erland

3.  Jahrgang

1015—10

Nr.  8/9.

Verbandsorgan

des  pommernbundes  in  Berlin,  des  Verkehrsverbandes  für  pommern  und  die
Insel  Rügen  E.  v.,  des  Messenthiner  Waldvereins  und  des  Buchheidevereins.

S  Horausgegeben  von  Ludwig  hamann  und  Hrnold  Koeppen  —  —  12  12

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Die  „unbekannten  Götter“  der  rügischen  Wenden.

Als  am  12.  Februar  v.  J.  der  Dozent  für
Slawische  Philologie  an  der  Breslauer  Hochschule,
Prof.  Dr.  Diels,  in  einer  Versammlung  der
Schlesischen  Gesellschaft  für  Volkskunde  einen  unser
gesichertes  Wissen  „über  den  Götterglauben  der
Slaven“  zusammenfassenden  Vortrag  hielt  (Mitteilungen
  d.  Schles.  Ges.  f.  Volksk.,  B.  XVII,  1.
H.),  erwähnte  er,  daß  der  Bericht  Helmolds  über
den  guten  und  bösen  Gott  der  Wenden  in  neuerer
Zeit  durch  eine  kaschubische  Volkserzählung  eine
unerwartete  Bestätigung  gefunden  habe.  Wen  dadurch
  das  Mißtrauen  gegen  den  Verfasser  der
Wendenchronik  beseitigt  und  der  Kult  des  Belbog
  und  des  Tschernebog  endlich  allgemein
als  historische  Tatsache  anerkannt  würde,  so  wäre
das  kein  geringer  wissenschaofllicher  Fortschritt.
Denn  daß  dieser  Kult  keine  leere  Erfindung  ist,  darüber
  hätte  schon  seit  langem  kein  Zweifel  bestehen
sollen.  Man  hätte  zu  dieser  Erkenntnis  gelangen
müssen,  wenn  man  unter  den  spärlich  fließenden
und  leider  großenteils  unreinen  Quellem  eine
mehr  beachtet  und  genügend  ausgeschöpft  hätte:  ich
meine  die  für  die  älteste  Geschichte  Pommerns  und
besonders  Rügens  so  wichtige  Knytlimngasaga.


Die  Suverlälsfigkeit  der  Knyflingasaga.

Sie  ist  anfangs  über=  und  später  stark  unterschätzt

  worden.  Das  herbe  Urteil  Olto  Focks
(Rügen'sch-Pommersche  Geschichten,  I,  S.  129  ff)
ist  bekannt.  Fock  beruft  sich  dabei  auf  die  ungenauen,

  ja  widerspruchsvollen  Ortsangaben.  Er
würde  etwas  milder  gewesen  sein,  wenn  er  das
offensichtliche  Bestreben  des  isländischen  Autors,  zu
germanisieren,  die  weite  Entfernung  von  dem
Schauplatz  der  Ereignisse  und  die  zwischen  diesen
und  ihrer  schriftlichen  Bearbeitung  verflossene  Zeit

Von  Hdolf  Moepert  in  Stralsund.

von  annähernd  100  Jahren  mehr  in  Rechnung  gestellt
  hätte.  So  könnte  Masnet  wegen  der  Namensähnlichkeit
  auch  auf  die  Insel  Ummanz  angewandt
  sein,  Aasund  dürfte  die  skandinovische
Uebersetzung  eines  flawischen  Städtenamens  sein,
der  ursprünglich  und  nebenbei,  wie  so  viele  andere,
  ein  Gewässer  bezeichnet.  Die  Insel  Swold,
womit  nach  der  Ansicht  der  meisten  Forscher  die
Greifswalder  Oie  gemeint  ist,  und  der  Flus
Swoelder  (Portus  Swaldensis  bei  Saro)
der  gut  mit  der  Mündung  des  Ruk  sich  deckeir
könnte,  zeigt,  wenn  man  den  noch  im  Mittelhochdeutschen
  vor  anlautendem  w  sehr  beliebten  s-Laut
wegläßt,  den  zweiten  Bestandteil  von  Greifswald
(1307  Gripeswold),  und  man  könnte  versucht  sein,
anzunehmen,  daß  zu  dem  heutigen  Ortsnamen  das
Bestimmungswort  erst  später  hinzugetreten  sei.

Im  Mittelalter  liebte  man  derartige  Abkürzungen
  und  hieß  darum  auch  die  Stralsunder  einfach
„die  Sundischen".  (Auch  eine  Verkürzung  könnte
„die  Sundischen"“.  Balung  (Falong,  Walungia)
ist  an  sich  jedenfalls  nichts  anderes  als  „die  Rinderweide“
  (wol  —  Ochs)  und  könnte  demgemäß  auch
auf  die  Gegend  um  Wolgast,  wie  schon  Mohnike
glaubte,  und  auf  die  Insel  Vilm  mit  dem  ihr  vorgelagerten
  Landstrich  zielen,  da  diese  in  Stralsunder
  Chroniken  neben  Wilm  auch  Wollem  genanmt
wird.  Anstoß  nimmt  Fock  im  besonderen  auch  an
der  Stelle  im  Kap.  123,  wo  es  heißt:  „Während
König  Waldemar  lebte,  wurden  elf  Kirchen  auf
Rügen  erbaut  und  Bischof  Absalon  weihete  sie.
Jetzt  ist  ein  Bischofsstuhl  daselbst  in  der  Stadt,
die  Usna  heißtt  und  in  diesem  Bisthum  sind
hundert  und  dreißig  Kirchen.“  In  der  Tat  kann
Rügen  unmöglich  130  Kirchen  gehabt  haben  noch
war  es  je  ein  selbständiges  Bistum.  Jahrhundertelang
  unterstand  es  in  kirchlicher  Beziehung  den