Unser  Dommerland

vegann  die  Well  wieder  ein
geordnetes  Gesicht  zu  bekommen.  Eine  Stunde
spater  schlief  sie.  Freilich  so  sonderbar  t.ef  atmend,
als  arbeite  die  Angst  doch  unvewudt  in  ihr  fort.

Und  die  Beruhigung  war  wirktich  nur  ein  Rückschlag
  gewesen.  Genau,  wie  der  scheinbar  sanf.e
Rackschlag  der  sich  hoch  in  Wogen  baumenden  See.
Es  ist  eine  unheimliche  Gewalt  in  diesem  Zug  nach
rückwärts.  Leise  wuhlt  er  mit  den  aufgelosten  Glementen
  der  alten  Woge  nur  das  Belt  aus  für  sune
Uneue.  1  1  1,%

Als  Marieken  am  anderen  Morgen  erwachte,  geschah
  es  mit  einem  dumpfen  Schreck.

Ihr  graute.  Mit  beiden  Händen  griff  sie  über
ihr  schlaftrunkenes  Haupt,  als  wolle  sie  die  Zukunft
  beschwören.

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In  ihrem  Nopfe#

*

Kaum  war  eine  Vitterin  um  die  Ecke  zum  Stall
gebogen,  so  klapperten  auch  schon  die  Holzpantoffeln

  der  anderen  über  den  Damm  des  Nachbarhauses.

Ja  sogar  über  den  Hohlweg  ging  es  her.  ber

und  hinüber.

Es  surrle  und  summte  bald  am  Koben,  bald
auf  den  Hausdielen,  als  wären  zur  Zeit  der  ersten
Nachtfröste  die  Fliegen  des  Spatsomumers  zurüdgekehrt,
  die  einmal  zusammengetaumelt,  nicht  so  lercht
wieder  vom  Haufen  lassen.

„Ne,  aber  auch  son  Schidsal!  So'’n  unverhof
tes!  Gerad  schob  ich  meinen  Wassertopf  für  n  andern
  Morgen  'n  bi#chen  in  die  Ofenglut  —  einer
mus  ja  auch  immer  zusehn,  daß  einer  seine  paar
Kohlen  noch  ausnutzt!  —  da  kamen  sie  auch  schon
ins  Dorf  gefahren.“

„ZJä  —  und  ich!  Ich  sag  noch  eben  zu
Augusten  —  —  August,  sag  ich,  was  woll  Pipers

bald  kommen  tun?  Da  hör  ich  auch  schon  Bauer
Schrödern  seine  Braunen  lauthals  wiehern!“

„Ne  und  'n  jung  Mensch,  schlank  als  ’n  Mastbaum!“


„Jä  —  und  ein,  der  immer  hoch  hinaus  hat
gewollt!  —  Nabersch,  wein  nich!“

„Na  ne,  Nabersch!  —  Aber  da  kannste  nu  auch
nich  weiter  von  sagen!  Wenn  wer  den  Kopp  zu
'n  lernen  hat,  wie  Malte,  warum  auch  nich?  —
is  nu  noch  kein  Gottversuchen  nich!  —  is  das
nich!“

„'Ne!  Aber  denn  doch!
wen  hat  treffen  sollen,  denn  so  mein  ich  man,  die
Pipers  Jungens,  die  können  das  noch  am  ersten
tragen!  Beid  unverfreit  und  Geld  auf  Zinsen!“

„Ja,  is  schon  richtig:  Geld  auf  Zinsen!  Denn
das  is  n  dummen  Schnack  gewesen,  daß  Malte
sein  Geld  nich  grad  so  gut  auf  Zinsen  hätt,  als
Gustav!  —  Bloß  man  keiner  hat  gewußt,  wo?!
So'n  Neumodscher  als  Malte,  der  würd  sein  Geld
schon  nich  in’'n  Strumpf  zusammenklunkern,  als  e’n
alt  Weiberstück.  Eher  noch  Gustav,  denn  den  seine
Finger  sind  was  leimig  —  das  backt  gern  an!  —
—  Aber  ich  sag  bloß  .  .  .  Sag  ein  Mensch  —  das

Wenn's  wen

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Unglückl"

„Ja,  so'n  Unglückl  —  Als  wir  Schrödern  seine
Vraunen  so  lauthals  wiehem  hörten,  da  August
gleich  den  Berg  runter  und  rauf  nach  Pipers  ihre
Tür,  und  ich  hinter  ihm  an.  —  Ne,  nie  vergeß  ich

das!  —  —  Wiern  Kalb,  das  sie  abladen!  —  Herr

Gott,  wenn  ich  denk!t  und  is  ausgefahren,
als  'n  forschen  jungen  Kerl!  Unglück  schlaft  nich!“

„Jä  —  und  ein  Unglück  kommt  nich  allein!  —
Was  mein  alt  Tanten  Rotspracken  war,  die  so
lange  krumm  und  lahm  in  der  Betsttatt  gelegen
hat,  die  pflegt  all  immer  zu  sagen:  „Kinders,  trast
euch:  Ein  Ungluck  kommt  nich  allein!“

„Und  da  hat  se  Recht  in  gehabt!  Das  hat  man

all  oft  beleot!  —  Herr  Gott!  und  der  schmucke
junge  Kerl!“"
„Jä  —  schmuck  bin!  schmuck  her!  Nabersch,

wein  doch  nich!  —  Von's  Rohren  kriegst  'n  auch
nich  wieder  gerad!  —  Aber  ein  Unglack  kommt  auch
nich  allein!  —  Marieken  Beethmann  nel  nel  —  Mir
graut  richlig  für  die  Dirn!  Ich  denk  immer,  die
Dirn,  die  hängt  sich  nu  woll  auch  noch  auf!“

„Jesus,  red  doch  nich!  —  Und  Marieken  —  die
hat  doch  immer  so  viel  gestritten!“

„Na,  gerad  deshalber,  du!  —  Ltebsleut  sind  als
Diebsleut!“

„Hm  —  jäl  Richtig  war  das  nicht  letzten  Winter!
  Gehn  taten  sie  zusammen.  Aber  jung
Volk,  das  is  ja  auch  was  hin  und  herl!“

„Marieken  Beethmann  nich!  Die  hat  nie  nich
'n  ander  Mannsmensch  angekuckt!  —  Und  daß  sie
diese  Tage  bei  keinen  nich  kommt!  Und  die
lutt  Mielendirn  auch  nich!  .  .  Gerad,  als  wär
das  abgeerbt!  —  Na,  denk  ich  gestern  auf  n  Nachmittag,
  als  der  Doktor  wieder  von  Pipers  weg
war,  sollst  man  mal  einsehn  bei  Beethmanns!  —
Ne,  Kinders!  Kinders!  hat  die  Dirn  ausgesehn!
Rein  verbiestert!"

„Lieber  Gott,  noch  mal!  Ja,  und  wenn  er
auch  dreidoppelt  so  viel  hätt,  als  Gustav!  Was
nutzt  ihm  das  all?  Mit'n  Freien  is  das  vorbeil!"

„Ja,  damit  is  das  vorbei!  —  Und  was  Gusching
  is,  der  kann  sich  nu  auch  man  umsehn!  —
Gleich  so  'ne  Last  mitzukriegen  in  jungen  Haushaltt
  .  Denn  behalten  muß  er'n  ja  doch!  Wo
will  er  hin,  mit  'n?“

„Jä,  wo  will  er  hin  mit  ’'n?  —  Und  Gustav
denkt  jetzt  auch  gar  nich  ans  Freien!  —  Den  reißt
jetzt  woll  anders  was  in  'n  Kopf!“

„Na,  na,  Strohmeyer'sch!  laß  deinen  Topf  man
nich  mit  Gewalt  überkochen!  Wir  gönnen  dir  das
ja  all,  daß  du  den  Kranken  aufpassen  tust,  denn
du  bist  mal  die  Cosien  dazul!“

(Fortsetzung  folgt.)