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nicht  dem  Wachstum  in  den  ersten
50  Jahren  entspricht.

Die  Gründe  dafür  sind  leicht  zu  finden,  wenn
man  sich  vergegenwartigt,  daß  der  Gropgrundveses
ungeheuer  gewachsen  ist.  Zahlen  könnten  dafur  beigeoracnt
  werden,  dies  wurde  hier  jedoch  zu  weit
fayren.  Es  mag  die  Feststeuung  genugen,  daß  sowoyl
  der  freie,  wie  der  geoundene  Bens,  auch  der
der  Stadte  und  der  der  Universität  Greifswald  z.
T.  erheolich  gewachsen,  z.  T.  nicht  zuradgegangen
ist.  Gine  Vorstellung  von  den  Verhaltminen  kann
man  sich  machen,  wenn  man  bedenkt,  daß  von  den
rund  400  000  Heltar  Gebiet  Neuvorpommerns  allein
  21,2  Prozent  fideikommitssarisch  geounden  sind,
und  zwar  ist  uber  die  Halfle  erst  in  den  legten
50  Jahren  festgelegt  worden.  Daher  sind  die  Wun—
sche,  die  anlaplich  des  Jubilaums  Neuvorpommerns
  laut  wueden,  namentlich  auf  eine  energischere
  Besiedelungstätigkeit  in
Neuvorpommern  gerichtet;  nicht  nur  Bauern,  sondern
  auch  Kriegsteilnehmer  wünscht  man
in  allen  politischen  Kreisen  in  Neuvorpommern  angesiedelt.
  —  Vielleicht  kann  dann  der  Fehler,  der
dadurch  begamngen,  wurde,  daß  die  preuoische
Bauerigesetzgebung  erst  sehr  spät  auf  Neuvorpommern
  ausgedehnt  worden  ist,  wieder  gut  gemacht
werden.

Es  wäre  jedoch  verkehrt,  wollte  man  die  Ursache
  in  dem  geringen  Bevölkerungswachstum  der
letzten  50  Jahre  einzig  und  allein  darin  suchen,  da#
der  Gro  Fgrundbesitz  zu  stark  gewachsen  ist.  Der
Seehandel  und  die  See-Industrie  sind
auch  nicht  in  dem  Maße  gestiegen,  wie  es  im  Interesse
  des  Landes  gelegen  hätte.  Die  Verkehrsverhältnisse
  liegen,  namentlich  wenn
man  an  die  Badeorte  denkt,  noch  sehr  im  argen.
Daneben  wäre  noch  eine  ganze  Reihe  von  Wünschen
  zu  nennen,  die  Staat  und  Reich  umerfüllt  gelassen
  haben.  Die  noch  in  Geltung  befindlichen
schwedischen  Stadtrezesse,  die  eines  modernen
  Rechtsstaates  unwürdig  sind,  schreien  geradezu
nach  einer  Aenderung,  damit  die  künstliche  Niederhaltung
  des  Stadtwesens  beseitigt  werde.  Ist  es
unter  diesen  Umständen  verwunderlich,  daß  die
Neuvorpommern  sich  als  ein  Anhang  von  Groß-=Pommern
  ansehen?  Ist  es  —  nach  dem  Angeführten
  —  verwunderlich,  daß  die  Greifswalder
Stadtverwaltung  am  25.  Oktober  1815,  als  hier

Unser  Dommerlank

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ein  Schreiben  der  neuen  Regierung  zu  Stralsund
anlangte,  das  zum  erstenmal  mit  dem  Adlerwappen
und  der  Umschrist  „Königl.  Preuß.  Pommersche
Negierung  zu  Stralsund“  gesiegelt  war,  der  aktenmagig
  belegbaren  Hoffnung  Ausdruck  gab,  „unsere
Provinz“  (Neuvorpommern)  möge  eine  eigene  Regierung
  erhalten?  Und  ist  es  ferner  verwunderlich,
datz  eben  dieser  Wunsch,  Neuvorpommern  mochie
eine  eigene  Provinzialregrerung  zureil  werden,  anläglich
  des  Jahyrhundertjuviläaums  wiederholt
wurde?  Neuvorpommern  hat  nicht  den  wirtschaftlichen
  Aufschwung  und  nicht  die  Blüte  erreicht,  die
des  übrige  Pommern  oder  andere  preurische  Landesteile
  erreicht  haben.  Mehrere  Jahrzehnte  halten
die  Neuvorpommern  gehofft,  daß  die  Wiederkehr  des
hundertsten  Jahrestages  der  Erbhuldigung  zu  Stralsund
  ihnen  die  drackendsten  Lasten  von  den  Schultern
  nehmen  würde.  Es  hat  nicht  sollen  sein.

Trotzdem  —  oder  gerade  nun  erst  recht  —  haben  die
Neuvorpommern  jeht  bewiesen,  daß  unerfüllte  Wünsche
  sie  nicht  abhalten,  dem  Staat  in  seiner  Not
beizustehen.  Als  der  Krieg  im  Vorjahr  begann,  verzichtete
  man  sofort  darauf,  das  geplante  Kaiser
Wilhelm-Denkmal  in  Stralsund  ausfehren  zu  lassen;
  man  verzichtete  —  dem  Ernst  der  Zeit  entsprechend
  —  auf  Feste  und  Feierlichkeiten  und  ferner
  auf  die  Aeußerung  von  Jucdiläumswünschen.
Nur  die  sozialen  Jubiläumsprojekte  (das  Säuglingsheim
  in  Greifswald,  das  Genesungsheim  in
Stralsund  und  das  Siechenhaus  in  Putbus)  wurden
  fertig  gestellt  und,  soweit  sie  nicht  Lazarett--zwecken
  dienen,  ihrem  eigentlichen  Zweck  zugeführt.
Den  Treuschwur,  den  das  ehemalige  „Leibregiment
der  Königin“  (ietzt  Füsilier-Regiment  „Königin
Viktoria  von  Schweden“  Nr.  34  in  Stettin)  und
das  „Infanterie-Regiment  v.  Engelbrechten“  (jetzt
Infanterie-Regiment  Nr.  33  „v.  Engelbrechten“)
am  23.  Oktober  1815  in  Stralsund  getan  hatien,
nämlich  von  nun  ab  dem  König  von  Preußen  (und
nicht  mehr  dem  König  von  Schweden)  treu  zu  dienen,
  haben  sie  während  des  jetzigen  Weltkrieges  erneut
  besiegelt.  Hundert  Jahre  Preußen,  haben  die
Neuvorpommern,  unter  denen  es  noch  so  viele
schwedische  Namen  gibt,  gezeigt,  daß  sie  bereit  sind,
die  fünfhundertjährigen  Hohenzollern-Dynastie  hoch
zu  halten  mitten  im  Weltkrieg.  Das  Staatswohl
haben  sie  vorangestellt,  aber  auf  ihre  eigenen  Interessen
  werden  sie  sich  wieder  besinnen,  wenn  die
Zeit  dazu  gekommen  ist.

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