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bewahnt.  Un  selten  verirrt  sick  en  Reisender  hierher
  in  desen  afgelegen  Herrensitz  un  let  sick  de  Säle
un  Tinmnern  wisen  mit  de  Andenken  an  de  ollen,
Ahnen  von't  gräflich  Geschlecht,  de  Ritterrüstungen,
de  Schilde  un  Spieße  un  Morgenstirns,  de  Schapden
  un  Kufferts,  de  Biller  un  Schätze,  dei  de  Grasen
  nah  un  nah  von  ehr  Reisen  tausambröcht  hadden,
  de  Säbels  ut'n  Türkenkrieg,  de  Götzenbiller
un  utgestoppten  Boren.  Ein  Deck  up  einen  Disch
badd  den  Wirt  von  en  börgerlich  Wahnhus,  un  gegen
  ein  ägyptisch  Mumie  hädd'n  woll  'ne  Kauhhaut
  intuschen  künnt.  Rik  un  vörnehm  was  dat
Ganze  un  jedes  Stück,  jede  Eck.

De  oll  Gräfin  Anckersdal  was  Witfru  un  lewt
blot  wenig  Sommermonden  up  dit  oll  Stammgaud,
un  denn  wiren  gaude  Dag  in't  Dörp  bi  Lütt  un
Grot.  Aewer  ok  sünst  hadd  de  olle  Dam  mit  dat
verfollen  Gesicht  un  dat  weike,  warme  Hart  för  ehr
Lüd  sorgt.  Sei  hadd  den  Schloßverwalter  un  den
Inspekter,  un  all,  dei  wat  tau  seggen  hadden,  de
Anwisung  gewen,  sei  süllen  ümmer  un  för  alle  Tid
dorför  uppassen,  dat't  keinen  slicht  up  ehr  Gaud
gäng,  sei  süllen  Acht  gewen  up  de  Familien  mit
vel  RKinner,  dat't  dor  nicks  an  fehlen  ded.
„Sehen  Sie  sich  oft  dat  Wappenbild  unseres  Geschlechts
  auf  den  Torpfeilern  des  Schlosses  an,  die
beiden  gekreuzten  Anker,,  säd  sei  in  ehr  lise  un
fründliche  un  doch  so  weihmäudige  Ort,  „wo  das
Kreuz  un  Herzeleid  eingekehrt  ist,  da  sollen  ein
volles  Herz  und  eine  volle  Tasche  lindern,  so  viel
es  möglich  ist!“

De  Fru  was  man  lütt  un  zort,  sei  wir  vör  wenig
  Wochen  wedder  ut'n  Süden  trügkamen  un  hadd
sick  von  de  Anstrengungen  up  so'’n  lang  Reis“  wedder
  verhalt.  Sei  wir  gistern  abend  tau  rechter  Tid
tau  Bedd  gahn,  hadd  äwer  unruhig  flapen,  um  all
in  früher  Morgenstun'n  wir  sei  ganz  munter.  Sei
stünn  up,  ehr  kem  dat  so  schön  vör,  en  Gang  in
de  Friheit  tau  maken,  in  den  frischen  Morgen  mit
sick  allein  tau  sin.  Sei  bemäuht  keinen  von  de
Deinerschaft,  sei  treckt  sick  allein  an  un  stellt  de
Finstern  apen.  Un  nu  güng  sei  licht  ut't  Schloß;
sei  hadd  so  as  ümmer  sick  nich  de  geringste  Mäuh
gewen,  sick  vör'n  Speigel  jünger  tau  maken,  as  sei
wir;  sei  verstek  nicks  von  ehr  grisen,  dünnen  Hoor,
von  de  deipen  Falten,  dei  dat  Oeller  un  de  Kummer
  in  ehr  Gesicht  teikent  hadden.

Sei  güng  äwer  den  Kiesweg  bi'’n  Schloßhof,  dei
von  Rosen  links  un  rechts  infat't  wir;  männigmal
stünn  sei  still  un  beseg  sick  de  jungen  Rosen  in  ehr
wundenschönen  Formen  un  Farben;  äwer  sei  brök
kein  af.  Sei  wir  längst  dorvon  afkamen,  Blaumen
oder  Twig  aftaubreken  un  junges  Lewen  tau  rungnieren,
  sei  led  ok  nich,  dat  up  ehr  Gaud  Bägel  in
Burkens  sett't  würden.

Un  nu  dacht  sei  doran,  wo  oft  sei  as  junge
Fru  desen  Weg  gahn  wir  mit  ehr  Kinner  an  de
Hand.  Un  wat  leg  twischen  des'  ollen  Dag  vull
Glück  un  Hoffnung  un  hüt!  En  langes  Lewen  mit
Jammer  un  Led.  In  ehr  sanften,  gauden  Ogen

Unser  Dommerland

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sei  wischt  s'  mit'n  Taschenkemen

  de  Tranen,  un
dauk  weg.

Nu  kem  sei  rut  in  de  Friheit  un  äwerläd,  wo
sei  nu  wider  gahn  süll.  Sei  soöcht  sick  den  Herrenweg
  ut,  hier  würd  ehr  keiner  begegen,  hier  wir  sei
allein  mit  de  Natur  un  den,  dei  ehr  regiert.  De
Herrenweg  is  von  en  Grafen  Anckersdal  midden
dörch't  Feld  anleggt,  t  is  äwer  all  allenmihrst
hundert  Johr  her.  Un  up  den  Weg  dürft  keiner
gahn  un  fähren,  as  blot  de  gräflichen  Herrschaften
allein.  Up  beid  Siden  wir  de  Weg  beplant't  mit
Ahurn  und  Platanen,  Eiken  un  Linden,  un  dat
Unnerholt  von  Hassel  un  Slehdurn  gew  rillich
Schatten.  Up  Stellen,  wo  en  schöner  Utblick  wir,
wir  dat  Gebüsch  uthaugt,  un  hier  stünnen  denn
einfache  Bänk  tauf'n  Utraugen.

So  wandert  de  lütt,  olle  Dam  einsam  rin  in
den  Morgen  dörch  en  rikes  schönes  Stück  Ird,  wat
ehr  hürt,  sei  kek  stellenwis',  wo  ’ne  Lichtung  wir,
äwer  de  Feller  mit  ehren  gollen  Segen  weg  nah
de  Dörper  un  Hölter  von  de  Nawerschaft;  mit  ehr
Schritten  jagt  sei  en  Hasen  up,  dei  hier  in'n  Weg
drust  hadd,  un  äwer  sin  hastig  Utriten  kem  en
swackes  Lachen  up  de  Gräfin  ehr  Gesicht.  Dor  wir
einer,  dei  Angst  vör  ehr  hadd.

Un  nu  kem  de  Sünn  rut  mit  ehre  Pracht  un
ehren  Glanz;  de  Lichtstrahlen  fünnen  ehren  Weg
dörch  dat  Unnerholt  un  spelten  un  flackerten  äwer
den  Herrenweg,  un  de  Gräfin  hadd  all  en  lütten
Marsch  achter  sick.  Sei  raugt  sick  ’'ne  Tid  lang  ut
up  'ne  Bänk  un  horcht  up  das  Leben,  wat  nu  upwaken
  ded  un  seg  üm  sick  in  de  Run'n.

Nich  wid  af  von  ehr  leg  en  Vörwark  von't
Gaud,  un  dor  würd  sei  'ne  öllerhafte  Daglöhnerfru
  gewohr,  dei  iwrig  un  flitig  Klewer  affned  un
up'n  Handwagen  packt,  un  up  den  lütten  Wagen
leg  en  vullgeproppt  Sack.  Aewer  de  Gräfin  ehr
Gesicht  huscht  en  fründlichen  Schin  wegen  so  vel
Rührsamkeit;  sei  stünn  up  un  güng  in  de  Richtung
von  de  Fru;  sei  mücht  sick  girn  mit  de  Husfrugens
ut  ehr  Gäuder  utreden,  wenn't  de  Taufall  so  mit
sick  bröcht;  sei  hadd  ehr  Freud  an  dat  einfach  um
natürlichen  Wesen  von  des'  lütten  Lüd,  dei  mit  Höflichkeiten
  un  Kultiviertheiten  nich  fett  proppt  sünd
un  ehr  Würd  nich  afdresseln  un  up  de  Wachtschal
leggen.  Dei  reden  unverfroren  so,  as't  ehr  up  de
Tung  kümmt.  De  Gräfin  wüßt  dat;  sei  wüßt,  dat
bi  des'  Lüd  von  Poliertheit  nich  de  Red  wir,
äwer  dei  allein  makt  jo  keinen  Eddelstein,  de  innere,
  natürliche  Wirt  möt  dat  meist  hergewen,  un
de  Gräfin  hadd  all  mänmigen  SEddelstein  in  ärmliche
  Kleder  funnen.  En  Minsch  hürt  noch  lang
nich  tau'n  Pöbel,  wem  hei  in  einfachen  Nock
geiht,  un  ümgelihrt  kann  de  best  Dressur  en  gemeinen
  Kirl  nich  tau'n  Ihrenmann  maken.

„Guten  Morgen,“  rep  de  Gräfin,  as  sei
kamen  wir.  „Was  machen  Sie  schon  so  früh
dem  Felde?“

Sei  kennt  de  Fru  nich  persönlich,  dei  irst  in'n
Harwst  tautagen  wir.  ·

Vanauf
