Gine  geologisch-morphologische  Wandkarte  der  Provinz  Pommern.

In  dem  bekannten  geographischen  Verlage  von
George  Westermann  in  Braunschweig  ist  eine  geologisch-morphologische
  Wandkarte  der  Provinz  Pommern)
  im  Maßstabe  1:200  000  erschienen,  die
im  vergangenen  Jahre  von  Curt  Habermann
  im  Geographischen  Institut  der  Universität
  Greifswald  bearbeitet  und  gezeichnet  worden
ist.  Da  diese  Karte  nicht  nur  einen  ganz  neuen
und  eigenartigen  Typus  unter  unseren  bekannten
Schulwandkarten  darstellt,  sondern  auch  für  unsere
Provinz  ein  hervorragendes  Interesse  beanspruchen
darf,  so  set  es  gestattet,  über  dieses  neue  Lehrmittel
  eingehender  an  dieser  Stelle  zu  referieren,  um
die  Aufmerksamkeit  aller  Interessenten,  besonders
der  Herren  Lehrer  auf  sie  zu  lenken.

Zeigen  die  uns  bisher  bekannten  Wandkarten
entweder  den  physikalischen  Charakter  oder  die  politische
  Grenzführung  irgend  eines  Gebietes  oder
dienen  sie  ganz  speziellen  Zwecken,  um  beispielsweise
  wirtschafts=  oder  verkehrsgeographische  Fragen
zur  Darstellung  zu  bringen,  so  zeigt  die  vorliegende
Wandkarke  von  Pommern  in  geschickter  Vereinigung
die  geologischen  und  morphologischen  Verhältnisse
der  Provinz.  Sie  stellt  sich  also  die  Aufgabe,  die
unser  Land  bildenden  geologischen  Formationen  und
die  durch  die  einst  und  jetzt  wirksamen  Kräfte  geschaffenen
  Oberflächenformen,  in  diesem  Falle  besonders
  die  bisherigen  Ergebnisse  der  Glazialforschung,
  zusammenzufassen  und  in  übersich  licher
Weise  darzustellen.  Die  Situation  und  den  Maßstab
  1:  200  000  lieferte  die  bekannte  C.  Dierckesche
„Wandkarte  der  Provinz  Pommern“,  die  auch  im
Verlag  von  G.  Westermann  erschienen  ist.  Die
Grundlagen  des  Karteninhalts  und  der  Farbengebung
  bilden  die  zahlreichen  mit  Karten  versehenen
geologischen  Arbeiten  über  Pommern,  unter  denen
die  öltere  „Geologisch-morphologische  Uebersichtskarte
  der  Provinz  Pommern“  von  K.  Keilßack  im
Masstab  1:  500  000  und  die  im  Rahmen  des
Kartengebietes  bisher  erschienenen  Sektionen  der
Königlich  Preu#ischen  Geologischen  Landesaufnhme
im  Manstab  1:25  000  besonders  hervorzuheben
seien.  Aus  allen  diesen  vorhandenen  Kar##en  und
Skizzen  ist  auch  die  konventionelle  Farbengebung
übernommen  worden.

Der  Grundton  des  Landaebietes  ist  natürlich
braun  infolge  der  weiten  Verbreitung  der  Grund-*)

  Preis  aufgezogen  mit  Stäben  25  M.

Von  Dr.  Hans  Praesen  reifswald.

moränenlandschaft,  von  der  die  ebene  durch  hellbraune,
  die  hügelige  durch  rötlichere  Flichenfärbung
wiedergegeben  ist.  Die  einzelnen  Drumlins  sind  kerminrot,
  die  Oser  dunkelbraun  und  die  Endmoränen
in  zinnoberroten  Bogen  fallen  deutlich  ins  Auge.
Die  Talsandgebiete  der  diluvialen  Urstromt'ler  und
Stauseebecken  in  dunklem  Saftgrün  und  die  alluvialen
  Ablagerungen  in  hellem  Saftgrün  heben  sich
prächtig  ab,  ebenso  wie  die  hellgelben  Dünengebiete
an  unserer  Küste  und  die  dunkelgelben  Heidesande.
Die  Eintragung  der  geologischen  Formationen:
Tertiär  (gelbbraun),  Kreide  (grün),  Jura  (blau),
Kambrium  (braun),  Granit  (dunkelrot)  und  Silurschiefer
  (rosa)  erfolgte  nach  der  internationol'n  geologischen
  Farbenstala.  Die  zahlreichen  Salzquellen
Pommerns  sind  durch  ein  schwarzes  Kreuz  auf  weißem
  Kreise  bezeichnet.  Um  das  glazial  modifizierte
  Meeresbodenrelief  des  angrenzenden  Ostseeteiles
  darzustellen,  wurden  die  Flächen  zwischen  den
Isobathen  von  0—5,  5—10,  10—15,  15—20,
20—40  Meter  und  über  40  Meter  in  sechs  verschiedenen
  blauen  Farbentönen  angelegt.

Eine  kurze  Ein  führung  in  den  Karteninhalt
  und  die  Verwendungsmöglichkeit
dieses  neuen  Anschauungsmittels  mag  das  Gesogte
noch  vervollständigen.  Das  Kartenbild  umfaft  die
Prodinz  Pommern  und  angrenzende  Gebiete  von
Westpreuzen,  Posen,  Brandenburg  und  Meclenburg,
  also  den  mittleren  Teil  des  norddeutschen
Flachlandes,  dazu  den  vorgelagerten  Teil  der  Ostsee
  bis  Mkeen  und  Bornholm.  Der  geoloaisch-morphologische
  Karteninhalt  stellt  die  Einwirkung  der
Eiszeit  auf  die  Oberflächengestaltung  dieser  Gebiete
dar.

Das  norddeutsche  Flachland  ist  durch  Matersal
aufgebaut,  das  das  diluviale  Inlandeis  vom  skandinavischen
  Grundgebirae,  dem  Ausgangsgebiet  der
Vereisung,  hierher  verfrachtet  hat.  Der  Formenschatz,
  den  die  nordischen  Gletscher  bei  ihrem  langsamen
  Zurückweichen  in  ihre  Heimat  uns  hbinterlassen
  haben,  ist  sehr  mannigfaltig,  wie  die  Wandkarte
  veranschaulicht.  Das  sich  zurickziehende  Eis
lagert  bei  einem  Stillstande  das  verfrachtete  Moränenmaterial
  in  Rand=  oder  Endmoränen
ab  (z.  B.  die  grobe  baltische  Endmoräne),  die  sich
im  Landschaftsbisde  durch  wallförmige  Blockpackung
  oder  Blockbestreuung  morvholooisch  scharf
hervorheben  und  die  höchsten  Erbebungen  des  baltischen
  Landrückens  bilden  (im  Kartenbilde  z.  B.