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zuziehen,  die  Ersten  überall.  Wie  durstig  das  Leben
genießend,  ein  kurzes,  ein  Dasein  wie  Spiel  und
Tang,  dann  ein,  rasches  Vergehen.  Die  goldene
Mittelstraße  halten  die  Nadelhölzer.

In  mitten  dieser  verschieden  veranlagten  Bäume
bin  ich.  Den  Eichen  und  Buchen  merke  ich  an,  daß
sie  auf  die  mit  Grün  geschmückten  Eiligen  weisen
und  fragen,  ob  es  schon  nötig  ist  ein  neues  Kleid
anzuziehen,  ob  es  nicht  verfrüht  ist.  Achselzuckend
stehe  ich  da.  Oft  hatten  die  Hastigen  zu  leiden  gehabt,
  wenn  Weißbart  Winter  noch  einmal  mit  harter
  Faust  zugriff;  traurig  braun  sah  dann  das
frische,  grüne  Kleid  aus.  Sie  wollen  abwarten,  als
Vorsichtige,  bestellt  ist  ihr  Schmuck  schon,  aber  ein
Fleck  darin  und  sie  müssen  sich  den  ganzen  Sommer
schüämen.  Auf  Rehe  machen  sie  mich  mit  leise  bewegenden
  Zweigen  aufmerksam.  Auch  die  tragen  noch
grau,  das  Grau  des  Winters.  Das  Böckchen  hat
seine  Kopfzier  noch  unter  dem  schützenden  Bast.
Sind  diese,  ihre  Schützlinge,  erst  rot,  dann  wollen
sie  sich  fertigmachen,  dann  glauben  sie  an  Beständigkeit,

  an  den  Frühling.  Horch,  da  lockt  ein
Täuber,  sein  Nuh,  Ruh,  kuhrr,  kuhrr!  Ein  Jasanenhahn

  balzt  hinter  mir,  sein  Minneschrei  klingt
aus  nächster  Nähe.  Jast  lautlos  setze  ich  mich  auf
eine  Wurzel,  der  niedrige  Tannen  Deckung  geben.

Da  kommen  zwei  Hennen,  dahinter  in  goldigkupferner
  Pracht,  die  rote  Kopfzier  prahlend  zeigend,
  der  Hahn.  Stolz  marschiert  er  mit  seinen

beiden  Bräuten  zum  Feld.  Laut  schreit  er  dann
und  wann  auf,  und  fährt  dann  plötzlich  mit  gesenkten
  Flügeln  und  geblähtem  Hals  auf  sie  ein.
Stürmisch  ist  sein  Werben.

Unser  Dommerland

Die  Sonne  ist  aufgegangen.
übersät  liegt  alles  da,  rot,
keln  die  Tautropfen,  blitzen  im  wasserklaren  Licht,
sammeln  sich,  viele  werden  eins,  der  Boden,  die
Wärme  nimmt  sie  auf  und  einer  nach  der  andern
verschwindet.  Der  leise  Wind  trocknet  bald  Wald
und  Flur.  Das  Glitzern  ist  fort,  doch  erfrischt  hat
die  Feuchtigkeit  alles.  Die  Annemone,  der  Goldstern,
  das  Moos,  sie  sehen  so  erquickt  aus  und
dankbar  zeigen  sie,  die  ersten  Kinder  des  Frühlings,
  ihre  Blüten.  Da!l  Blumen  und  Bäume
horchen  auf.  Eine  lautlose  Stille  tritt  ein.  Da  ist
es  wieder  —  der  Kuckuck  ruft!  Alle  zählen,  auch
ich,  wie  oft  er  sich  hören  läßt,  wie  lange  wir  leben.
  Er  ruft  und  ruft  ohne  Ende.  Buchen  und
Eichen  nicken  bedächtig,  Tannen  und  Fichten  zittern
  vor  Freude,  auch  ich  mache  ein  froh  Gesicht.
Möge  er  wahr  haben,  möge  es  mir  vergönnt  sein,
noch  oft  zu  sehen,  zu  erleben  den  Frühling.

Schon  steigt  die  Sonne  höher,  die  Rehe  haben
sich  satt  geäst  und  niedergetoan.  Der  Kuckuck  ruht
sich  aus  vom  langen  Rufen.  Ich  erhebe  mich  und
wandle  heim.  Bachstelzen  sehe  ich,  ihr  wiegendes
Laufen,  die  ewige  Unruhe  ist  das  Gegenteil  von
dem  gravitätisch  durch  die  Wiesen  wandelnden
Storch.  Mit  stoischer  Ruhe  steht  er  jetzt,  sieht
eine  Zeit  lang  nach  einer  nassen  Stelle,  blitzschnell
stöht  er  zu,  er  hat  sein  Frühstück.

Bald  bin  ich  zu  Hause.  Die  geschlossenen  Fenster
  öffne  ich.  Ist  es  Frühling  draußen,  soll  er
auch  in  meiner  Kammer  sein.  Möge  der  Kuckuck
Recht  behalten,  es  ist  und  bleibt  Frühling.

Wie  mit  Brillanten
grün  und  violett  fun-Der

  Gingänger.

Nagelfrisch  stand  wieder,  nach  langer  Zeit,  die
Fährte  des  alten  Keilers  im  Sande  des  Waldweges,
  der  mitten  durch  die  Forsten  lief.  Der  Jäger,
  der  sie  fand,  tat  einen  tiefen  Zug  aus  seiner
Pfeife,  blies  den  Dampf  in  blaugrauer  Wolke  aus
und  fluchte.  Der  Eingänger  narrte  ihn  förmlich,
war  ein  seltener  Gast  in  seinem  Revier,  immer  allein
  und  steckte  meistens  im  dicksten  Dickicht  des
Holzes.  So  manche  Mondscheinnacht,  so  manchen
Morgen  und  Abend  hatte  er  draußen  gesessen,  doch
nie  ihn  auf  Schußweite  gehabt,  und  spurlos  verschwunden
  war  das  Schwein  dann  für  lange  Zeit.

Von  Curt  Bloedorn.

Jetzt  hieß  es  die  Nacht  zum  Tage  machen  und
nicht  aus  der  Forst  weichen.

Im  ersten  Viertel  steht  der  Mond,  die  Sterne
blinken  am  klaren  Himmel,  der  leichte  Nebel  des
Herbstabends  ist  zu  dünnem  Reif  geworden,  der
einen  Silberschimmer  auf  Baum  und  Gras  legte.
Im  Stubbenloch,  das  halbgefüllt  mit  verrotteten
Blättern  und  Nadeln,  Zweigen  und  Rindenstücken
ist,  hebt  sich  ein  mächtiger,  schwarzgrauer  Kopf  an
klobigem  Rumpf,  schnaubt  ein  paarmal  durchs  Gebrech,
  zieht  die  Luft  ein,  knautscht  mit  einem  Biß
einen  armdicken  Ast  durch,  der  vor  ihm  liegt,  setzt