wegen  stelle  ihnen  auch  noch  eine  hohe  Belohnung
in  Aussicht,  wenn  sie  ihre  Sache  gut  machen.  Die
junge  Herrin  werde  ich  an  dem  betreffenden  Tage
unter  irgend  einem  Vorwande  im  Hause  halten.“

Der  Priester  dankte  Herrn  Sambor  für  sein  Ver—
trauen  und  versprach  sorgfältigste  Borbereitung  des
Anschlages.  Aber  Kanja  war  ein  vorsichtiger
Mann  und  so  fragte  er  denn  den  Burgherrn,  was
er  mit  den  beiden  zur  Ausführung  der  Tat  be—
stimmten  Knechten  nach  Erfüllung  ihrer  Aufgabe  zu
tun  gedenke.

Herr  Sambor,  der  aus  dem  lauernden  Blick  sei—
nes  Beraters  sofort  erriet,  worauf  dieser  hinzielte,
antwortete:  „Für  meine  Knechte  bürge  ich,  Kanja,
da  ich  selber  ihnen  nach  vollbrachter  Tat  noch  durch
einen  heiligen  Eid  Stillschweigen  auferlegen  werde.
Auch  bindet  ihnen  die  Furcht  die  Zunge.  Sie  kennen
  ihren  Herrn.  Im  übrigen  dächte  ich,  daß  es
mit  dem  einen  Opfer  genug  wäre."

„Dem  Fischer  und  Tempeldiener  aber  traue  ich
nicht,“  erklärte  Kanja.  „Wer  weiß,  ob  sie  nicht  trotz
des  Verbotes  dennoch  schwatzen.  Auch  lebt  es  sich,
was  den  Tempeldiener  betrifft,  für  den  Herrn  nicht
aut  neben  einem  Untergebenen,  der  Mitwisser  seincs
Geheimnisses  ist.  Es  wäre  daher  wohl  rätlich,  wenigstens
  diese  beiden  alsbald  davor  zu  bewahren,
sich  selber  in  Ungelegenheiten  zu  bringen.  Denn
wenn  sie  auch  keinen  tätigen  Anteil  an  dem  Strafgerichte
  selber  nehmen,  so  sind  sie  immerhin  an  der
Sache  selbst  beteiligt.  Und  es  ist  doch  nur  recht  und
billig,  daß  der  Erfahrenere  den  Unerfahrenen  vor

einem  ihn  möglicherweise  treffenden  Ungemach
schützt."
Das  teuflische  Grinsen,  das  bei  diesem  blulig

rohen  Scherze  das  feistbreite  Antlitz  des  Priesters
noch  mehr  in  die  Breite  zog  und  die  ganze  seelische
Roheit  dieses  Götterdieners  bekundete,  schien  selbst
das  harte  Gemüt  des  Burgherrn  anzuwidern.  Denn
unmutig  runzelte  er  die  Stirn,  während  er  unwillkürlich
  mit  seinem  Sessel  eine  Spanne  von  dem
Sprecher  abrückte.  Darauf  aber  sprach  er:  „Ich
glaube  nicht,  daß  Du  für  Deine  Person  etwas  zu
befürchten  hast.  Auch  würde  ich  Dich  zu  schützen
wissen,  wenn  innerhalb  der  nächsten  Wochen  etwas
über  Deine  Beteiligung  an  der  Tat  in  Kammin
oder  Wollin  verlauten  sollte.  Und  später  wird  Dir
hoffentlich  kein  Feind  erstehen.  Ich  meine  daher,
daß  die  armen  Schelme  ruhig  am  Leben  bleiben
können.“"

Doch  Kanja,  der  des  Burgherrn  Andeutungen
nicht  verstand,  äußerte  noch  verschiedene  Bedenken,
bis  Herr  Sambor  ihm  endlich  ungeduldig  erklärte,
er  überlasse  diese  Angelegenheit  ganz  seinem  Ermessen,
  er  möge  handeln,  wie  er  es  für  gut  befinde.
  —  "

So  war  denn  der  schändliche  Plan  geschmiedet

und  mit  sich  selbst  zufrieden  kehrte  der  Priester
heim.  Sein  grimmiger  Haß  gegen  die  Christen
sollte  endlich  reichliche  Sättigung  erfahren.  Die

größte  Befriedigung  aber  bereitete  es  ihm,  daß  er

Unser  Dommerland,

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dem  verhaßten  Oberhaupt  der  fremden  Priester  selbst
einen  so  tödlichen  Schlag  versetzen  durfte.  Daß  er
soeben  Anstifter  eines  gräßlichen  Verbrechens  geworden
  war,  schuf  ihm  keine  Gewissensbisse.  War
es  ja  doch  nur  einer  der  verächtlichen  Landräuber
und  Unterdrücker  des  Wendenvolkes,  dem  der  Geraus
  gemacht  werden  sollte.  In  seiner  Behaufung
angekommen,  berief  er  sogleich  den  Fischer  und
Tempeldiener  zu  sich  und  machte  sie  mit  ihrer  Aufgabe
  bekannt.

Der  Ueberkall.

Am  zweiten  Tage  nach  der  Heimkehr  des  Burgherrn
  hatte  sich  die  See  so  weit  beruhigt,  daß  Herr
Kunrad  es  für  kein  Wagnis  mehr  hielt,  die  Fahrt
zur  Geliebten  zu  unternehmen.  Daß  Herr  Sambor
von  seiner  Reise  zurückgekehrt  war,  wußte  er  bereits.
  Slavina  hatte  es  ihm  durch  den  Enkel  eines
alten  Kräuterweibes,  das  in  der  Nähe  der  bäterlichen
  Burg  in  einsamer  Waldhütte  hauste  und  ihr
blindlings  ergeben  war,  sogleich  am  nämlichen  Tage
mitgeteilt.

Als  aber  der  Ritter  zur
am  gewohnten  Platze  erschien,  hielt  er  vergebens
nach  der  Geliebten  Umschau.  Nachdem  er  eine
Weile  ihrer  geharrt  hatte,  verließ  er  das  bergende
Dickicht  und  machte  einige  Schritte  in  der  Richtung,
  aus  der  sie  zu  nahen  pflegte.  Da  schwirrte
plötzlich  ein  Pfeil  durch  die  Luft  und  Kunrad
fühlte  einen  brennenden  Schmerz  in  der  Brust.
Schnell  entschlossen  sprang  er  in  das  Gebüsch  zuräck,
  zückte  sein  Schwert  und  durchschnitt,  so  heftig
es  ihn  auch  schmerzte,  den  Schaft  des  Pfeiles  dicht
lüber  seinem  Gewande,  dann  nahm  er  hinter  einer
mächtigen  Eiche  Deckung  und  erwartete  den  unbekannten
  Feind.  Es  währte  nur  wenige  Augenblicke,
  da  brachen,  blutgierigen  Wölfen  gleich,  zwei
Wendenkrieger  durch  die  Büsche.  Kurze  Zeit  ließen
sie  ihre  Blicke  forschend  durch  das  Dickicht  schweifen,
  dann  mochten  ste  wohl  glauben,  der  Gesuchte
sei  strandwärts  geflohen,  und  eilten  nun  in  der
Richtung  auf  die  Eiche  zu  weiter.  Da  trat  Kunrad
  plötzlich  hinter  dem  Baume  hervor,  schwang
sein  Schwert  und  spaltete  dem  ersten  seiner  Verfolger
  mit  mächtigem  Hiebe  den  nur  von  einer
Lederkappe  geschützten  Schädel.  Der  zweite  Verfolger
  stutzte,  augenscheinlich  überlegte  er,  ob  er
allein  dem  Ritter  entgegentreten  oder  fliehen  sollte.
Nur  einige  Herzschläge  lang  hatte  sein  Ueberlegen
gewährt,  aber  diese  genügten  zu  seinem  Verderben.
Denn  als  er  nunmehr  eine  B'’wegung  machte,  als
wollte  er  sich  zur  Umkehr  wenden,  war  mit  einigen
mächtigen  Sprüngen  auch  schon  der  Rächer  an  seiner
  Seite,  schlug  ihm,  bevor  er  seinen  Speer  zur
Abwehr  des  Gegners  zu  fällen  vermochte,  hurtig
die  Waffe  aus  der  Hand  und  durchrannte  ihn  mit
dem  Schwerte.  Jetzt  aber  wandte  Kunrad  sich  dem
Strande  zu,  um  zu  seinem  Boote  zu  gelangen.

verabredeten  Stunde