Die  Stadt  Regenwalde  und  ihre  Kirche.

(Aus  alten  Chroniken  veröffentlicht
mersche  Tagespost"  das  Folgende.)

Vom  Herzog  Wartislaw  III.  erhielten  im
Jahre  1255  die  Prämonstratenser-Mönche  vom
Kloster  Belbuck  bei  Treptow  a.  R.  das  Dorf  Carow
  bei  Regenwalde,  wodurch  deutsche  Kultur  in
den  Borkenkreis  getragen  wurde.  In  demselben
Jahre  erhielt  Kolberg  das  Stadtrecht,  wodurch  hier
die  Tätigkeit  von  Vorckes  als  Kastellan  aufhört  und
er  sich  auf  seine  Besitzungen  an  der  Rega  zurückzieht.


Dieser  und  seine  Söhne  Johannes  und  Jakobus
von  Borcke  auf  Stramehl  gründen  im  Jahre  1282
die  Stadt  Regenwalde  und  beauftragen  Dietrich
Horn  aus  Kolberg,  diese  Stadt  zu  besiedeln.  Unter
  den  Zeugen  dieser  Urkunde  werden  die  Priester
Basilius  und  Gottfriedus  genannt,  jedoch  wird
hierbei  einer  Kirche  nicht  gedacht,  die  gewiß  mit
Grundeigentum  im  Burgflecken  Regenwalde  bestanden
  hat.  1354  wird  Henning  Zachow  als  Pleban
in  Regenwalde  genannt,  der  zugleich  Domvikar  in
Cammin  war.  Dieser,  ein  vermögender  Herr,  errichtete
  ein  Testament,  aus  dem  hervorgeht,  daß
die  Kirche  der  Jungfrau  Maria  geweiht  war.  Er
setzte  zehn  Mark  Silber  zur  Anfertigung  eines  Aldie

  „Pomtaraufsatzes

  aus,  auf  welchem  die  Mutter  Maria,
die  heilige  Anna,  Jesus  im  Tempel  dargestellt
wird.

Im  Jahre  1389  wird  dem  Geistlichen  der  Kirche
zu  Regenwalde  nach  einer  Bulle  des  Papstes
Alexander  IV.  aufgetragen,  Matzke  Borcke  auf  Stramehl
  unter  Androhung  des  Bannes  zu  teilieren,
weil  er  an  der  Gefangennahme  des  auf  der  Reise
befindlichen  Herzogs  von  Geldern  teilgenommen
habe.  Nach  einer  Urkunde  vom  Jahre  1468  gehört
die  Regenwalder  Kirche  zum  Archidiakonat  Cammin,
  und  der  Pleban  Georg  Becker  in  Schivelbein
ist  Offizial  Präpositus  von  Cammin,  Labes,  Regenwalde,
  Stramehl.  In  dieser  Zeit  ist  die  heutige
Kirche  von  Regenwalde  gebaut,  genaue  Daten  fehlen.
  Merkwürdig  ist,  daß  sie  nicht  genau  von  Osten
nach  Westen  gebaut  ist,  sondern  ein  wenig  schräge.
Man  sagt,  darum,  daß  die  Frühlingssonne  am
Marientage,  am  25.  März,  genau  auf  den  Altar
scheine,  daher  auch  der  Name  Marienkirche.

Im  Jahre  1518  kommen  auch  nach  hier  Ablaßkrämer.
  Der  Bischof  von  Cammin  veranstaltet  Wallfahrten
  nach  dem  Gollenberg,  von  Regenwalde
wurde  eine  nach  Sabow  bei  Naugard  gemacht.

Im  Jahre  1536  werden  die  katholischen  Priester
abgesetzt  und  die  Einsegnung  der  Kinder  und  die
Hochzeit  mit  kirchlicher  Trauung  eingeführt.  1547

nimmt  Matzke  von  Borcke  aus  Regenwalde  an  dem
Reichstage  zu  Augsburg  teil.  Während  des  Dreißig—
jährigen  Krieges  wird  Regenwalde  ein  Raub  der
Flammen,  wobei  die  Kirche  teils  zerstört  wird  und
die  Pfarrhäuser  und  Kirchenakten  vernichtet  werden.



Die  letzte  Huldigung  der  von  Borcke  durch  die
Bürger  der  Stadt  Regenwalde  sand  1688  statt.
1705  wird  die  Neuerung  eingeführt,  daß  die

Kirchenplätze  vermietet  werden,  und  zwar  für  Männer
  und  Frauen  getrennt.  Die  Gewerke  erhalten
Freiplätze,  müssen  aber  zur  Erhaltung  der  Fenster
beitragen.

Groß  ist  die  Zuchtlosigkeit  der  Buben.  An  der
Kürchentür  wird  ein  Halseisen  angebracht,  woran
die  Buben  angeschlossen  werden  sollen,  die  in  der
Kirche  Mutwillen  treiben.

In  dem  nahen  Dorfe  Ornshagen  wurde  die  abgebrannte
  Kirche  1731  wieder  erbaut.  Da  sie  aber
in  vielen  Jahren  keine  Kirchenglocken  erhielt,  ging
der  Diakonus  auf  der  Flöte  pfeifend  durch  das
Dorf  und  rief:  „Kommt,  kommt  in  die  Kerk“.

1807  wurde  der  Kirchhof,  welcher  sich  inmitten
der  Stadt  an  der  Kirche  befand,  vor  das  Kolberger
Tor  verlegt.  Niemand  wollte  hier  zuerst  begraben
werden.  Da  hier  zufälligerweise  ein  Zigeunerkind
starb,  hielt  der  Pastor  Golcher  es  nicht  für  richtig,
daß  durch  diese  Leiche  der  Kirchhof  eingeweiht
wurde.  Bald  darauf  starb  Golchers  Frau,  und  dies
war  die  erste  Leiche  auf  dem  neuen  Friedhof.  1807
mußte  die  Kirche  auf  ihren  Acker  442½  Thlr.
Kriegssteuern  zahlen.  —  1811  kommt  die  Verordnung,
  daß  die  Geistlichen  bei  Amtshandlungen  eine
schwarze  Robe  tragen  sollen  sowie  ein  Barett.

1813  wurde  von  Grünberg-Stettin  für  820  Thlr.
eine  neue  Orgel  gebaut,  Freiwillige  Gaben  betrugen
  100  Thlr.  —  Von  der  erhaltenen  Kriegsentschädigung
  wurde  1820  das  Schulhaus  gebaut,
welches  noch  heute  besteht  und  benutzt  wird.  —

Als  alleiniger  Lehrer  wirkte  hier  1785  bis  1807
der  Rektor,  Kantor  und  Organist  Oesterreich.  Er
fand  noch  soviel  Zeit,  für  Kinder  und  andere  Personen
  aus  Gänsefedern  die  Schreibfedern  zu  schneiden.
  Er  verdiente  dabei  ein  nettes  Sümmchen,  das
den  Grundstock  zu  der  heutigen  Schulkasse  bildete.

1826  stirbt  der  Patron  Borcke.  Hans  von  Bülow
  wiod  durch  Kauf  vom  Schloßgut  Regenwalde
Patron.  —  Das  Patronat  ging  1877  an  seinen
Schwager,  Graf  von  Perponcher--Ornshagen,  und
in  diesem  Jahre  an  des  letzteren  Sohn,  Graf  Felir
von  Perponcher,  Schloßgut  Regenwalde,  über.