dazuzugewinnen.  Fast  jedesmal,  wenn  die  Dänen
bei  ihren  früheren  Kriegszügen  bei  dem  beliebten
Ankerplatz  Strela  an  Land  gegangen  waren,
war  auch  die  gegenüberliegende  Küste  in  Mitleidenschaft
  gezogen  worden.  So  noch  im  Frühjahr  d.
Ihr.  1165,  wo  auch  ein  heimischer  Opferhain  bei
Bukow,  unweit  Strehlad,  den  Flammen  übergeben
wurde.  Dieses  Unternehmen  wird  von  der  Saga
vor,  von  Saxo  hinter  die  Schlacht  auf  dem  Zudar
verlegt.  Aber  die  Saga  kommt  am  Ende  auf  diesen
  Beutezug  noch  einmal  zu  sprechen.  Nach  dem
Siege  Absalons,  des  streitbaren  Bischofs,  am  Garzer
  „See“,  fährt  die  Saga  zu  erzählen  fort:

„Der  König  dankte  ihm  (Absalon)  in  gmädigen
  Ausdrücken  für  diesen  Sieg,  und  darauf  zo—
gen  sie  alle  vereint  nach  Strela.  Die  Inselmänner
  hatten  nun  große  Beute  gemacht,  welches
ihnen  die  Iyten  mißgönnten;  und  sie  sagten,  daß
die  Inselmänner  alles  bekämen,  sie  aber  gingen
leer  aus;  aber  sie  durften  doch  nicht  davon  vor
des  Königs  Ohren  sprechen.  Darauf  zog  der  König
  mit  dem  Heere  nach  Aasund,  und  heerte  daselbst.
  Da  tödteten  sie  einen  Häuptling,  mit  Namen
  Dalemar,  bemächtigten  sich  alles  Volks  und
Guts,  und  zogen  dann  nach  Hedinsoe“.

Wollen  wir  beide  Berichte  in  Uebereinstimmung
bringen,  dann  müssen  wir  annehmen,  daß  das  zur
Entschädigung  für  die  Jüten  beraubte  Aasund  eben
an  dieser  Küste  lag,  daß  man  von  hier  nach  Hiddensoe
  fuhr,  Frieden  schloß  und  heinkehrte.

Saro  berichtet  dan  noch  von  einem  zweiten
Feldzug  im  Herbst  dieses  Jahres,  bei  welchem  die
Halbinsel  Wittow  und  Jasmund  am  meisten  zu  leiden
  hatten.  Das  war  für  viele  der  Grund,  Aasund
als  eine  Entstellung  von  Jasmund,  das  ihm
überdies  in  der  Endung  ähnelt,  anzusehen.  Man
glaubte,  daß  in  der  Saga  die  beiden  Plünderungs—
züge  d.  Is.  1165  ineinander  verwoben  seien.  Man
übersah  dabei,  daß  dann  im  Berichte  der  Saga  der
Friedensschluß  bei  Strela  und  nicht  bei  Hiddensoe
stattfinden  müßte  —  die  Gleichheit  in  der  stereotypen
  Form:  Geiseln,  Schatzung,  Hörigkeit,  ist
noch  kein  Beweis  für  eine  Verwechselung  —  und
daß  der  zweite  Zug  von  ihr  ebensogut  übergangen
oder  in  den  folgenden  summarischen  Bericht  von
den  acht  Kriegszügen  Waldemars  gegen  Rügen
eingeschlossen  sein  könnte.  Möglicherweise  sind  in
ihr  tatsächlich  die  kriegerischen  Ereignisse  aus  beiden.
Zügen  vermengt,  wobei  das  Hauptgewicht  auf  die

Aktionen  des  ersten  gelegt  wurde.  In  keinem
Falle  hat  man  damit  ein  Recht,

Aasund  und  Jasmund  für  gleichbedeutend
  zu  halten.  Denn-1.
  Aasund  ist  eine  Stadt,  Jasmumd
Halbinsel.
2.  Aasund  ist  keine  Verstümmelung,
sondern  eine  Ueber  setz  ung  eines
wendischen  Namens.

eine

Unser  Pommerland

195

Mit  der  unter  1.  genannten  Schwierigkeit  hat
sich  A.  Haas  (Rügensche  Skizzen,  S.  83  ff)  in  sehr
ansprechender  Weise  abgefunden,  indem  er  die  Stadt
Jasmund  als  den  alten  Burgwall  von  Kapelle
bei  Sagard  erklärt,  wo  eine  1250  erwähnte
ecclesia  de  Tasmund  gestanden  haben
  müsse.  Beweiskraft  kann  aber  diese  Begründung
  nur  beanspruchen  unter  der  Voraussegung,
daß  NYasmimd  wirklich  zu  Aasund  verstünmmelt
worden  ist.  Nun  ist  aber  Aaasund  ein  urgermanischer
  Name,  der  aus  den  beiden  uns  wohlbekannten
Bestandteilen  Aa  (ahd.  aha,  lat.  aqua,  eng  verwandt
  mit  au,  ahd.  ouwa  -Wasser,  Strom,  Insel,
Wiesenland)  und  Sund  (Meerenge)  zusammengesetzt
  ist.  Aa  lebt  in  vielen  Ortsnamen  fort,  besonders
  auch  in  den  um  jene  Zeit  eroberten  und  germanisierten
  russischen  Ostseeprovinzen  (vgl.  Windau
  =  Wendische  Aa,  Bolderaa,  Aafjord  in  Norwegen),
  Sund  ist  der  zweite  Teil  des  Namens  vieler
  nordischer  Städte,  die  an  einer  Meerenge  liegen
(3z.  B.  Egerdsund  gegenüber  der  Insel  Egerö).  So
wird  man  auch  bei  Aasund  an  die  Lage  unmittelbar
  an  einem  Sunde  zu  denken  haben,  und  man
wird  dabei  unwillkürlich  einen  Vergleich  zwischen
Aasund  und  Stralsund  ziehen.  Wenn  man  weiß,
daß  die  Saga  statt  Kammin  Stenborg,  statt  Stettin
  Burstaborg  bietet,  dann  kann  man  nicht  umhin,
  zu  vermuten,  daß  Aa  ebenso  eine  Uebertragung
  von  Stral  (Strela)  sein  soll  wie  Sten  für
kamien,  Burste  für  Scc#zec.  Ist  diese  llebersetzung
  richtig,  dann  ist  es  mehr  als  wahrscheinlich,
  daß  Aasund  mit  Strelasund  identisch  ist,  das
zwar  bei  der  Unterwerfung  Rügens  (nach  der  Saga,
1169)  nach  allgemeiner  Annahme  noch  sicht  bestanden
  hat,  aber  1209  von  dem  rügischen  Fürsten  Jaromar
  als  „neue“  Stadt  an  der  Stelle  einer  alten
  erbaut  worden  ist.  Ungezwungen  ließe  sich  in
der  Sage  ein  „heutig"  (nach  dem  „heutigen“  Aasund)
ergänzen,  falls  die  frühere  Benennumg  eine  andere
als  die  spätere  gewesen  sein  sollte.

Die  Bedeufung  des  Damens  Sfralfund.

Man  ist  bei  der  Deutung  von  Strela  fälschlich
von  der  Insel,  dem  gegenwärtigen  Dänholm,  ausgegangen,
  an  der  man,  mit  starker  Inanspruchnahme
  der  Phantasie,  die  Gestalt  eines  Pfeiles,
poln.  Strzala,  zu  erblicken  glaubte;  von  ihr  sollte
der  Sund  und  die  Stadt  den  Namen  empfangen
haben.  Demgegenüber  habe  ich  schon  vor  3  Jahren
  gezeigt,  daß  die  Entwicklung  umgekehrt  und  der
die  Insel  Rügen  und  das  Festland  scheidende
Wasserarm  als  Strzala  gedacht  und  bezeichnet
wordem  ist.  Der  Beweis  ergibt  sich  daraus,  daß
auch  das  Wort  promien,  Strahl,  im  weiteren
Sinne  den  Arm  eines  Flusses  bezeichnet,  Strel#-in
  Böhmen  ein  Zufluß  der  Beraun
ist,  die  Stralau  und  Strehlen  (vgl.  auch  Strielna
bei  Petersburg),  soweit  dies  heute  noch  feststellbar
ist,  an  Flüssen  oder  strahlenförmigen  Ausbuchtungen