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Auch  die  Katze  fühlt
vor  der  Tür:

„Fra--  u,  Fra=  u
Der  Hund  dagegen  hat  irgendwo  ein  Stück  Fleisch
erwischt  und  verzehrt  es  behaglich  vor  seiner  Hütte
liegend:

„Schmeckt  got  got  got!"  16)

Nicht  weit  von  ihm  läßt  sich  eine  Krähe  auf  dem
Stalldach  nieder  und  krächzt:

„Halfpart!  Du  dat  Fleesch,  ick  de  Knaken!“
Auch  die  Katze  schleicht  herbei  in  der  Hoffnung,
es  möchte  für  sie  etwas  abfallen.  Plötzlich  springt
der  Hund,  der  schon  lange  nach  ihr  geschielt  hat,
auf  sie  zu.

„Je-e,  wo  deit  dat  weihl“
schreit  ste  im  ersten  Augenblick  auf.  Dan  aber  reißt
sie  sich  fauchend  los,  flüchtet  sich  auf  das  Dach  des
Torfschuppens  und  maut  dort,  sich  putzend  und  die
zerzausten  Haare  glatt  streichend:

„Mau,  mirau,  nu  hew  'ck  wunnen!“
Inzwischen  ist  der  Hahn  vom  Kornboden,  der  ihm

sich  vernachlässigt  und  mant

17

der  Inbegriff  alles  Wohlstandes  ist,  herabgeflogen

umd  kräht  stolz:

„Luter  rik  Lüd!  Luter  rik  Lüd!“
(Eine  alte  Großmutter  unter  den  Hennen,  die  schon
manches  erlebt  hat,  mirakelt  bedenklich:

„Bör  de  Hochtid!  Vör  de  Hochtid!“
sodaß  auch  der  Hahn  zugibt:

„Min  Herr  is  so  väl  schuldig!“
Zwar  versichert  die  Ente:

„Ward  woll  betahle,  ward  woll  betahle!“
Aber  die  Ziege  weiß  es  besser:

„Nimmermehr,  ninnmmermehr!“

Endlich  ist  das  Fest  vorüber.
Morgen  der  Wiedehopf  sein

„Up  up!“
ertönen  läßt,  öffnet  der  Bauer  die  Stalltüren:  der
Hütejunge  knallt  wie  gewöhnlich  mit  seiner  langen
Peitsche,  und  der  Hund  springt  ungeduldig  um  ihn
herum:
„Wau,  wau,  waul  Min  Herr  het  Backbeeren  naug
naug  naug!“

Der  Bulle,  der  zuerst  aus  dem  Stall  gekommen  ist.
bleibt  an  der  Tür  stehen,  und  wie  eine  Kuh  nach
der  andern  an  ihm  vorübergeht,  brummt  er  vergnügt:


Als  am  nächsten

„All  min!  All  min!“  17)

16)  Vor  dem  „Neuen“,  d.  h.  vor  der  neuen
Ernte  wird  dem  Hunde  sonst  das  Mahl  oft  recht
knapp  zugemessen,  sodaß  er  dann  heult:  „Is  dat
noch  nich  ball  Jako-o-b?“  (d.  i.  25.  Juli).

17)  Morgens  begrüßt  der  Bulle  die  Kuh:  „Guun
  Dag.  Nawisch!“  Die  Kuh:  „Schön  Dank.  Nawel“
Der  Bulle:  „Wo  geht't?“  Die  Kuh:  „Mi  hät't  äwe
Nacht  recht  woll  gaha.  Wist  nich  lowa,  Wulf  sitt
noch  tüsche  dei  Klowa!l  Kuh  hat  ein  Kalb  bekommen.“


—  U—VB  Dommerlancm—

Cndlieh  sind  sie  alle  draußen,  und  die  Herde  setzt
sich  in  Bewegung,  allen  voran  der  Ziegenbock.
Man  sollt's  ihm  gar  nicht  zutrauen,  wenn  man  ihn
so  mit  mächtigem  Gehörn  und  langem  Bart  gemessen
  einherschreiten  sieht,  was  er  für  Streiche  im
Kopf  hat.  Als  der  Zug  an  dem  kleinen  Häuschen
vorbeikommt,  wo  am  offenen  Fenster  Meister  Schneider
  mit  Nadel  und  Zwirn  fleißig  hantiert,  kann  er
sich  nicht  enthalten  zu  blaren:

„Mei-i-ste!“
aufschaut,

Und  als  der  überrascht
drolligen  Satz  und  neckt:
„Meck  meck  meck,  mereck  meck  meck!“
Der  Schneider  aber  lacht  herzlich  mitz;  er  ist  die
vielfachen  Neckereien  schon  gewohnt.  18)

Gleich  hinter  dem  Schneider  wohnt  der  Schuster
des  Dorfes,  gegen  den  der  Bulle  eine  berechtigte
Abneigung  hegt.  Darum  erhebt  er  seine  Stimme:

„Schu-uster!  Schueuster!“
Die  Schusterfrau  hört  das  und  denkt,  es  rufe  jemand
  nach  ihrem  Manne.  Sie  öffnet  das  Fenster
und  sagt:  „Min  Mann  is  nich  to  Hus!"  Der  Bulle
schüttelt  bedenklich  den  Kopf  und  brummt:

„Na  nuecru!  Na  nu-u!"“

Schon  ist  die  Herde  am  letzten  Tagelöhnerhaus
vorüber,  da  stürzt  ein  kleiner  bissiger  Köter  hinter
dem  Stall  hervor  und  läuft  hinter  dem  Schäferhund
  her;  und  als  der,  ohne  sich  umzusehen,
ruhig  weiter  geht,  beißt  er  ihn  in  die  Hosen  und
blafft:

„Ett,  ett,  ett!“

Der  Schäferhund  dreht  sich  um,  packt  den  kleinen
Kläffer  im  Genick,  schüttelt  ihn  ein  bischen  und
sagt  barsch:

„Heww  all  äten!"“

Da  läuft  der  Kleine  weg  und  „kawinkt“:

„Drink,  drink,  drink,  drink,  drink!“

Doch  schnell  hat  er  seinen  Schmerz  vergessen,  als
ein  Handwerksbursch  vorbeikommt.  Höhnisch  kläfft
er  hinter  ihm  her:

„Barft,  barft,  barft!"“

So  kommt  die  Herde  hinaus  aufs  freie  Feld.
Neben  der  Trift  steigt  gerade  die  Lerche  empor  und
sch  nettert  aus  voller  Brust:

„Ach,  wo  is  dat  schön!  Ach,  wo  is  dat  schön!

Ach,  wo  is  dat  sch'in!“
Der  Hütejunge  bleibt  stehen  und  legt  die  Hand  über
die  Augen  und  sieht  ihr  nach,  bis  sie  droben  im
Blau  des  Himmels  verschwindet.  Aber  auch  jetzt
noch  hört  er  ihre  Stimme:

„Drif,  Peterken,  drif  drif  drif  drift

Hest'n  gauden  Wirt,  so  blif  blif  blif  blif!

macht  er  einen

18)  Das  Perlhuhn  z.  B.  versäumt  nie,  wenn  der
Schneider  auf  den  Hof  des  Bauern  kommt,  zu
gackern:

„Tack  tack  tackl

Teigen  Schnire  maken  een  Jack  Jack  Jackl“  —
„Tack  tack“  ruft  neben  „Judith“  oder  „Brief'’  auch
die  schwarzköpfige  Grasmücke,  der  Mönch.