Wasfen  und  Gepäck  zurückgelassen,  möglichst
leicht,  daß  man  ungehindert  und  vielleicht  auch  ungesehen
  vorwärts  kommt.

„Mit  Gott,  Hermann!“

Ein  kühner  Schwung  und  Hermann  war  vor
dem  Graben.  .

Niemand  dort  drüben  schien  ihn  gesehen  zu
haben.  ..“—“

Auch  die  ständigen  Leuchtkugeln  waren  wirkungslos.


Zoll  um  Zoll  arbeitete  sich  der  Tapfere  heran,
zwischen  den  Zähnen  die  Schere.

Die  Andern  stehen  im  Graben  und  verfolgen
durch  die  Schiebscharten  den  Weg  des  Kameraden

Drüben  fällt  Schuß  auf  Schuß.

Leuchteugeln  steigen  empor  und  ziehen  in  weitem
  Bogen  ihre  Bahn.

Sie  haben  ihn  noch  nicht  verraten.

Weiter  und  weiler  kriecht  Hermann.

Nun  hat  ihn  die  Dunkelheit  ausgenommen.  Noch
einmal  taucht  sein  Schalten  in  der  Helligkeit  auf.

Nun  ist  er  verschwunden.

Das  feindliche  Feuer  scheint  nachzulassen.

Wird  immer  schwächer.

Vereinzelt  fallen  die  Schüsse  und  zischen  die
Kugeln.

Was  wird  aus  dem  wackeren  Jungen  werden?
Fast  sieht  es  aus,  als  ob  die  Feinde  das  verwegene
Spiel  verfolgen.

Vielleicht  haben  sie  den  Kühnen  entdeckt.  Vielleicht
  lassen  sie  die  Maus  in  der  Falle  zappeln,  um
sie  dann  um  so  sicherer  zu  vernichten.

Bald  scheint  es  so.

Kein  Schuß  dröhnt  mehr  in  die  Nacht.

Wie  atemlose  Spannung  lagert  es  auf  beiden
Seiten.

Ob  sie  ihn  dort  bemerkt  haben?

Tiefes  Schweigen.

Ganz  weit,  irgendwo
dumpf.

Hohles  Klopfen.

Vielleicht  wird
legt.

Vielleicht  sind  Pioniere  an  der  Arbeit.

Man  wagt  kaum  mehr  zu  atmen.

Horch!

Was  war  das  für  ein  Geräusch?

Sollte  es  möglich  sein?

Sollte  Hermann  wirklich  die  Stacheldrähte  auseinanderschneiden!


Der  leise  Ton,  der  von  dort  draußen  kam,  ließ
fast  darauf  schließen.

Ob  das  Geräusch  nicht  auch  vom  Feinde  vernommen
  wurde?  '

Es  blieb  ruhig,  nur  das  winzige  Knipfen  aus
dunkler  Nacht  drang  herüber.

Sicher  war  Hermann  an  der  Arbeit.

Da  krachen  Salven.

Wildauf  spritzt  die  Erde  vor  dem  Graben.

in  der  Ferne  hallt  es

wieder  ein  Drahtverhau  ange-—

  Anser  Dommerland

183

In  schneller  Folge  steigen  die  Leuchtkugeln.

Jetzt  haben  sie  ihn  bemerkt.

Es  war  ja  auch  zu  nahe
Stellung.

Nun  lag  er  wohl  draußen,  von  Kugeln  durchlöchert.
  Kaum  konnte  es  anders  möglich  sein.

Das  war  das  Endel

Doch  —  man  wußte  nicht.

Vielleicht  nur  eine  Vermutung.

Das  feindliche  Feuer  ließ  nach.

Tiefe,  schweigende  Nacht.

Der  Kompagniefaührer,  der  dem  tapferen  Vordringen
  Hermanns  mit  wachsendem  Inueresse  ge—
folgt  war,  der  glaubte  nicht  an  seinen  Tod.

Das  Feuer  galt  nicht  einem  einzelnen  Mam
Man  sollte  noch  etwas  warten  und  dann  nachsehen
  lassen.

Vielleicht  war  er  doch  noch  am  Leben.

Bielleicht  aber  verwundet.

Man  konnte  ihn  nicht  draußen  liegen  lassen.

Diesen  nicht.

So  einige  Minuten.

Da  stand  er  mitten  drin  im  Graben.

Hermann  war  zurückl

Wie  war  das  möglich?

Wie  kam  der  in  den  Graben  zurück?

Man  hatte  doch  fortwährend  in  die  Nacht  gespäht
  und  ihn  nicht  entdeckt.

Nun  stand  er  da  —  unversehrt.

Sein  Gesicht  strahlte.

„Herr  Hauptmann  —  Befehl  ausgeführt!"

Unmöglich  —  hätte  der  Hauptmann  fast  gesagt.

Doch  mußte  es  so  sein.

Der  ruhige  junge  Mann,  der  sich  sonst  stets  für
sich  hielt,  der  hatte  dies  vollbracht!

Hatte  vollbracht,  was  alle  für  unmkglich  gehalten.


Nun  stand  er  hier,  freudig  bewegt.

Er  hatte  ein  Riesenwerk  geschafft.

Hatte  dies  jemand  für  möglich  gehalten?

an  der  feindlichen

„Und  das  Drahtverhau  zerschnitten  —  einen
Durchgang  geschaffen?“

Hermann  bestätigte  das.

Noch  mehr.

An  vier  verschiedenen  Stellen  hatte  er  die

Drähte  durchschnitten.

Vier  Durchgänge  hergestellt.

So  kam  es  auch,  daß  er  ganz  von  rechts  zurückkriechen
  muöte  und  erst  durch  den  Graben  lief,  bis
er  vor  seinem  Kompagnieführer  auftauchte.

Der  sagte  nichts.

Doch.

„Das  Eisenkreuz  sollen  Sie  haben!"

Später  war  es  geworden.

Durch  den  Graben  lief  ein  Befehl.

„Seitengewehr  aufpflanzen!“

Nun  war  es  so  weit.

Sturml!

Heute  mufßte  es  sich  entscheiden.