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De  Daglöhnerfru  verfiert  sick  degern  un  fohrt
tausam,  as  sei  de  Stimm  achter  sick  hürt.  Sei
snappt  nah  Luft,  so  wir  ehr  dat  in  de  Glieder

schaten,  un't  wir  doch  ’ne  dralle,  drädige  Fru.
Dat  was  so  frisch  un  käuhl  hier  buten,  un  doch
kem't  ehr  vhr,  as  wenn't  mit  eins  kakendig  heit
wir,  un  dat  Hart  flög  ehr  as  en  Ossenswanz  in  de
Fleigentid.

De  Gräfin  würd  gewohr,  wo  verlegen  de  Fru
wir  un  redt  ehr  in'n  Gauden  tau,  in  ehre  saufte
Fründlichkeit  frög  sei:

„Sie  holen  wohl  Klee  für  Ihre  Kuh?  —  Was
haben  Sie  denn  im  Sack?“

Dat  frög  sei  so  unschüllig  un  ahn  Hinnergedanken,
  blot  üm  mit  irgend  wat  en  Vertelles  anlaufängen.



„In'n  Sack?“  frög  de
Tüffel  in!“

„Sind  sie  denn  gut  geraten?“  säd  de  Gräfin
nickt  ehr  tau,  üm  ehr  Maut  tau  maken.

„Ja,“  gew  de  Fru  tau  Antwurd  un't  kem  beten
gedrückt  rut,  „sei  sünd  vrein  von  Schorf  un  ok  grot
naug!“

„Sie  pusseln  hier  ja  schon  vor  Tau  und  Tag,“
säd  de  Gräfin  wider.  „Sie  konnten  doch  schlafen!“

„Ja,  ja,“  antwurdt  de  Fru  recht  zach,  „ick  hädd
woll  noch  en  Stot  in't  Bedd  liggen  künnt;  äwer
wenn  wi  Ort  Lüd  wat  vör  sick  bringen  willen,
denn  möt'n  früh  ut't  Bedd  rutkräpeln.

„Die  Morgenluft  ist  auch  so  gesund!“

„Ja,  ick  ok!  Ick  bün  ok  gesund  un  gah  ahn
Stock,  un't  Fauder  glitt  noch  ümmer;  ick  kann  säut
un  fur  verdragen!  Aewer  ick  ward  doch  all  wat
olt  un  bün  nich  recht  mihr  up  de  Strümp.  Wenn
ick  blot  denn  ewigen  Arger  mit  minen  Mann  nich
hädd!  Dei  is  en  Leckermul,  un  ick  süll  em  gistern
en  Hauhn  flachten  un  braden!“

„Haben  Sie  es  denn  getan?“

„Oh,  wo  ward  ickl  Ick  frög  em,  ob  hei  nahsten
Eier  leggen  wull!  Un  äwerdem  brad  ick  kein  jungen
  Häuhner  un  de  ollen  irst  nich  recht  nich,  dei
verköp  ick  an  de  Stadtlüd.  Dat  Stadtvoalk  frett
alls  weg  un  betahlt  alls  anstännig.  Ne,  up  so'n
Stücken  von  minen  Mann  lat  ick  m  nich  in!  De
oll  Hamel  will  ok  up  fett  Weid  gahn,  as  de  vörnehnen
  Lüd,  dei  Windmamsellen  (Pfeffermünzplätzchen)
  naschen  un  an  fure  Nervendruppen  raken.
So  wat  känen  wi  nich  blasen!"

„Was  für  Tropfen  meinten  Sie?“

„Sure  Nerbendruppen!  Sei  stinken  beten  un
gewen  Luft  in  de  Näs'’.  Wo  sei  up  gebildt  heiten,
weit  ick  nich;  ick  kann  nich  so  seggen,  un  wat  ick
segg,  kümmt  woll  wat  krumm  un  verschrat  rut!“

„Das  macht  doch  nichts!  Das  savoir-vivre  ist
nicht  Ihre  Sache;  ich  weiß  es!“  ·

»Datversteihtsick!TaiusdeZawwcbWiwerhlir
ick  nich!“

„So  meinte  ich  es
Gräfin  un't  was  ehr

Dor

Fru.  „D  heww  ick

Ul

nicht,“  säd  de
dat  sei  an  dit

nun  gerade
antauseihn,

Anser  Dommerland

Vertelles  Gefallen  fünn,  „ich  meinte,  die  Courtoisie
  will  auf  dem  Lande  nicht  recht  gedeihen!“

„Ach,  so  meinten  Sei!  Ja,  denn  möt  de  Türkesisi
  woll  mihr  Meß  hewwen!“

„Ist  Ihr  Mann  denn  gut  gegen  Sie?“  frög  de
Gräfin,  dei  wat  anners  anfüng,  wil  sei  up  des
Ort  nich  mit  ehr  sarig  würd.

„Ach,  de  Manns  fünd  all  glattührig  Stinkers
un  oll  mulsche  Katers!  Mit  dei  hett'’n  de  leiwe
Not,  um  ’'ne  vörnehm  Dam  kann  sick  dor  gor  nich
rindenken!  Dei  weiten  nich,  wat  dat  Leben  tau  bedüden

  hett  un  känen  alls  so  maken,  as  sei  willen!“


„Wieso?  Warum?  Was  bin  ich  anders  als
Sie?  Kann  ich  die  Sonne  ausblasen  und  bei  Neumond

  den  Mond  anstecken?  Hab  ich  mehr  als  fünf
Finger  an  der  Hand?  Gibt  es  jemand,  der  mit
mir  jauschen  und  tragen  wollte,  was  ich  zu  tragen
habe?  Und  wird  sich  einer  finden,  der  mir  seine
Jugend  un  Lebensfreude  geben  un  dafür  eine  alte
Gräfin  sein  wollte?  Meine  Augen,  sehen  nicht  mehr
als  die  Ihrigen,  vielleicht  noch  weniger!  Und  Sie
haben  noch  einen  Mann,  der  für  Sie  eintritt!  Und
Sie  haben  doch  auch  wohl  gesunde  Kinder?“

„Ja,  ick  heww't  ganze  Nest  vull,  dei  freten  jeden
  Dag  en  Brot  upl“

„Und  haben  Sie  immer  das  Brot  für  sie
gehabt?“

„Ja,  dat  will  ick  nich  striden!“

„Na,  sehen  Sie,  der  alte  Gott  lebt  noch!“

„Dat  ward  ümmer  seggt,  un  oll  Glaser  Rohsland
  säd  dat  ok,  as  de  Hagel  alle  Finsterschiwen

Geintweislahn

  hadd.  So'n  rike  Herrschaft,  dei  ut't
vulle  Fett  stippt,  weit  likerst  nich,  wo  unsereinen

tau  Maud  is,  dor  känen  sei

von  maken!“

„Warum  nicht?  Ich  kann  auch  nicht  mehr,  als
mich  satt  essen  —  in  de  m  einfachsten.  Gericht,  Sie
können's  glauben!  Was  hab  ich  von  meinem  grozen
  Schloß?  Ich  bewohne  davon  eine  kleine  Stube
wie  Sie,  und  Sie  haben  Ihre  Kinder  um  sich!
Die  Sonne  scheint  allen,  wenn  auch  nicht  alle  von
silbernen  Tellern  essen!"“

„Ja,  dat  redt  sick  so  un  is  doch  nicht  an  dem
Dat  is  grad  so,  as  mit  den  Professer,  dei  ganz
prick  wüßt,  wo  de  Stauhl  in  alle  Spraken  heit,
un  sick  nahsten  doch  bitau  sett't.  Ick  heww  woll
min  Sorg  un  minen  Kummer!  Wat  min  Oellst  is,
dei  hett  ne  Napunzel  in't  Knick,  so  grot  as  'ne
Wallnät,  un  vör  acht  Johr  is  mi  en  Gör  von  vier
Johr  in  de  Mergellul  versapen!  Dunn  heww  ick
rort,  dat  mi  de  Tranen  man  ümmer  so  de  Backen
dal  rönnten!“  Sei  wischt  sick  mit'n  Schörtenzippel
in  de  Ogen  un  säd  noch:  „Dor  sall'n  woll  swigen,
wat  ut  so'n  Gör  rutbrött,  wenn't  ok  döft  is!“

De  Gräfin  wüärd  sihr  irnsthaft  bi  des'  Würd,
ehr  Ogen  irrten  ahn  Glanz  un  vull  Truer  un
Kummer  wid  weg  äwer  de  Feller,  dat't  einen  weih
daun  künn,  un  sei  säd  mit  liser  Stimm:

sick  gornich  en  Bild