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Um  so  eifriger  macht  sich  das  Schwalbenpärchen
daran,  ein  neues  Nest  zu  bauen.  Drunten  stehen
zwei  dralle  Bauernkinder  und  schauen  ihm  zu  und
horchen  auf  ihr  munteres  Geschwätz:

„Klicke,  as  ick  klicke,  dat  höllt!  Klicke,  as  ick  klicke,

dat  höllt!"

Da  fliegt  ein  Rabe  über  den  Hof  und  höhnt  das
kleinste  der  Kinder:

„Schwart!  Schwart!“"  7)
Die  Mutter,  die  das  gehört  hat,  ruft  es  herein,
und  nach  einigen  Augenblicken  erscheint  es  wieder
reingewaschen  mit  zwei  Butterbroten  in  den  dicken
Händchen.  Die  Schwalbe  freut  sich  des  sauberen
Kindes  und  lobt  es:

„Witt!  Witt!“  8)
Das  größere  Mädchen  aber  ist  kiesätsch  und  weist
die  Stulle,  die  ihm  angeboten  wird,  zurück.  Da
ruft  die  Schwalbe  entrüstet:

„Lütt  Mäten  dat  grot  Mäten  ’'n  Bodding  gewen
will;
Wenn  Lewerenz  9)  dat  nich  will,  denn  schlaug
em  vör  de  Blerrrr!“  10)
Bald  stimmt  auch,  wenn  der  Weißdorn  zu  grünen
  beginnt,  Frau  Nachtigall  ihr  süßes  Klagelied
an.  Die  Nachtigall  ist  eine  verwünschte  Schäferin.

e)  „As  ick  wech  tooch,  harr  ick  Kisten  un  Kasten

vull;

As  ick  werrer  kaim,  harr  ick  nist  as  en  kahl
Flerermuus,

Alles  utgefreete,  alles  vullgesch  .  .  .  .!

Kumm,  leck  mi  d'  Flirrrr!“
d)  „As  ick  wech  tooch,  härr  ick  all  Kisten  un
Kasten  vull:;
As  ick  werre  kam,  härre  s'  alles  utfreete,  alles
vull  makt.
Nu  lick  mi  d’  Flirrrr!"
e)  „As  eck  wech  jing,  leit  eck  Kiste  o  Kaste  voll:
As  eck  wedder  kam,  wer  alles  utfreete,
utsch  .  .  .  .
Frett,  dat  du  barschte  warscht!“
Das  Sch  walbenlied  erinnert  auffällig  an  die  Klage
der  Naemi:  „Voll  zog  ich  aus,  aber  leer  hat  mich
der  Herr  wieder  heimgebracht.“  (Ruth  1.  V.  21.)
—  Auch  der  Lerchengesang  wird  wohl  „Leck  mi  de
Flirr!“  gedeutet.

7)  In  der  Kassubei  versäumt  man  nie  zu  antworten:
  „De  Dübvel  is  schwart,  ick  bin  wittl“

8)  Kindern  mit  struppigem  Haar  ruft  die
Krähe  zu:  „Strubuller,  Strubuller!“  oder  der  Täuberich:
  „Nrrruhkopp,  Rrrruhkopp!“  Lassen  sich  die
Kinder  dann  kämmen,  so  lobt  die  Taube:  „Glattkopp,
  Glattlopp!“

9)  Ein  großer  Mensch  ist  in  Pommern  „so
lang  as  Lewerenzens  Kind.“
10)  „Lült  Dirn  giwwt  de  grot  Dirn  'n

bäten  Bodding.
Wenn  s't'  nich  nehmen  will,  schlag  s'  ant  Mul,
dat't  so  snurrrt!“

—  Unser  Dommerland  —

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Sie  hat  sich  iht  Unheil  selbst  zuzuschreiben;  denn
alle  Morgen  weckte  sie  die  Knechte  zu  früh.  End—
lich  riß  einem  von  ihnen  die  Geduld,  in  seinem
Aerger  verwünschte  er  die  Schäferin,  sie  ward  zur
Nachtigall  und  singt  noch  heute:

„David,  Dovid,

Is  Tied,  is  Tied."  11)

Unter  Nachtigallengesang  kommt  das  Pfingstfest
herbei,  das  Fest  der  Freude  und  Wonne.  Wer's
noch  nicht  im  eigenen  Herzen  fühlte,  das  „Freut
euch!“,  dem  ruft  es  unermüdlich  der  Pirol,  Vogel

Bölow,  General  Bülow,  oder  wie  er  sonst  noch
nach  seinem  Rufe  heißen  mag,  aus  dem  Eichengehölz
  zu:

„Pingsten!  Bier  hal'n!

Utsup'n!  Mihr  hal'’n

Hest  sapen,  bitahl  uck!“
Und  gibt's  einmal  ein  kaltes  Regenschauer,  so  ändert
  er  sein  Thema  ein  wenig  ab:
„Hol  Füer,  ick  war  Bier  holn!“

Aber  was  ist  das?  Das  klingt  ja  fast  wie  Spott,
was  dort  ein  anderer  Pirol  schreit:

Mal  'n  Lechel  12)  Bier  halen,  Bier  halen!“
Der  Spott  muß  gerochen  werden!

„Bil  halen,  Knei  haugen!“

11)  Oder  „Klock  arr!  Teih  an,  David;  teih  an,
Klock“  Wohl  irrtümlich  wird  einmal  behauptet,
die  Nachtigall  sei  ehemals  ein  Schäfer  gewesen  und
singe  deshalb:  „David,  David,  da  buchte  doch,  da
hoit  doch!“  Sie  erscheint  sonst  stets  als  Sch  ferin.
Nach  einer  Rügenschen  Sage  hatte  sie  einen  trauten
  Gesellen  zum  Bräutigam,  der  sie  treu  liebte.
Es  war  da  aber  eine  böse  Here,  die  verwandelte
das  Mädchen  in  eine  Nachtigal;  ihr  Bräutigam
wollte  ihr  zwar  zu  Hülfe  eilen,  aber  die  Heie  trat
ihm  entgegen,  sodaß  er  nicht  von  der  Stelle  konnte.
Die  Nach  igall  aber  war  sehr  traurig  und  singt  bis
auf  den  heutigen  Tag  nichts  als  Trauerlieder.  Jeden
  Vers  aber  schliect  sie  mit  den  Worten:  „To
Bucht,  to  Bucht!“  als  ob  sie  noch  eine  Scheferin
wäre  und  ihre  Herde  vor  sich  hertriebe.  —  Die
Nachtigall  soll  auch  eine  verwünschte  Schäferin
sein,  die  ihren  Bräutigam,  einen  Schäfer,  schlecht
behandelie,  indem  sie  ihn  ihre  und  seine  Schafe  bis
spät  in  die  Nacht  hinein  treiben  ließ.  Lange  schon
hatte  sie  ihm  die  Ehe  versprochen,  aber  nie  ihr
Wort  gehalten,  bis  der  Schäfer  endlich  einmal  im
Unmut  winschte,  daß  sie  bis  an  den  jüngsten  Tag
nicht  schlafen  könne.  Und  so  ist  es  geschehen.  Die
Nachtigal  schläft  auch  bei  Nacht  nicht  und  singt  ihr
Klagelied:

„Is  Tiet,  is  Tiet!

To  wiet,  to  wiel!

Trizy,  Trizy,  Trizy,

To  Bucht,  to  Bucht,  to  Bucht!“

12)  Lechel  oder  Lechelke,  ein  kurzes  Fäßchen  zu
4—6  Liter.