Balladen

von  Dans  Benzmann.)

E

Die  Dacht  auf  dem  Schlachffeld.

Ein  Kaufmann  2og  gerubig  seine  Straße.

Die  Gegend  war  verlassen,  düster  lag

der  Himmel  über  einer  grauen  Masse

von  Sand  und  Felsen.  Als  der  wolkige  Tag

zu  Encde  ging,  hob  sich  der  Staub  im  Sturm,

krachten  die  dürren  Bäume  übern  (leg.

Da  trieb  der  Kaufmann  bei  dem  alten  Curm

die  Dferde  in  das  gebützende  Gebeg,  —

denn  bier  war  eine  Herberg,  und  Joeben

hünden  die  Lichter,  daß  bier  (Menfeben  leben.

(erkwürcdig  still  ist's  nur.  Er  gebt  binein

und  bittet  um  Ouartier,  um  Brot  und  Mlein.

Da  gagt  der  Jonderbare  Glirt  wie  tot:

„QGlir  baben  keinen  Ulein  für  Euch,  kein  Brot!

Von  weitber  kommen  CKrieger  beute  Daacht,

für  sie  ist  dort  das  Mahl  zurecht  gemacht“"  —

er  weist  auf  eine  Cafel  in  dem  Raum,

dann  pricht  er  weiter  vor  sich  wie  im  Craum  —

„Doch  will  ich  Such  ein  kleines  Zimmer  weisen,

denn  unbequem  ist  beute  Nacht  das  Reisen  —

Hõört  nur,  man  kommt!  .  .“  und  beißet  ihn
gesehwind

in  eine  Kammer  treten.  —  hui,  pfeist  der  Mind

schrill  in  den  alten  rus'sigen  Kaminen!

Die  Lust  summt  wie  von  tausend  Bienen.  —

Er  bort  und  horeht  —  und  siebt  ins  dunkle
Zimmer

durch  eine  fuge  fall'n  des  Lichtes  Scehimmer

und  blickt  bindurch  —  in  diesem  Hugenblick

klingt  vor  dem  Cor  ganz  nab  ein  Reiterstüch  —

Getrappel  von  vielen  Dferden  raseh  ertönt  —

und  plötzlich  von  drei  Schlägen  das  Tor
erdröbnt  —

und  durch  das  Cor  ein  Meer  von  Maffen  Karrt  —

Standarten  web’n  im  Fackelrauch  blutrot,

die  Dferde  nicken  —  sitzt  darauf  der  Cod

dreimal  und  bundertmal?  die  Hugen  leer,

blicken  die  Reiter  von  den  Rossen  ber  —

Crompetenstoß!  sie  wimmeln  in  den  Saal

und  setzen  sich  ans  reichbestellte  Mahl.

Indeß  sie  warten  noch  —  ein  Stubl  ist  leer,

der  bobe  dort  am  Ende.  —  —  Ins  Gewehr

tritt  plötzlich  jetzt  die  Gache  vor  dem  Tor,

und  wieder  tönt  Musik  dem  Laufeber  an  das
Obr,  —

ein  Crauermarsch  dröhnt  sehwer  und  ernst  beran.  —

auf  der  Versammlung  liegt  es  wie  ein  Bann,

als  tief  die  dlache  Fahn'  und  Degen  neigt

und  sich  im  Cor  ein  bober  Reiter  zeigt.  —

Der  Feldberr!  wie  ein  Bild  aus  Erz  und  Gold  —

doch  seine  bobe  Stirn  ist  totenbleich,

zerspalten  tief  von  einem  mächtigen  Streich,  —

er  winkt,  und  dumpf  der  Crommelklang  verrollt.

Er  pringt  vom  Pferd  und  grüßt  die  Cafelrunde,

setzt  sich  zu  ihnen  und  das  Mahl  beginnt.

Kein  Uort  ertönt.  Und  Stunde  gebt  auf  Stunde.

Bis  Mitternacht  die  tiessten  Rätfel  pinnt.

Da  plötzlich  fällt  ein  Schuß,  noch  einer,  viele,

und  vom  Getümmel  zittert  Saal  und  Diele,  —

der  xFeldberr  aber  winkt,  aus  ist  das  Mahl,

er  sehreitet  wie  ein  Sieger  durch  den  Saal,

das  Cor  pringt  auf,  und  unablässig  Ziebn

an  ihm  vorbei  lautlos  die  Kompagnien,

die  glänzenden  Gesehwader,  —  docb  es  ist,

als  ob  die  Frübe  sie  wie  Sehatten  frißt.  —

die  bunten  Farben  werden  grau  und  fabl,

ein  Laufen  bin  und  ber  —  die  Dforte  hnarrt  —cer  Glanz  erliseht  .  .  fern  tönt  noch  ein  Choral

*)  Aus  balladen  und  legenden-  von  Hans  Benzmann.  —  Hesse  u.  Becker,  Leipzig,  Volksbücherei.  Preis  geb.  1,00  Mk.