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(1150—1216)  schreibt  Hythini  insula  und  Hithinsö
und  denkt  an  den  in  der  Edda  Hedin,  im  Gudrunlied
  Hettel  genannten  König;  5  bedeutet  Insel,  wie
in  der  Nähe  eine  solche  Oehe  heißt  und  nicht  weit
entfernt  die  Greifswalder  Oie  liegt.  Die  amtliche
Schreibung  ist  daher  jetzt,  und  wohl  mit  Recht,

Hiddensoe.  Es  bleibt  fraglich,  ob  sie  die  seit
Jahrhunderten  nun  eimmal  herrschende  verdrängen
wird.

Hiddensee  hat  eine  interessante  Geschichte.  Wenden
  hausten  auf  Rügen  und  Hiddensee  zuerst,  sie
wurden  von  den  Dänen  unterworfen;  dicse  führten
das  Christentun  ein;  bis  1325  standen  die  rügenschen
  Fürsten  unter  dänischer  Oberhoheit.  Fürst
Witzlaw  II.  von  Rügen  schenkte  1246  die  Insel
Hiddemsee  dem  Zisterzienserorden,  und  so  entstand
eine  Kloster-Abtei,  die  dem  heiligen  Nikolaus,  dem
Schutzpatron  der  Schiffer  und  Kaufleute,  geweiht
war;  sie  blühte  bis  1536;  jetzt  zeugt  nurr  noch  ein
Torbogen  von  einstiger  Pracht  und  Herrlichkeit.
Wie  Vorpommern  und  Rügen  war  auch  Hiddensee
von  1618—1815  schwedisch  und  fiel  dann  an  Preusen.
  1836  kaufte  das  Kloster  zum  Heiligen  Geist
in  Stralsfund  die  Insel,  die  vordem  im  Besitze  einzelner
  rügenscher  Adelsfamilien  gewesen  war.

Nur  kleirne  Dörfer  (Vitte,  Grieben,  Kloster,
Neuendorf-Plogshagen)  ziehen  sich  mit  ihren  roten
Dächern  und  grünen  Bäumen  an  dem  Meere  hin,
doch  Vitte  und  Kloster  erfreuen  sich  wachsenden  Besuches,
  und  wer  die  Meeres=  umd  Waldes=  und
Bergeseinsamkeit  liebt,  kann  hier  in  schlichten,  dörflichen
  Verhältnissen  reiche  Befriedigung  finden.  Und
je  mehr  die  Liebe  zum  eigenen  Lande  wächst  —
was  wir  nach  dem  Kriege  hoffen  wollen  —,  je  weniger
  der  Deutsche  in  die  Fremde  schweift,  sei  es  in
die  Luxusbäder  Belgiens  oder  Englands  oder
Frankreichs,  die  so  viel  gutes  deutsches  Gold  verschlangen,
  desto  werter  werden  ihm  auch  die  Inseln
  und  Badeorte  Norddeutschlands  werden.  Umd
er  wird  nicht  mehr  in  törichter  Fremdländerei,  wie
es  so  oft  geschah,  von  Hiddensee  als  dem  Irland
oder  Capri  Pommerns  oder  von  dem  pommerschem
Ithaka  und  der  Hiddenseer  „Riviera“  reden,  sondern
  „dat  söte  Länneken“  wird  ihm  als  eine  Perle
unter  den  deutschen  Inseln,  um  seiner  selbst  willen,
  nicht  in  Erinnerung  an  stolze  Naturschönheit
der  Fremde,  im  Vergleich  mit  berühmten  Namen
des  Südens  oder  Westens  lieb  und  teuer  sein.
Wenn  auch  fernerhin  der  Krieg  die  Verimerlichumg
des  Gemütslebens  zur  Folge  hat,  dann  wird  auch
der  Sinn  für  die  heimische  Landschaft,  für  den
deutschen  Wald,  für  deutsches  Meer  eine  Steigerung
  und  Vertiefung  erfahren.

Die  Frage  des  Naturgefühls  hat  eine  stoffliche
(materiale)  und  eine  formale  Seite.  Bei  jener  kam
man  verfolgen,  wie  im  Laufe  der  Jahrhunderte  besonders
  der  Sinn  gerade  für  das  Meer  umd  für
das  Gebirge  erst  erst  allmählich  erwacht  ist,  aber
auch  wie  die  Ausdrucksfähigkeit  für  das  Gefühl  sich
erst  nach  und  nach  entwickelte.  Das  spürt  man  auch,

Unser  Dommerland.

—

wenn  man  die  Versuche  aus  der  älteren  Dichtung,
die  Reize  von  Hiddensee  zu  verherrlichen,  betrachtet.
  Wie  ungelenk  und  altmodisch  mutet  uns  Kosegarten
  an,  wenn  er  nach  dem  Muster  Homers  und
Klopstocks  anhebt:
Singe,  Gesang,  und  die  Gaben  des
Bernsteineilands,
Rechts  bespült  von  des  Ostmeers  Fluten,  gesondert
die  Linke
Durch  die  Gewässer  des  Sundischen  Golf  von  Rugiens
  grümen,
erstoeckt  sich  das  einsame
Eiland
Langgedehnt,  doch  schmal,  aus  der  Mitternacht  in
den  Mittag.

Kosegarten  war  es,  der,  wie  Wilhelm  Meinhold,
  der  berühmte  Verfasser  der  „Bernsteinhere“,
sagte,  „dieses  reizende  Eiland  zuerst  ums  aufschlos
und,  sozusagen,  für  unser  Herz  entdeckte.“

Ein  freilich  recht  unbedeutender  Heimatsdichler
Pommerns  war  Karl  Lappe  (1773—1843);  der  begrüßt
  Hiddeusee  z.  B.  mit  den  Versen:

die  Natur

Dörferbesäten  Gestaden,

Um  Quolitz'  Opfersteine  schwebt  ein  gespenstisch
Weh.

Blüh'  auf  im  Abendscheine,  Glanzhügel  Hiddenseel


Oder  er  fragt:

Welch  geheimer  Zauber  waltet

Um  das  kahle,  kalte  Land,

Daß  sich  Heimweh  hier  entfaltet

In  dem  dürren  Dünensand'

Wo  verbirgst  Du  tief  versteckt

Den  Magnet,  der  Sehnsucht  weckt?
Sprich,  süßes  Ländchen!

er  antwortet:

O,  es  ist  die  Lebensstille,

Fromme  Weltontzogenhett!

Strandgeflügels  Luftgeschrille,

Ausblick  in  Unendlichkeit,

Reingellärte  Inselluft,

Wellensingen,  Meeresduft!

Du  süßes  Ländchen!
Kosegarten  bekennt  schon  1792:  „Berge  geh'n  mir

nächst  dem  Meere  über  alles;  Inselberge  nun  gar,
umrauscht  vom  heiligen  Vermögen  des  Meeres,  smmd

Und

mir  der  höste  Gipfel  aller  Natuverhabenheit.  Kein
Wunder  demnach,  wenn  ich  nicht  müde  werdem
konnte,  in  diesen  Höhen  umherzuschwärmen.“  So

„singt“  auch  Karl  Lappe:
Sei  mir  gegrüßt,  o  Dornöuschinsel,  sei
Du  Hochland  mir  gegrüßt!  Was  dort  ins  Mecr
Sich  flach  hinunterdacht,  verschmäht  mein  JFuf
Doch  wo  ein  Berg  sich  hebt,  hebt  sich  das  Herz,
Da  schaut  die  Freiheit  von  den  Wipfeln  her,
Und  unermeßlich,  wie  die  schöne  Welt,
Die  drunten  liegt,  ist  die  entzückte  Brust.