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reit  zum  Abspringen.  Stille  —  wieder  Brechen,
dann  trat  ein  Rudel  Rotwild,  voran  das  alte  Leittier,
  auf  den  Aohang  zum  See.  In  langer  Relhe,
oft  verhoffend,  zogen  sie  talab  und  verschwanden
in  dem  Mevel,  der  seit  Sonnenuntergang  den  Wassern
  entstieg.  Beruhigt  zog  der  Berghirsch  hinterher,
  um  auch  unterzutauchen  in  Dunst  und  Abenddunkel.


Feierlicher  Friede  —  Bergnacht  —

Durch  die  Walder  ging  ein  Raunen  und  Flüstern,
  der  erste  Frost  war  gekommen,  das  Sterven
des  Herostes.  Fast  zu  eilig  harten  es  die  Dlarter
der  Lauoh-lzer  zu  fallen,  es  raschelre  ununterbrochen;
  vald  lag  der  Boden  bedecht.  GEiskalt  zog
es  vom  See,  es  gligerte  die  kayle  Ebene,  der  bewaloete
  Hohenzug.  Die  tastende  Hand  des  Vorwinters
  hatte  sich  über  das  Reich  des  Alten  vom
Berge  gelegt.  Der  stand  im  Schilf  am  See,  aus
dem  das  fahle  Mondlicht  stetig  neue  Nebelgeister
zauverte,  die  hher  und  höher  stiegen,  sich  ausoreitend
  noer  die  Verge  flüchteten,  um  sich  zu  schweren,
  feuchten  Wolken  zu  sammeln.  Cnien  klingelten
  und  rauschten  auf  ihrem  Zuge  durch  die  Schwaden,
  kreisten  sausenden  Hluges  einigemale  über  dem
Wasser  und  lienen  sich  klatschend  darauf  nieder.
Fern  aus  den  Holze  rief  der  Uhu,  hoch  in  der
Luft  die  Schneegans.

Der  Alte  vom  Berge  stand  und  grübelte.  Jetzt
kam  die  Zeit  der  Liebe,  vielleicht  auch  die  des
Sterbens.  Grämlich,  verärgert  war  er  in  den  letzten
  Jahren  gewesen,  unleidlich  den  jüngeren,  vorsichtig
  und  schlau  den  älteren  Hirschen  gegenüber.
Die  Jäger  stellten  ihm  nach,  er  sollte  abgeschossen
werden,  um  nicht  noch  mehr  zurückzusetzen.  Er
selbst  fühlte  sich  oft  überflüssig,  doch  immer  wieder
war  der  Hang  am  Leben,  an  Freiheit  größer,  wie
die  Sehnsucht  nach  einem  kurzen  Ende.  Darum
schlich  er  auch  nur  nachts  ins  Freie,  zog  bei  Tage

dort,  wo  niemand  ihm  beikommen  konnte.  So
auch  heute.  Er  stand  und  starrte  ins  Dunkle,  ins
Nevelmeer.  Seine  Lichter  bekamen  matten  Glanz,

es  wurde  feucht  darinnen,  war  es  der  nasse,  kalte
Nebel,  der  sich  auf  sie  legte?  Unwillig  schüteelte
er  den  dunk'len  Kopf,  trat  einige  Schritte  weiler
vor  und  verharrte  frei  am  bereiftem,  weißen  Ufer.

Da  oben,  den  Abhang  hinauf,  ist  der  Berg,
sein  Holz,  hier  sein  stiller,  schöner  Bergsee,  der  wie
ein  grozes,  tiefes  Auge  zum  Himmel  hinaufschaut.
Dazwischen  das  Aesung  gebende  Feld,  auf  dem  er
fast  sein  ganzes  Hirschleben  gezogen.  Jenseits  des
Wassers  das  alte,  hohe  Holz,  in  dem  er  gesetzt,  in
dem  er  seine  Jugend  verlebt.  Wohl  war  er  in
jüngeren  Jahren  in  die  weitere  Umgebung  gewandert,
  hatte  andre  Forsten,  andere  Felder  kennen  gelernt,
  doch  zu  tief  wurzelte  die  Heimatsliebe  in
ihm.  Immer  mußte  er  zurück  zu  ihr,  zu  ihr,  der
er  jetzt  treu  geblieben  all’'  die  Jahre.  Wie  still  und
ruhig  war  es  immer  im  hohen  Tann,  wie  heimlich
  zwischen  den  starken  Buchen,  den  Eichen,  wie

AAgIUnseri  Pommerland  —  ,

warm  in  der  anwachsenden  Schonung,  aber  dut#
wie  kal!  das  Walotal,  wenn  der  deoro  feg.e,  der
Schnee  klasierhoch  lag  und  Hunger  und  Kuaite  umgingen.
  Dann  haue  ihn  der  vewaldete  Hohenzug,
sein  Berg  aufgenommen,  hat.e  ihn  geschuct  in
Schluchten  mir  den  Baschen  und  dichrem  Holz.
Auy  ein  Hicsch  kann  dankoar  sein,  dantbar  der
Heimat.  #ruf  dem  Berge,  der  ihm  den  #amen  gegeoen,
  auf  den  er  stolz  war,  woate  er  einst  Nerven.
Der  Hirsch  zog  langsam  und  vorsichtig  zu  Herg.
Vor  den  Tannen  und  Fichten  machte  er  halt,
ncherte,  fand  nichts  verdachtiges  und  sprang  hur
einigen  groven  luchten  in  die  Diaung.

Im  Osten  graute  der  junge  Tag,  rötlichgeldes
Licht  ründere  der  Sonne  Aufuchen.  Der  Alle  vom
Berge  augte  üver  sein  Reich.  Die  Dünningen  so#nlugen
  vor  innerer  Erregung,  ihn  hatte  auf  emmal
ein  eigenarriges  Hiever  gepaat,  warm  lief  es  ihn
uver  serne  graurote  Decee,  im  Onnern  so)ien  alles
zu  kochen  und  zu  sieden.  Was  war  dadrinnen?  ##s
jagre  vom  Herzen  zum  Kopf,  immer  und  immer
wreder.  Die  Lichter  betramen  roten  Schimmer,
eine  Unruhe  hatte  ihn  befallen.  Da  hielt  es  ihn
nicht  mehr,  er  mupte  schreien  —  seine  Wut  —  sein
Feuer  —  seine  Viebe,  schreien  über  Wadsee  und
Berg,  über  Taler  und  Höôyen.  Tief,  grollend,  gewaliig
  röhrte  der  Berghirsch.  Wie  der  heipe  Atem
zur  weipen  Wolke  wurde  in  der  kalten  Luft,  wie
der  zottige  Hals  sich  dehnte  und  weitete  beim  orgeln.
  Er  schrie  einmal,  viermal,  zehnmal,  als
gelte  es  das  Leben.  Horch!  war  das  Wiederhall
oder  —  kurz,  heiser,  ärgerlich  röhrle  der  Hirsch
weiter,  verschwieg  und  lauschte.  Dal  Antwort
wurde  ihm  vom  Tal,  vom  See  her.  Also  doch!
Zornig  stampfte  er  auf,  schlug  wütend  mit  dem
Geweih  den  Boden,  warf  Steine  und  Kraut  hinter
sich  mit  den  Läufen  und  schrie  wieder  kurz,  herausfordernd.
  Einen  Trenzer  hörte  er,  dann  den
nahen  Schrei  des  Achtzehnenders.  Und  da  war  er.
Jetzt  gall  es,  Tod  oder  Leben,  Tod  oder  Weirerherrschen.
  Tief  im  Nacken  lagen  die  armdicken,
kurzen  Stangen,  seine  Schreie  sagten  dem  heranziehenden
  Rivalen  „Es  gilt,  ich  bin  hier,  bis  an
den  Rand  des  Holzes  komme  ich  Dir  entgegen,
weiter  nicht,  hier  erwarte  ich  Dich.“  Und  der  kam.
Schritt  für  Schritt  zog  der  fremde  Hirsch  heran,
nun  waren  sie  nur  noch  einige  Ellen  auseinander.
Minutenlang  lugten  sich  die  Kämpfer  an,  beiden
war  es  heiz  geworden.  Dies  wird  kein  spielendes
Geforkel,  es  geht  auf  Leben  und  Tod,  wer  ist  der
Stärkste?  Schon  überlegte  der  Achtzehnender,  ob
er  Kehrt  machen  soll,  noch  ein  Jahr  warten,  da
stürmte  der  Alte  schon  heran,  daß  es  weit  zu  hören
  war.  Es  krachten  und  knalltei  die  Stangen
der  Geweihe  zusammen,  es  dröhnte  und  stampfte,
es  keuchte  und  röchelte,  sie  schoben  und  stießen  sich,
ste  schlugen  und  bohrten.

Erschreckt  flüchteten  die  Tiere  im  Umkreis,  so
verbissen  hatten  sie  noch  nie  Kämpfende  gesehen,