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rief,  dann  war  sie  bachaufwärts  davongeeilt.  Kaum
mochte  eine  Frist  vergangen  sein,  in  der  man  das
Paternoster  spricht,  da  kehrte  die  Schnellfüßige  schon
in  atemlosem  Laufe  zurück,  hinter  sich  her  aber
schleppte  sie  eine  lange,  fichtene  Stange.  Diese  schob
sie  dem  Versinkenden  mit  dem  Geheiß  zu,  sie  fest
zu  ergreifen  und  nicht  wieder  entgleiten  zu  lassen.
Darauf  zog  sie  mit  Aufbietung  aller  ihrer  Krafte,
selber  fast  knietief  im  Sande  versinkend,  die  Stange
an  sich,  bis  sie  bemerlte,  daß  der  Körper  des  Ge—
liebten  sich  zu  heben  begann.  Als  sein  Oberleib
völlig  frei  geworden  war,  forderte  sie  ihn  auf,  sich
vornüber  zu  werfen,  und  als  dies  geschehen,
schleppte  sie,  rückwärts  schreitend,  die  teure  Last
völlig  auf  sicheren  Boden.  Aber  nun  war  es  mit
Kunrads  Kraft  fast  zu  Ende,  infolge  der  gewalligen
  Anstrengung  hatte  die  Wunde  heftig  zu  bluten
begonnen  und  mit  dem  Blue  schwand  die  Stärke.
Als  Slavina  das  an  dem  FPfeilstumpfe  herabtropfende
  Blut  bemerkte,  erschral  sie  heftig,  öffnete
schnell  das  Koller,  zerriß  ihr  Untergewand  über  dem
Busen  und  verschloß  damit  die  Wunde.  Darauf
verwischte  sie  mit  der  Stange  die  Fuß=  und  Schleifspuren
  im  Sande,  ergriff  den  Geretteten  bei  der
Hand  und  fährte  ihn  eine  Strecke  das  Fließ  hinauf,
  bis  sie  an  einen  schmalen  Bohlensteg  gelangten,
  der  das  Gewässer  überbrückte.  Mit  der  einen
Hand  Schritt  für  Schritt  die  Stange,  die  diesem
Zweck  diente,  in  den  Bachgrund  bohrend,  um  das
Gleichgewicht  zu  behaupten,  umfaßte  sie  mit  der  anderen
  in  festem  Griffe  des  Ritters  Arm  und  geleitete
  ihn  so  sicher  über  das  schlüpfrige  Gebälk  an
das  jenseitige  User.  Nachdem  sie  die  Stange  über
den  Bach  zurückgeworfen  hatte,  führte  sie  Kunrad
einige  Tausend  Schritt  weiter  in  den  Wald  hinein,
wo  das  Kräuterweib  einsam  mit  ihren  beiden
Tochterbuben  hauste.  —

Nun  erst,  auf  dem  Wege  zur  Waldfran,  hatte
sie  Ruhe  und  Muße,  dem  Geliebten  die  Vorgänge
der  letzten  Stunde  zu  berichten.  „Du  siehst  also,"
schloß  sie  ihre  Mitteilungen,  „mein  Vater  hat  den
schändlichen  Plan,  den  man  zu  Deinem  Verderben
ersonnen,  ins  Werk  gesetzt  und  der  Oberpriester  ist
sein  Mitschuldiger,  und  jedenfalls  auch  der  Anstifter
des  Verbrechens.  Vor  wenigen  Tagen  hat  er  längere
  Zeit  in  der  Burg  bei  meinem  Vater  geweilt.
Der  Fischer,  von  dessen  Streit  mit  Deinem  Bootsknechte
  Du  einmal  erzähltest,  hat  uns  jedenfalls  belauscht.
  Aber,  hier  schwöre  ich  es,  der  tückische
Priester  soll  seiner  Strafe  nicht  entgehen.  Denn
nur  er  ist  der  Angeber,  ein  anderer  durfte  es  nicht
wagen,  meinem  Vater  eine  Mitteilung  zu  machen.“

Drohend  blitzte  das  Auge  der  schönen  Maid,
dann  aber  drückte  sie  zärtlich  die  Hand  des  geliebten
  Mannes  und  mitleidsvoll  ruhte  ihr  Bilick  auf
seinem  Antlitz.  Nun  aber  hatte  man  die  Hütte  erreicht.


Die  Kräuterfrau  verstand  die  Heilkunst.  Behutsam
  entfernte  sie  den  Pfeil  aus  dem  Fleische,  stillte
das  erneut  stärker  hervorquellende  Blut,  reinigte  die

Anser  Dommerland

Wunde  mit  heilendem  Kräuterbalsam  und  zog  sie
durch  ein  Pflaster  kunstgerecht  zusammen.  Wahrend
sie  darauf  dem  Ritter  einen  stärkenden  Trank  bereitete,
  beriet  dieser  mit  der  Geliebten,  was  beide
nun  vorerst  zu  beginnen  hätten.  Da  sagte  Slavina:
  „Hörtest  du  nicht  schon  während  unseres
Wanderns  im  Westen  die  Donner  rollen?  Num,  zieht
der  Sturm  daher,  und  die  ersten  schweren  Tropfen
klatschen  hernieder  auf  die  Blätter.  Es  wird  ein
schweres  Unwetter  geben,  aber  dies  bewahrt  uns
vor  Verfolgung.  Wenn  es  verzogen  ist,  wird  mein
Vater  nach  den  Meuchelmördern  Nachsuche  halten
und  sie  sogleich  auffinden,  denn  unsere  heimliche
Liebesstätte  ist  ihm  allen  Anzeichen  nach  wohlbekannt.
  Nun  wird  er  nach  deinem  Verbleib  forschen,
wird  deinen  Hut  mit  den  Reiherfedern,  den  ich  imnitten
  jener  bösen  Stelle  liegen  ließ,  schon  von  weitem  erblicken
  und  frohlocken,  daß  du  dem  Tode  dennoch
nicht  entronnen  seiest,  denn  unsere  Spuren  bis  zur
Grasnarbe  des  Ufergebüsches  habe  ich  sorgsam  verwischt.
  Die  Spürhunde  aber,  die  er  auf  seinem
Gange  vielleicht  mit  sich  führen  möchte,  werden  wegen
  des  heftigen  Regens  —  hör'  nur,  wie  er  draußen
  rauscht!  —  keine  Witterung  von  uns  haben.
Auch  warf  ich  zur  Sicherheit,  wie  du  wohl  bemerkt
hast,  die  Stützstange  an  das  jenseitige  Ufer  zurück.
So  besteht  kein  Verdacht,  daß  du  oder  wir  beide
ums  hierhin  gewandt  haben  könnten.  Wenn  mein
Vater  nun  meine  Flucht  entdeckt,  wird  er  sogleich
richtig  dahin  schließen,  daß  ich  zum  Strande  geeilt
sei,  um  dich  dort  noch  anzutreffen.  Wenn  ich  nun
nicht  heimkehre,  muß  er  wähnen,  ich  habe  mich  aus
Furcht  vor  seinem  Zorne  zu  irgend  einer  bekannten
  Herrentochter  geflüchtet,  deren  ich  ja  mehrere  in
der  Nähe  und  in  weiterer  Entfernung  kenne.  Und
nun  meine  ich:  wir  verweilen  hier  in  der  Hütte  bis
zur  Dunkelheit,  —  daß  der  Mond  zur  Zeit  nicht
am  Himmel  steht,  kommt  uns  zugute  —,  und  dann
begeben  wir  uns  zu  deiner  Burg.  Mittlerweile  entsenden
  wir  dorthin  einen  der  Buben  und  bescheiden
einen  deiner  Knechte  und  einige  Gewappnete  mit
einem  Gefährt  an  einen  bestimmten  Ort  jenseits  der
Siedelung.  Denn  den  meilenweiten  Weg  darfst  du
bei  dem  Blutverluste,  den  du  erlittest,  nicht  zu  Fuz
zurücklegen;  auch  möchte  deine  Wunde,  selbst  wenn
du  den  Weg  zu  Rosse  machtest,  leicht  wieder  aufbrechen.
  Ich  aber  ziehe  mit  dir,  erstlich,  um  dich
zu  pflegen  und  deiner  Wunde  zu  warten,  bis  du
genesest,  und  zum  andern,  weil  mir  graut,  mit  dem
unter  einem  Dache  zu  hausen,  der  es  kalten  Blutes
über  sich  zu  gewinnen  vermochte,  seinem  einzigen
Kinde  das  Liebste,  was  diesem  auf  Erden  eignet,
grausam  zu  rauben.  Bei  deinen  Meiersleuten  wird
sich  wohl  ein  Plätzchen  für  mich  finden.  Bist  du
gesundet,  so  sende  mich,  bis  ich  dein  Eheweib
werde,  dorthin,  wohin  es  dir  gut  dünkt.  Oder  —
und  bei  diesen  Worten  blickte  sie  dem  Geliebten  fast
angstvoll  ins  Auge  —  hast  du  ob  der  Freveldat
meines  Vaters  deinen  Sinn  etwa  geändert?  Zu
verargen  wäre  es  dir  billigerweise  nicht,  wenn  du