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der  Stelle,  wo  der  Ritter  zu  landen  pflegt,  auf  die
Lauer  und  erwarten  das  Fahrzeug.  Selbst  bei
günstigem  Winde  währt  es  nämlich  immerhin  gegen
eine  Stunde,  bis  das  Boot  von  der  Stelle,  wo  es
gesichtet  wurde,  zu  seinem  Bestimmungsorte  gelangt.
Denn  ein  gutes  Auge,  und  das  besttzt  der  Fischer,
uimmt  das  Segel  schon  auf  eine  Meile  Entfernung
wahr.  Ist  der  Ritter  dem  Boote  entstiegen  und  im
Walde  verschwunden,  so  machen  sich  die  Knechte  an
den  Bootsmann  heran  und  erschlagen  ihn.  Nun
lassen  sie  das  leere  Boot  auf  die  See  hinaussegeln

und  schleichen  dann  dem  Ritter  nach,  den  sie  alsbald
  gleichsalls  der  Todesgöttin  weihen.  Die  Herrin

  muß  an  diesem  Tage  selbstverständlich  unter  irgend
  einem  Vorwande,  wenn  nötig,  mit  Gewalt
verhindert  werden,  die  Stätte  der  heimlichen  Zusammenkünfte
  aufzusuchen."

„Ich  möchte  aber  kein  Blut  vergießen,“  erklärte
Herr  Sambor,  nachdem  Kanja  seinen  Plan  entwickelt
  hatte.  „Meuchelmord  widerstrebt  mir.  Ich
hatte  zwar  an  eine  harte,  abschreckende  Bestrafung
gedacht,  aber  mehr  an  eine  die  Mannesehre  verletzende,
  ja  selbst  beschimpfende,  infolge  deren  die
Scham  den  Ritter  abhalten  würde,  der  Herrin  fernerhin
  nachzustellen,  und  die  ihn  wohl  gar  zwingen
  müßte,  die  Gegend  überhaupt  zu  verlassen.  Es
handelt  sich  doch  immerhin  um  eine  rein  persönliche
Angelegenheit;  ginge  sie  allerdings  das  Gemeinwohl
  an,  so  würde  ich  anders  urteilen.  Wenn  das
Wohl  des  Baterlandes  auf  dem  Spiele  steht,  darf
man  vor  nichts  zurückschrecken."

Während  Herr  Gniefomar  bei  diesen  Worten
seines  Bruders  einige  Worte  der  Zustimmung  murmelte,
  erwiderte  der  Priester:  „Ich  bin  nun  aber
gerade  der  Ansicht,  daß  diese  Angelegenheit,  wenn
sie  auch  zunächst  Euer  Haus  angeht,  doch  recht  sehr
das  allgemeine  Wohl  und  Wehe  berührt.  In  Euch
als  einem  der  vornehmsten  und  einflußreichsten  Herren
  des  Landes  ist  durch  das  schändliche  Treiben
des  Ritters  in  Wirklichkeit  das  ganze  Volk  beleidigt
  und  bedroht.  Was  aber  gilt  diesen  dickhäutigen
  deutschen  Bettlern  die  Kränkung  ihrer  Ehre!
Wir  haben  es  ja  an  ihren  Priestern  in  der  ersten
Zeit  oft  genug  erlebt.  Sie  ließen  sich  prügeln  wie
die  Hunde  und  wehrten  sich  nicht.  Im  Gegenteil,
sie  krochen,  nachdem  sie  geschlagen  und  beschimpft
waren,  vor  ihren  Beleidigern  in  schamloser  Weise
und  noch  dazu  mit  widerlich  freundlicher  Fratze,
als  wenn  sie  mit  Met  und  Honigplinzen  bedacht
worden  wären.  So  wird  auch  jener,  selbst  wenn
Ihr,  wie  Ihr  es  zu  beabsichtigen  scheint,  an  ihm

die  entehrende  Strafe  der  öffentlichen  Durchpeitschung
  vornehmen  ließet,  die  Schmach  abschütteln

wie  der  Kläffer  die  Schläge.  Die  Strafe  der
Körperverstümmelung  aber  dürftet  Ihr  nicht  anwenden,
  da  Ihr  andernfalls  den  Zorn  des  Fürsten,
unter  dessen  Schutz  die  bisher  eingewanderten  Deutschen
  stehen,  auf  Euch  laden  und  die  Rache  des
Geschändeten  sowie  seines  Ohms  gegen  Euch  heraufbeschwören
  würdet.  Für  Eure  Person  aber  wäre

Unser  Dommerland

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die  Folge,  daß  Ihr  Euch  auf  Eurem  eigenen
Grund  und  Boden,  besonders  in  Eurem  Waldge—
biet,  nicht  bewegen  könntet  ohne  das  stete  Befürchten,
  dem  aus  dem  Hinterhalt  abgesandten  Mordgeschosse
  des  Rachsüchtigen  zum  Opfer  fallen.  Für  unser
  Land  aber  wäre  mit  dieser  Art  der  Bestrafung

nichts  gewonnen,  vielmehr  würden  des  Ritters
Landsleute,  soweit  sie  schon  im  Lande  sind  oder

uns  noch  heimsuchen  werden,  nur  größere  Vorsicht
bei  ihrem  Tun  und  Treiben  anwenden.  Eine  ganz
andere,  für  die  Gesamtheit  nützliche  Wirkung  aber
könnte  erzielt  werden,  wenn  der  Ritter  spurlos  verschwände.
  Es  würden  sofort  die  eifrigsten  Nachforschungen
  angestellt  werden.  Man  würde  ermitteln,
  daß  er  in  letzter  Zeit  wiederholentlich  in  Begleitung
  seines  Bootsknechtes  Ausfahrten  unternommen

  hat.  Sicherlich  würde  dabei  auch  festgestellt
werden,  daß  er  sich  nach  Osten  hin  zu  wenden
pflegte.  Man  würde  die  ganze  Küste  auf  und  ab

Nachsuche  halten  und  schließlich  das  irgendwo  angetriebene,
  unversehrte  Boot  entdecken.  Aus  den
ganzen  Umständen,  besonders  wenn  man  die  Leichname
  nicht  angeschwemmt  fände,  müßte  man  erkennen,
  daß  ein  Unglücksfall  auf  der  See  nicht  in
Frage  komme,  und  würde  zuletzt  zu  der  Ueberzeungung
  gelangen,  daß  Ritter  und  Knecht  zu  Lande
einen  gewaltsamen  Tod  erlitten  hätten.  Und  zu
dieser  Erkenntnis  sollen  sie  eben  kommen,  zu  keiner
andern  sonst.  Sie  müssen  die  Gewißheit  erhalten,
daß  der  Deutsche  von  dem  Pommern  gerichtet  worden
  ist.  Das  wird  zunächst  ein  gewaltiges  Geschrei
unter  ihresgleichen  verursachen,  und  die  Kunde  von
dem  Geschehenen  wird,  hauptsächlich  auch  wegen
des  vornehmen  Standes  des  Verschwundenen  und
seines  Ohms,  von  einem  Ende  des  Landes  bis  zum
anderen  sich  verbreiten,  ja  wegen  der  Verbindungen
des  Bischofs  weit  hinaus  über  die  Landesgrenzen
in  das  Gebiet  der  Deutschen  gelangen.  Und  dies
wird  eine  heilsame  Wirkung  ausüben.  Man  wird
erkennen,  daß  das  Hausen  unter  uns  Pommern
doch  auch  mit  recht  großen  Unannehnmlichkeiten,  die
sogar  den  Hals  kosten  können,  verknüpft  ist.  Mancher
  Abenteurer  wird  dadurch  von  der  Einwanderung
  abgeschreckt  werden.  Und  wenn,  was  ich
hoffe  und  wozu  ich  für  mein  Teil  beitragen  werde,
das  hiesige  Beispiel  Nachahmung  findet,  so  wird'
unser  Pommernland  zu  seinem  Heile  bei  den  Deutschen
  bald  ebenso  verschrieen  sein  wie  Preußen  bei
den  Polen.  Ihr  aber,  Herr  Sambor,  habt  die  Geullgtuung,
  Eurem  Volke  einen  grosen  Dienst  erwiesen
  zu  haben;  bisher  hat  sich  das  deutsche  Ungeziefer
  bei  uns  ja  nur  erst  hier  und  da  vereinzelt
eingenistet;  noch  ist  es  also  zu  unterdrücken.“
Herr  Sambor  schüttelte  das  Haupt.  „Wir  Pommern,“
  erwiderte  er,  „sind  stark  genug,  um  uns  unserer
  Feinde  im  offenen  Tageslichte  vor  aller  Augen
zu  entledigen.  Und  wir  werden  es  tun.  Aber  was
miuseren  besonderen  Fall  betrisft,  so  bin  ich  inzwischen
  zu  einem  anderen  Entschluß  gelangt.  Die
Rache  des  Ritters  und  seiner  Sippe  würde  mich