  gewaltsam  zur
Ruhe,  aber  seine  furchtbare  Erregung  bekundete
trotzdem  das  krampfartige  Zittern,  das  seine  Glieder
  durchschauerte.  Mit  heiserer  Stimme  fragte  er
nunmehr  den  Ankläger  seiner  Tochter:  „Und  womit
vermagst  Du  Deine  Verdächti  .  .  Deine  Behauptung
  zu  beweisen?“"

„Seitdem  Ihr  Eure  Reise  angetreten  habt,  Herr
Sambor,“  antwortete  der  Gefragte,  „ist  der  Ritter
genau  zwülfmal  mit  seinem  Boote  diesseits  des
Lindenbaches  am  Strande  gelandet  und  ist  darauf
jedesmal  mit  der  jungen  Herrin,  die  ihn  erwartete,
  im  Dünenwalde  zusammengetroffen.  Meine
Feststellungen  begannen  acht  Tage  nach  Eurer  Abreise,
  nachdem  das  Landen  des  Bootes  zum  zweiten
  Male  bemerkt  und  mir  Mitteilung  davon  gemacht
  worden  war.  Wie  oft  der  Fremde  schon  vorher
  unseren  Strand  betreten  hat,  vermag  ich  nicht
anzugeben."

„Wer  hat  den  Ritter  zum  ersten  Male  hier  bemerkt
  und  wer  die  übrigen  Beobachtungen  gemacht?“
  forschte  der  Burgherr  weiter.

„Der  erste,  der  ihn  hier  gesehen  hat,  war  der
Fischer  Kanski  unten  aus  dem  Dorfe.  Dieser  und
mein  Tempeldiener  Metelka  haben  dann  die  weiteren
  Nachforschungen  angestellt.“

„Wer  weiß  außer  jenen  noch  um  die  Sache?“

„Niemand,“  ich  habe  ihnen  aufs  strengste  verboken,
  mit  irgend  jemand  über  unsere  Wahrnehmungen
  zu  sprechen.“  ·

„Wer  von  beiden  hat  das  Zusammentreffen  des
Deutschen  mit  der  jungen  Herrin  festgestellt?“

„Der  Fischer."

„Was  hat  er  davon  berichtet?“

„Die  junge  Herrin  hat  den  Deutschen  mit  Liebkosungen

  empfsangen,  worauf  beide  dem  dichteren
Walde  zugeschritten  sind."

„Wie  oft  hat  der  Fischer  dies  Gebaren  beobachtet?“


„Nur  dies  eine  Mal,  ich  habe  ihm  fernere  Nachspürungen
  verboten,  einmal  behufs  Wahrung  der
Ehrerbietung  und  zweitens,  weil  ich  befürchtete,  der
Späher  könnte  von  dem  Schurken  entdeckt  werden
umd  dieser  sich  durch  Fernbleiben  der  gerechten
Strafe  entziehen.“

„Da  hast  Du  wohl  getan,  seiner  Strafe  soll  der
Halunke  nicht  entgehen.  Wir  werden  dem  verliebten
  Schürzenjäger  das  Wiederkommen  gründlich  verleiden,“
  bekräftigte  Herr  Sambor  mit  grimmiger
Miene  und  fügte  dann  in  bedeutsamem  Tone  hinzu:

Unser  Dommerland

„Bielleicht  ist  mir  in  allernächster  Zeit  Gelegenheit
geboten,  Dir  für  Deine  Treue  und  Dienstfertigkeit
in  gebührender  Weise  zu  danken.  Ein  Mann  von
solcher  Umsicht  und  Ergebenheit  gegen  seinen  Herrn
darf  nicht  als  herrschaftlicher  Priester  sein  Leben
beschließen.  Der  künftige  Fürst  Pommerns  wird
Männer  Deiner  Art  verwerten  können."

Während  der  beglückte  Priester,  der  den  ganzen
Stinn  der  Worte  nicht  verstand,  sich  damit  begn'igte,
  seinen  Dank  durch  eine  tiefe  Verneigung
abzustatten,  fuhr  Herr  Sambor  fort:  „Du  haltest
längere  Zeit  zum  Nachdenken  als  ich.  Worin  soll
denn  Deiner  Meinung  nach  die  Strafe  für  den
Schurken  bestehen?“

„Ich  halte  den  Tod  für  die  einzige  Sühne  seines
  Verbrechens."“

Herr  Sambor  fuhr  erschrocken  zurück.  „Den
Tod?  wiederholte  er.  „Dir  ist  doch  nicht  unbekannt,
  daß  der  Ritter  der  Neffe  des  Bischofs  und
dieser  unseres  Herrn  Fürsten  vertrautester  Freund
ist.  Wir  würden  die  Rache  beider  auf  uns  ziehen,
wenn  die  Tat  ruchbar  würde.“

„Das  darf  und  wird  sie  eben  nicht,“  meinte  der
Priester  und  in  selbstgefälliger  Wichtigkeit  fuhr  er
fort:

„Ich  habe  alles  bis  ins  kleinste
wenn  Ihr  mir  Gehör  schenken  wollt,  so  will
Euch  meinen  Plan  genau  darlegen.“

Nachdem  Herr  Sambor  seine  Bereitwilligkeit,
ihn  anzuhören,  erklärt  und  ihn  zum  Niedersitzen
genötigt  hatte,  begann  der  Priester  folgendermaßen:


„Vor  allen  Dingen  darf  meiner  Meinung  nach
die  junge  Herrin  vorerst  nicht  erfahren,  daß  ihr
Geheimnis  verraten  ist.  Wie  sehr  Ihr,  Herr  Sambor,
  daher  auch  darnach  verlangen  möget,  der  jungen
  Herrin  Mitteilung  von  den  Zaubereien  des
listigen  Seelenverführers  zu  machen,  um  sie  von
weiterem  Verkehr  mit  demselben  abzuhalten,  so
dürft  Ihr  Euer  besorgtes  Vaterherz  dennoch  nicht
sprechen  lassen,  da  andernfalls,  so  lange  die  Wirküberlegt,

  und
ich

samkeit  des  Zaubers  nicht  durch  den  Tod  des
Zaubermächtigen  gebrochen  ist,  die  Herrin  den
Uebeltäter  sogleich  warnen  würde.  So  könnte  er

möglicherweise  noch  längere  Zeit  sein  Unwesen  treiben
  und  wohl  gar  Eurer  Rache  entgehen.  Augenblicklich
  herrscht  nun  großes  Unwetter  auf  der  Sce
und  es  wird  auch  einige  Tage  währen,  bis  sich  das
Meer  wieder  beruhigt.  Sobald  dies  geschehen  ist,
muß  der  genannte  Fischer  von  einem  hohen  Standpunkte
  aus  nach  dem  Boote  beständigen  Auslug
halten  und  dessen  Auftauchen  sofort  durch  ein  verabredetes
  Zeichen  meinem  unterhalb  der  Burg  am
Strande  harrenden  Tempeldiener  melden.  Dieser
überbringt  Euch  im  Eillauf  die  Botschaft,  für  den
flinken  Gesellen  eine  Leistung  von  kaum  einer  Viertelstunde
  Dauer.  Sogleich  nach  seiner  Ankunft  entsendet
  Ihr  dann  zwei  vorher  in  das  Geheimnis
eingeweihte  und  über  ihre  Aufgabe  unterrichtete
Knechte  zum  Strande.  Diese  legen  sich  in  der  Nähe