Knuppen  Knuppen,  wie  min  Been  dick!

Klein  Hult  to,  klein  Hult  tol!“
Nun  beginnt  eine  böse  Zeit  für  alle  Vögel,  die  die
traute  Heimstätte  nicht  verlassen  haben.  Manche
Krahe,  die  im  Sommer  übermütig

„Schwinsch  schmeckt  sarp!“
rief,  kommt  jetzt  zu  der  Einsicht

„Schwinsch  schmeckt  säut!“  40)
und  klagt  einer  Freundin  ihre  Not:

„Krah  Krah!  Krah  Krahl

Aewer  Winter  kost't  de  Pierkätel  fif  Mark!“
Vielleicht  sindet  sie  in  ihr  eine  mitleidige  Seele,
die  da  tröstet:

ck  weet  Aas!
Gierig  fragt  sie:

„Wua  da?  Wua  das?“
Die  andere  antwortet:

„Hinnam  Barg!  Hinnam  Barg!“
Aber  als  sie  hinkommen,  haben  sie  das  Nachsehen
und  klagen:

„Sind  luter  Knuaken,  sind  luter  Knuaken!“
und  alles  gegenseitige  Ermuntern:

„Knack  afl  Knack  af!“
fruchtet  nichts.  41)
So  zwingt  sie  denn  der  Hunger,  zu  den  Gehöften
ihre  Zuflucht  zu  nehmen  und  zu  sehen,  ob  dort
nicht  etwas  für  sie  abfällt.  Mit  einem  lauten

'ck  weet  Aasl!"

40)  Aehnlich  vorher  die  Goldammer.

41)  Dieses  Krähengespräch  erfreut  sich  ungemeiner
  Beliebtheit.  Von  den  zahlreichen  Fassungen
seien  hier  folgende  angeführt:  Erste  Krähe:  „Jc
weet  Aus!  Ick  weet  Aus!“  Zweite:  „Wo  isttt?
Wo  ist't?"“  Dritte:  „Hinnem  Baz-zarch!  Himnem
Ba-arch!“  Vierte:  „Is  uck  wat  a?  Is  uck  wat  a?“
Fünfte:  „Luter  Knauke!  Luter  Knauke!“  —  Erste:
ck  weit  Talg,  Talg,  Talg!“  Zweite:  „Wo  da,
wo  da,  wo  da?“  Erste:  „Am  Barg,  Barg,  Barg!“
Zweite:  „'t  sün  Knake,  Knake,  Knake!“  Erste:  „Pul
af,  pul  af,  pul  af!“  —  Drei  Krähen  schauen  nach
Raub  aus.  Da  sieht  die  eine  ein  fettes  Pferd  auf

der  Weide  schlafen  und  schreit:  „Ick  weit  Aus!  Jck
weit  Aus!“  Die  zweite  fragt:  „Wo  wettst  du  dat?
Wo  wettst  Du  dat?“  Sie  antwortet:  „Hinnerm
Baarch!  Hinmerm  Baarch!“  Sie  fliegen  alle  drei
hin,  und  die  erste  ruft  den  andern  zu:  „Hack  ei
d'’Ogen  ut!  Hack  em  d'Ogen  ut.“  Spricht  die

zweite:  „Unnre  Staart!  Unnre  Staart!“  Wie  sie
jedoch  zu  picken  anfangen,  erwacht  das  Pferd  und

springt  auf.  Da  fliegen  die  Krähen  auf,  und  die
dritte  schreit  aus  hoher  Luft:  „Dat  dacht  ick  mi
woll!  Dat  dacht  ick  mi  woll!“  —  Ein  Schäfer  namens

  Ahrendt  schlachtet  heimlich  ein  Schaf  hinter
dem  Berge,  um  das  Fell  zu  verkaufen  und  sich  an
dem  Fleische  gütlich  zu  tun.  Da  kommen  drei  Krähen
  und  schreien,  die  erste:  „Aandt!  Aandt!  Aandt!“
Die  zweite:  „Schlacht't  Schapl  Schlacht't  Schap!
Schlacht't  Schapl“  Die  dritte:  „Hinnem  Baarch!
Hinnem  Baarch!  Hinnem  Baarch!“  Das  hört  der
Herr  und  fabht  den  Dieb  ab.

Anser  Dommerland

„Kauk,  kauk,  kaut,  kauk  (  koche)!“
meldet  sie  sich  an.  Mitleidig  wirft  ihr  die  Bauernfrau
  einen  Knochen  heraus.  Gierig  stürzt  sie  sich
auf  ihn.
„Hest  recht,  hest  recht!  —  O  weih,  o  weih!
Pul  af,  pul  af!“  42)
Auch  manchen  alten  Bekannten  vom  Felde  und  von  der
Landstraße  findet  die  Krähe  auf  dem  Hofe  wieder.
Ueberall  läßt  der  neidische  Spatz  43)  sein  Geschrei
ertönen:  «
„Dreng  deng  deng  dengdrrrr,
Schilling  Schilling  Schilling,
Dieb,  Dieb,  Dieb!"“
oder  er  schimpft  durcheinander:
„Gib!  Gib  gib  gib's!
Philipp!  Wif!  Wifl
Schelm!  Schelm!  Mi,  mil
Will  ick!  Will  ick!“
Die  Haubenlerche  ruft
her:
„Dick  Trin!  Dick  Trin!“  44)
und  die  Meise  bettelt:
„Schinken  Speck!

hinter  der  dicken  Stallmagd

Schinken  Speck!“

42)  Für  gastliche  Aufnahme  sucht  sie  sich  dann,
in  ihrer  Art  durch  kluge  Ratschläge  nützlich  zu  machen.
  Die  Zanower  wollten  einst  Langholz  einfahren.
  In  bekannter  Schlauheit  versuchten  sie,  den
Stamm  quer  durch  das  Tor  zu  bringen.  Als  sie
endlich  das  Vergebliche  ihrer  Bemühungen  einsahen
und  doch  niemand  Rat  wußte,  setzte  sich  eine  Krähe
auf  den  Zaun  und  rief  ihnen  zu  „Langs,  langs,
langs!“  Nach  andern  rief  sie:  „Langholz,  Langhols!“
  Aus  gleicher  BVerlegenheit  half  die  Krähe
den  Teterowern,  indem  sie  ihnen  den  Nat  gab:
„Scharp  Enn  vör!  Scharp  Enn  vör!“  Einige  behaupten
  allerdings,  in  Teterow  sei  es  keine  Krähe,
sondern  ein  Gänserich  gewesen.  Von  dessen  Klugheit
  erhielten  auch  die  Darsikower  einen  Beweis.
Als  sie  einmal  eine  sehr  große  Wurst  kochen  wollten,
  waren  sie  in  großer  Verlegenheit,  da  selbst  der

größte  Kessel  nicht  ausreichte,  sie  in  ihrer  ganzen
Länge  aufzunehmen.  Da  schrie  der  Gänserich:

„Zwiefach,  zwiefach!“  Und  wie  Schuppen  fiel  es
ihnen  von  den  Augen.  Sie  legten  die  Wurst  krumm
und  brachten  sie  so  bequem  in  dem  Kessel  unter.
43)  Der  Feldsperling  hält  jetzt  dem  Bauern  vor:
„Buer  Buer,  kunn  (sich  konnte)  din  ganzes  Garstenfild
  verwüste;  gäm  mi  doch  en  paar  Körn'!“
Im  Sommer  dagegen  ruft  er:  „Ach,  Buer  Buer,
din  Garst  de  schmeckt  na  Lämmersch  .!“
Dicktrin  ist  auch  ein  Name  der  Grauammer,
die  ebenfalls  „Dick  Trien,  dick  Trien“  oder  „Dick
Trien  Lies'“  ruft.  In  Greifenhagen  heißt  sie  auch

Aschermakus  und  ruft  im  Winter:  „Backst  bald
Brot,  backst  bald  Brot?  Mäke,  Mäke,  giww  eent
herl  Mutt  im  Winter  hungern!"  Im  Sommer
aber  höhnt  sie:  „Backst  bald  Brot?  Backst  bald

Brot?  Mätke,  Mäke,  wat  sch  .  ick  in  din  Brot!“