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Bischöfen  von  Roeskilde  auf  Seeland.  Aber  der
Verstoß  ist  nicht  so  schreiend,  wenm  man  einen
Gedankensprung  annimmt,  wie  er  bei  schlichten  Erzählern
  zu  allen  Zeiten  vorgekommen  ist.  „Daselbst“
  bezieht  sich  gar  nicht  auf  Rügen,  sondern
auf  ganz  Vindland,  von  dem  die  Insel  eine  Provinz
  ist.  Dabei  scheint  allerdings  Usna  (Usedom)
mit  Wollin  verwechselt  zu  sein.  Indes  wird  die
Möglichkeit  nicht  ganz  von  der  Hand  gewiesen  werden
  dürfen,  daß  die  Fürstbischöfe  von  Wollin  (Sitz
später  in  Kammin)  auch  in  der  ältesten  und  größten
  Stadt  der  Nachbarinsel  eine
haben,  was  zahlreiche  Analogieen  hätte  und  die
Vertauschung  der  Orte  fast  vollkommen  rechtfertigem
würde.  (So  hat  der  Bischof  von  Suwalki  oder
Augustowo  seinen  Sitz  in  Sejuy.)

Man  wende  diese  Erklärung  auf  die  umstrittenen
  Stellen  der  Saga  an,  umd  manche  vermeintlichen
  Widersprüche,  auf  die  hier  einzugehen  zu  weit
vom  Thema  abführen  würde,  werden  sich  dann
leicht  lösen.

Was  die  Zahlenangaben  betrifft,  so  sind  diese
in  der  älteren  Geschichte,  am  meisten,  wenn  sie
durch  Mittelspersonen  überbracht  wurden,  fast  durchgehend
  übertrieben  oder,  wie  bei  Saro,  gefälscht.

Es  wird  also  auch  bei  der  Beurteilung  der  Zuverlässigkeit
  der  Knytlingasaga  die  Wahrheit  in
der  Mitte  liegen.  Wer  im  Auge  behält,  daß  Namen
  und  Zahlen  teils  in  bestimmter  Absicht,  teils
infolge  der  mündlichen  Berichterstattung  entstellt
sind,  wird  immerhin  in  ihr  eine  wertvolle  Ergönzung
  zu  den  Quellen  für  die  älteste  Pommersche
Geschichte  erblicken  dürfen.

Die  Göölterlilke  bei  Saxo  und  in  der  Saga.

Der  beste  Führer  bei  der  Erforschung  der  Geschichte
  und  Religion  der  alten  Rügianer  ist  unbestreitbar
  Saro  Grammatieus,  der  als
Zeitgenosse  und  Augenzeuge  der  dänischen  Kämpfe
gegen  die  letzte  Zufluchtsstätte  des  wendischen  Heidentums
  selbstverständlich  die  Vorgänge  viel  ausführlicher
  und  genauer  schildern  konnte  als  der
Schöpfer  der  nordischen  Saga.  Indes  ist  auch  er
nicht  frei  von  nachweisbaren  Mängeln  und  Unrichtiakeiten.
  Es  kann  darum  seine  Autorität  nicht  gegen
  die  Knytlingasaga  in  die  Waaschale  geworfen
werden,  wenn  diese  ein
einer  Umtermnehmita  berichtet,  über  wolche  der  dänische
  Geschichtsschreiber  schweigt.  Gerade  dem
Teilnehmer  an  den  verschiedenen  Heerfahrten  kann
bei  der  Niederschrift  leicht  ein  Streifzug  entaangen
sein,  an  dem  er  nicht  verfönlich  beteiliat  und  mit
dem  daher  keine  Erinnerung  an  Selbsterlebtes  verknüpft
  war.

Das  ailt  in  unserem  Falle  von  der  Vernichtung
  der  Götzen  Pizamar  und  Tjarnaalofi.


Im  wosentlichen  laufen  die  Berichte  der  beiden
Schriftsteller  über  die  heidnischen  Götterbilder,  des

Unser  Dommerland.

Residenz  besessen

Mehr  aufweist  und  von

Swantewit  zu  Arkona  und  des  Rugiewit,
  Poenut  und  Porewit  (nach  der
Saga:  Rinvit,  Turupid,  Puruvit)  in  Karentz,  einander
  parallel.  Die  übermannshohen  Statuen  wurden
  zertrümmert  und  verbrannt,  die  reichen  Tempelschätze
  wurden  gesammelt  und  verpackt.  Num
tritt  eine  auffallende  Divergenz  ein.  Die  Saga  berichtet
  weiter:

„Ein  fünfter  Gott  hieß  Pizamar;  er  war  in
einer  Stadt,  mit  Namen  Aasund;  auch  er  wurde
verbrannt.  Außerdem  war  da  einer,  mit  Namen
Tjarnaglofi,  welches  ihr  Siegesgott  war,  und  in
den  Kampf  mit  ihnen  zog;  er  hatte  einen  Knebelbart
  von  Silber;  er  hielt  sich  am  längsten;  ab  er
doch  bekamen  sie  ihn  das  dritte  Jahr  darnach.“
(Nach  der  Uebersetzung  von  Kombst,  Balt.  Stud.
1.  H.  S.  59).

Es  ist  klar,  daß  der  Verfasser  sich  das  hier  Erzählte
  nicht  aus  den  Fingern  gesogen  hat.  Andererseits
  muß  es  Befremden  erregen,  daß  Saro  dieser
  Abgötter  mit  keiner  Silbe  gedenkt.  Auch  eine
Stadt  Aasund  wird  nirgends  bei  Saxo  erwähnt,
obwohl  ein  größerer  Ort  wie  dieser  ihm  kaum  unbekannt
  geblieben  sein  kann.  Man  hat  sich  nun,
von  Kombst  angefangen,  immer  wieder  den  Kopf
zerbrochen,  was  für  ein  Ort  unter  Aasund  zu  verstehen
  sei,  und  hat  bald  auf  Gingst,  bald  auf  die
Herthaburg,  bald  auf  andere  alte  Burgwälle,  endlich
  und  zumeist  auf  Jasmund,  die  provincian
A  Smoda  Saxos,  geraten.  Mit  dem  seltsamen
Götzen  Pizamar  wußte  man  überhaupt  nichts  anzufangen.
  Um  so  schneller  entschied  man  sich  bei
dem  anderen,  dessen  Sitz  nicht  unbedingt  in  Aasund
gewesen  zu  sein  braucht,  wegen  der  Gleichheit  einiger
  Konsonanten  für  die  Identität  mit  dem  aus
der  Lebensbeschreibung  des  hl.  Otto  uns  gut  bekannten
  Stettiner  Hauptgott  Triglav.

Daß  die  bishberige  Auffassung  zum  Teil  sicher,
zum  Teil  wahrscheinlich  falsch  ist,  werden  wir  bei
einer  eingehenden  Untersuchung  über  die  einzelnen

Namen  erkennen.  Beginnen  wir  zuerst  mit  dem
Ortsnamen.
Die  Lage  von  Malund.
Ich  frage  zunächst:  wer  hat  bewiesen,  daß

Aasund  auf  der  Insel  Rügen  gelegen  haben  muß?
Niemand.  Und  ich  behaupte,  daß  dieser  Beweis
unmöglich  ist,  weil  die  Saga  zu  oft  Insel  und
Festland  durcheinanderwirft  und  das  Wörtchen  „da“
allgemein  „in  dieser  Gegend“  bezeichnet.  Ort  der
Handlung  war  nach  Saro  zuletzt  eine  kleine  Insel
nicht  weit  von  Garz.  Mag  dies  nun  Vilm  oder
Strela  gewesen  sein,  in  jedem  Falle  war  der  Stapelplatz
  der  erbeuteten  Reichtümer  nicht  allzuweit
von  der  pommerschen  Küste  entfernt.  Nichts  steht
daher  dem  Gedankem  entgegen,  daß  ein  Teil  der
dänischen  Flotte  von  hier  aus  nach  dem  Festland
am  Strelasund  gesegelt  sei,  um  auch  hier  mit  dem
Götzendienst  Kehraus  zu  machen  und  neue  Schätze