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»Duunbesge·hrsamesBiehch!Jmmetwillstdu
was  mehr  haben,  als  du  haben  kannst!“  hatte  das
Mäoͤchen  ärgerlich  gesagt.

Und  nun  war  sie  doch  selbst  unbegehrsam,  um
das  gleiche  mangelhafte.  Hochdeutsch,  wie  sie,  zu
gebrauchen  und  dem  „begehrlich"  eine  Vorsilbe  zu
geben,  die  statt  der  beabsichtigten  Verstärkung  eine
Verneinung  bedeutet.

Unbegehrsamer  vielleicht  als  ihre  Beressel
Denn,  von  Sehnsucht  überwältigt,  setzt  sie  sich
unterhalb  der  Kapelle  in  den  grellsten  Sonnenschein,
  faltet  ihre  Hände  und  reckt  die  Arme  weit
hinaus  in  die  glühende  Luft.

„Malte!  —  Dul“  —

Aber  diese  Sehnsucht  ist  nichts  Plötzliches,
gibt  das  Mädchen  ihr  auch  eben  einen  plötzlichen
Ausdruck.  Sie  ging  mit  ihm  schlafen  und  stand
früh  Morgens  wieder  mit  ihm  auf.  Sie  war  ihm
so  selbstverständlich,  wie  essen  und  trinken,  wie  das
Lachen  der  Jugend  und  das  Arbeiten  gesunder
Gliedmaßen.

Nun  fuhr  er  das  dritte  Jahr  als  Steuermann!
Und  wenn  er  im  Herbst  zurückkam,  wollte  er  seinen
  Bruder  Gustav  auszahlen,  damit  Haus  und
Feld  ihm  allein  gehörten!

Ein  langanhaltendes  Lächeln  verklärt  Maries
Gesicht.

„Malte!  Alter  Jung!  Du  weißt  doch,  was  du
mir  letzten  Februar  versprochen  hast?  —  Maltet
—  Du!“  Sie  gähnt,  stützt  die  Ellenbogen  auf  ihre
Knie  und  das  runde  Gesicht  in  die  Hände.

Seit  früh  fünf  Uhr  war  sie  auf  den  Füßen.
Aber  ihre  Gedanken  schlafen  nicht  ein,  werden  sogar
  wieder  laut:

„Du!l  —  Malte!“  sagt  sie  noch  einmal  deutlich
vor  sich  hin  und  schließt  vor  Sehnsucht  und  Müdigkeit
  erst  gar  nicht  wieder  die  Lippen.

Verschleiert  sieht  sie  sich  selbst  aus=  und  eingehen
  in  Maltes  Hütte  und  stellt  sich  vor,  wie  schön
er  vor  der  Hochzeit  die  weißgetünchten  Wände  mit

lauter  fremdländischen  Herrlichkeiten  ausstaffieren
wird.
Malte  war  der  erste  Vitter,  der  sein  Steuermannseramen

  gemacht  hatte.  Immer  war  er  auf
der  Puttgartener  Schulbank  unter  den  groben  Vitter
  Jungen  der  klügste  gewesen.  —  Und  unter
den  kleinen  Vitter  Mädchen  war  sie  damals  auch
nicht  die  dümmste!

Niemand  wußte,  was  mit  ihr  und  Male  los
war.

So  gut  wie  niemand!

Als  Fischer  Strohmeyersch  sie  vergangenen  Winter
  einmal  zusammen  an  der  Stallecke  betraf  und
nachher  damit  aufziehen  wollte,  hatte  sie  „dagegen
angestritten.“

O,  hatte  sie  da  „gestritten!"  —  —  —

Und  sie  kicherte  in  sich  hinein  und  freute  sich
beute  noch  königlich,  daß  sie  so  „gestritten“  hatte.

Das  sagen!  —  —  —  sagen,  daß  sie  Maltes

Anser  Dommerland  4

Das  Blut  steigt  ihr  noch  glühender  zu  Gesicht
als  schon  vorher  unter  der  bloßen  Macht  der  Sonne.
Tief  aufatmend  schiebt  sie  den  weißen  Helgoländer
von  der  schweißperlenden  Stirn.  Dann  fallen  ihr
die  Hände  lässig  in  den  Schoß.

Sie  lächelt;  —  lächelt  über  das  ganze  junge
Gesicht  mit  seinem  feinen  Stumpfnäschen,  den  feinen
  dunkelroten  Lippen  und  den  veilchenblauen
Kinderaugen,  die  aussehen,  als  habe  noch  nie  eine
Träne  sie  getrübt.

Es  war  nur  ein  Glück,  daß  ihre  Schwester  nun
seit  Ostern  aus  der  Schule  war!  —  So  konnte  der
Baler  sie  gut  missen,  wenn  Malte  im  November,
vielleicht  auch  erst  kurz  vor  Weihnachten  zurückkam.

Sie  schreckt  leicht  auf:  die  Kartoffeln  würden
gar  sein!

Wieder  aber  lähmt  sie  das  schwerfällige  und
doch  vergnüglich  sehnsüchtige  Flattern  ihrer  Gedanken.


Und  nichts  stört  sie.

Die  Schlucht  liegt  zu  ihren  Füßen,  wie  etwas,
das  mit  weit  offenen  Augen  schläft.  Kein  Hauch
geht  darüber  hin.  Nur  der  Hauch  strömender  Sonnengluten.
  Alle  Blumen  schlafen;  der  gelbe  Steinklee,
  die  kleine  dunkellila  Pfeffermünze  und  die
lange  hellblaue  Zichorie,  die  seltener  vorkommt,
aber  wo  sie  steht,  in  kräftigen  Büscheln  aufschießt.
Aber  alle  duften;  denn  schlafend  geben  sie  der
Sonne  ihre  Seelen  zurück.

Und  dazwischen  hat  das  blühende  Gras  weiche,
rötlich  grüne  Schleier  gewoben,  wie  von  zitternder
Seide.

Und  in  der  Stille  ist  doch  wieder  seltsames  Leben.
  Es  atmet  in  ihr,  wie  von  einer  leisen  Be-[lemmung.


Käfer  furren,  Bienen  und  Fliegen  schwirren  mit
geisterfeinem  Getön.  Und  über  Maries  hölzernen
Pantoffel  an  dem  vorgestreckten  Fuß  setzt  mit  koboldartigem
  Sprunge  eben  ein  großer  grüner  Grashüpfer.
  —  Auch  die  Schmetterlinge  fliegen  hin  und
wieder,  blaue  Himmelsvögel,  kleine  grellrote  Füchse
und  die  gefürchteten  weißen  Kohlverderber.  Alle
paarweis,  sich  traumhaft  fliehend  und  haschend.
—  Ab  und  an  auch  wohl  ein  stolzer  Admiral,
einsam  durch  die  Mittagsglut  schiffend,  un  einsam
auf  eine  hochstielige  Grütblume  niederzusinken.

Weit  öffnet  Marie  die  Augen.  Alles  sieht
—  und  auch  wieder  nichts.

Links  von  der  Kapelle  läuft  an  hoher  Kante
der  Arcona-Puttgartener  Fahrweg  ins  Dorf  umd
jenseits  geht  die  Schlucht  hügelauf  und  -ab  in
kleine  Feldstückchen  über.

Silbern  schimmert  der  Hafer;  und  der  totreife
Noggen  lagert  seit  der  letzten  Gewitternacht  schon
hier  und  da  in  breiten  Schwaden  am  Boden.  Aber
neben  den  vielen  niedergelegten  Halmen  ragen  einzelne
  hochaufgerichtet  in  die  blaue  Luft.  Gedankenvoll
  senken  sie  die  ährenschweren  Häupter,  wie
trauernde  Hinterbliebene.

sie