Hermann.
(Ein  Nachruf.)

Er  strotzte  vor  Bescheidenheit!

So  wurde  an  die  trauernde  Mutter  geschrieben,
als  ihn  die  feindliche  Kugel  ereilte.

Alle  Kameraden  hatten  ihn  gern,  die  Vorge—
setzten  lobten  den  tapferen,  unermüdlichen  Mann.

Was  er  sich  zum  Ziel  gesetzt  hatte,  das  mußte
erreicht  werden.

Da  gab's  kein  Zurück.

Mit  eiserner  Energie  und  seltener  Willensstärke
mußte  es  erreicht  werden.

Und  stets  war  es  ihm  gelungen.

Im  Privatleben  war  er  Architekt  und  berechtigte
  zu  den  schönsten  Hoffnungen.

Da  kam  der  lodernde  Brand  des  Weltkrieges
und  auch  er  gesellte  sich  freiwillig  zu  den  Streitern
für  Ehre  und  Freiheit  des  Vaterlandes.

Zog  mit  hinaus  nach  Belgien,  mit  hinein  nach
Frankreichs  Gefielden  und  war  oft  dabei,  wenn  der
Schnitter  Tod  Verderben  erntete.

Er  zog  mutig  mit.

Mancher  Brief  in  die  Heimat  gab  Zeugnis  von
dem  glühenden  Vaterlandsgeist,  und  manche  Hoff--nung
  beseelte  des  jungen  Stürmers  Herz.

Draußen  gab  es  auch  ruhige  Tage.

Tage  der  Erholung.

Auch  in  den  Ruhepausen  sah  sich  Hermann  nach
Arbeit  um.

Die  Offiziersunterstände  stellten  ihm  eine  schöne
Aufgabe  in  der  Einrichtung  und  Ausschmückung.

So  entstand  dort  draußen  bald  so  manches  angenehme
  Plätzchen  und  an  Dank  der  Offiziere  fehlte
es  dem  jungen  Künstler  nicht.

Auch  den  Kameraden  war  er  stets  ein  guter  Berater
  und  wo  es  ihre  Sorge  galt,  da  war  es  auch
die  seine.

Hermann  half  überall  und  selbstlos.

Er  war  mit  dem  Geringsten  zufrieden,  wenn  nur
die  anderen  hatten.

„Wir  beweinen  einen  treuen  Kameraden!“

Gibt  es  etwas  schöneres  unter  rauhen  Kriegern?

Ist  das  nicht  die  schönste  Ehre  für  einen  gefallenen
  Helden?

Nun  wölbt  sich  über  seiner  irdischen  Hülle  der

Hügel  und  der  Winter  deckt  ihn  mit  warmem
Kleide  zu.
Ihr  wollt  wissen,  wie  er  fiel?  —
*  *

Von  Otto  A.  Peters-  Berlin.

Es  war  eine  stürmische  Nacht.

Rasend  jagten  die  schwarzen  Wolken  und  der
heulende  Wind  jammerte  kläglich.

In  Stromen  klatschte  das  Wasser  hernieder,  alle
Schleusen  des  Himmels  schienen  geöffnet.

Eine  Nacht  —  recht  dazu  angetan  zu  sterben.

In  vorgeschobener  Stellung  vor  dem  Feinde
lagen  die  Grenadiere  und  ein  Hagel  von  Geschossen
ergoß  sich  über  den  Graben.

Aus  dem  vernichtenden  Trommelfeuer  des  Nachmittags
  war  man  glücklich  herausgekommen  und
Meter  um  Meter  näher  an  den  Feind  herangerückt.


Jetzt  hieß  es,  das  letzte  Hindernis  brechen  und
das  Drahtverhau  überwinden.

Wenn  es  gelang,  einen  Weg  hindurchzubahnen,
konnte  man  vielleicht  ohne  nennenswerte  Verluste
herankommen.  Aber  wie  das  Drahtverhau  beseittgen?
  Wenn  mutige  Leute  hinausstiegen  und  sich
an  die  Stacheldrähte  heranarbeiteten  und  dann  mit
der  Schere  kräftig  zupackten,  dann  könnte  es  gelingen.


Doch  in  diesem  Feuer
Spiel.

Menschenleben  würde  es  kosten.

Menschenleben  sind  kostbar.

Lange  hatte  man  überlegt.

Günstig  war  die  Nacht.

Man  hatte  nach  Freiwilligen  gefragt.

Es  blieb  ernst  und  stumm.

Alle  waren  sie  mutige  Helden,  aber  hier  stand
doch  Gevatter  Tod  zu  nahe  vor  der  Türe.

Nur  einer  kam  zögernd  vor.

Nicht  zögernd  vor  Angst  —  zögernd  vor  Bescheidenheit.


Hermann!

„Sie  wollen  es  wagen,  Hermann?“

„Für  mein  Vaterland!"“

Man  raunte  ihm  zu,  sich  zu  besinnen.

Es  war  gewagt.

Vielleicht  konnte  die  nächste  Minute  schon  Tod
und  Verderben  bringen.

Hermann  blieb  fest.

„Ich  wage  es.“

Einer  muß  es  doch  sein.
nicht  ungenützt  vorübergehen.

„Hter  eine  gute  Drahtschere.“

war  es  ein  gewagtes

Die  Nacht  darf  ja