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von  Flußläufen  liegen,  und  belt,  Bolzen
Pfeil,  gleichfalls  in  übertragener
Bedeutung  für  Sund,  den  Belt  der  westlichen
  Ostsee,  gebraucht  wird.  Hier  liegt  offenbar
überall  dieselbe  Vorstellung  zu  Grunde;  sie  mag
den  Germanen  nicht  fremd  gewesen  sein,  denn
wahrscheinlich  haben  sie,  nicht  die  Slawen  das
Wort  Belt  geprägt,  das  darnach  nicht  auf  ein  ndd.
belt  =  balteus,  Güurtel,  sondern  auf  bolt,  Bolzen,
  zurückgeht.  Darum  auch  die  3  Strahlen  oder
richtiger  Pfeilspitzen,  Bolzen,  im  Wappen  vonm
Stralsund,  worüber  ich  damals  (Germania,  42.
Jahrg.,  Nr.  225)  schrieb:

„  man  kann  darin  sehr  wohl  einen  Hinweis
  auf  die  drei  strahlenförmigen  Wasserarme  erblicken,
  welche  die  alte  Hansastadt  gleich  einem  gewaltigen
  natürlichen  Festungsgraben  fest  und  sicher
umschlingen:  der  Strelasund,  der  Frankenteich  und
der  Knieperteich.  Diese  vortreffliche  Lage  gab  der
trotzigen  Feste  bis  tief  in  die  Neuzeit  hinein  ihre
unbezwingliche  Stärke  und  ihr  eigenartiges  Gepräge.
  Zum  Wappenbild  erhoben,  waren  die  drei
schützenden  Gewässer  ein  stolzes  Symbol  ihrer  oft
erprobten  Uneinnehmbarkeit.“

Mag  man  nun  die  Insel  einfach  nach  dem
Wasser  oder  in  Verbindung  mit  dem  Suffix  =  o  w
zunächst  Stralow  benannt  haben  oder  tritt  in  dem
Auslaut  von  Strela  schon  deutscher  Einfluß  hervor,
es  kann  uns  hier  gleichgültig  sein:  sicher  ist,  daß
das  Nomen  proprium  zuvor  ein  Appellativum  mit
dem  Nebensinn  des  deutschen  Aa  —  Strom.  Wasser
war.  Vielleicht  stand  der  „Neuen  Au½,  dem
Fahrwasser  zwischen  Pramort  auf  Zingst  und  der
pommerschen  Küste,  ehedem  der  Strelasund  als
„Alte  Au“  (-Aa)  gegenüber.

Man  wird  nach  diesen  Ausführungen  nicht  bestreiten
  können,  daß  es  wahrscheinlich  ist,  mit  Aasund
  sei  die  alte  Burg  von  Stralsund  gemeint,  die
bei  dem  drei  Jahre  später  von  Strela  aus  untermommenen
  festländischen  Zuge  der  Verwüstung  anbeimgefallen
  sein  mag.  Denn  „da  ritt  der  König
hinauf  nach  Tribuzis  (Triebsees)  und  Atripiden
  (Treptow),  und  verbrannte  das  Land
weit  und  breit.“  Damals  mag  auch  dem,  wie  oben
gesagt,  drei  Jahre  früher  geretteten  Tjarnaglofi
das  letzte  Stündlein  geschlagen  haben.  Dagegen  ist
von  einem  Zug  der  Dänen  gegen  Jasmund  oder

Rügen  im  allgemeinen  um  diese  Zeit  nichts  bekanmt.
  Und  es  wäre  doch  sehr  merkwürdig,  wenn

Saxo  dieses  so  bezeichnenden  Verhaltens  der  Insulaner,
  welches  ihre  Ennsthaftigkeit  bei  der  Bekehrung
  starken  Zweifeln  aussetzen  mußte,  nicht  gedacht
  hätte.  Da  ist  es  gewiß  das  vernünftigste,
weil  einfachste,  die  Beschützer  des  Götzen  überhaupt
nicht  auf  Rügen,  sondern  auf  dem  benachbarten
Festlande  zu  suchen.

Die  Gleichsetzung  von  Aasund  und  Stralsund  ist
also  die  beste  Lösung,  um  allen  Schwierigkeiten  ein
Ende  zu  bereiten.  Komst  schrieb  1832:

Inser  Dommerland.

„Fast  sollte  mon  an  eine  Stadt  denken,
  welche  in  der  Gegend  des  jetzigen
  Stralsund  gelegen.“  Leider  hat  er
selbst  die  Spur  nicht  weiter  verfolgt.

Der  Tjarnagloß.

Als  Kriegsgott  der  alten  Rügianen  galt  zweifellos
  der  mit  7  Gesichterm  und  8  Schwertern  dargestellte
  Rugiewit  (Rinwit).  Ob  der  Name  mit
dem  des  Volkes  zusammenhängt,  ist  schwer  zu  erweisen.
  Da  er  dem  Wolgaster  Herowit  in  seiner
  Haupteigenschaft  gleich  ist,  und  letzterer  ebensowie
  der  Havelberger  gleichnamige  Götze  mit  Jarowit
  (jary  hell,  jar  —  Frühling)  umschrieben
  wird  (Brückner,  Mythol.  Stud.,  Archiv
f.  slaw.  Phil.,  B.  XVI,  S.  166),  ließe  sich  vielleicht
  das  aus  dem  Namen  Jüterbog  (Jutryboh)
  sich  ergebende  jutry  und  das  fast  identi-——


—.

sche  rany,  ranki  zur  Erklärung  verwenden.
Der  Orakel=  und  Erntegott  Swantewit  trug  das
Schwert  wohl  nur  als  oberster  aller  Götter  und

als  Verkörperung  aller  Mannestugenden.  Der  Porewit
  könnte  auf  die  Zeit  der  Reife,  poln.  pora,
hinweisen  im  Gegensatz  zu  dem  Rirnvit  als  dem
Gotle  der  über  die  Nacht  siegreichen  Morgensonne.
Porenut  aber  ist  durch  die  Aenderung  in  Turupid
deutlich  als  der  „Thor“  der  Slawen,  der  Donnergolt
  Perun,  gekennzeichnet,  den  man  ohne  diese
Annahme  auf  Rügen  vermissen  würde.

Dazu  kommt  nach  der  Saga  ein  neuer  Kriegsgott
  in  der  Person  des  Tjarnaglofi.  Fock  bezweifelt
  die  Richtigkeit  dieser  Angabe,  weil  die  Stelle
des  Kriegsgottes  auf  Rügen  von  Rugiewit  eingenommen
  wird.  Ein  weiterer  Wink  für  uns,  die
Lage  von  Aasund  so  zu  bestimmen,  wie  es  oben,
versucht  worden  ist!

Selbstverständlich  wollen  alle  diese  Erklärungen
keinen  anderen  als  einen  hypothetischen  Charakter
beanspruchen.  Viel  sicherer  dürfen  wir  jedoch  auftreten
  bei  der  Zergliederung  und  Besprechung  des
Tjarnaglofi,  welchem  wir  uns  aus  taktischen  Gründen
  nunmehr  zuerst  zuwenden  wollen.

Es  ist  unglaublich,  aber  wahr,  daß  dieser  Name,
den  jedes  polnische  Kind  sofort  als  czarnoglowpx,
  schwarzköpfig,  verstehen  würde,  und  der
so  durchsichtig  ist  wie  selten  einer  in  der  Saga,
durch  mehr  als  80  Jahre  mißverstanden  und  als
„dreiköpfig",  dem  Triglaw  gleich,  gedeutet  worden
ist.  Eine  Erscheinung,  welche  in  der  wissenschaftlichen
  Welt  der  Neuzeit  fast  einzig  dastehen  dürfte,
und  die  nur  erklärlich  wird  unter  dem  Gesichtswinkel,
  daß  die  wenigen  Slawisten,  welche  sich,
wie  Jagic  und  Brückner,  auch  der  Mythenforschung
gelegentlich  widmeten,  diese  nordische  Geschichtsquelle
  bei  ihren  Studien  nicht  berücksichtigt  haben.
Kombst  eröffnete  den  Reigen  und  Fock  und  alle
späteren,  des  Slawischen  unkundigen  Geschichtsschreiber
  sekundierten  ihm:  aus  dem  Tjarnaglofi  ist
der  pommersche  Triglaw  geworden.