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Gegen  Abend  aber  zaust  sie  an  dem  Werg,  womit
die  Ritzen  der  Fenster  verstopft  sind,  und  pickt  an
die  Scheiben:

„Spinn  dicke,  spinn  dicke,

Alle  Dage  drei  Stückel

Spinn  fin!“
Hin  und  wieder  erscheinen  auf  dem  Gehöft  auch
Gäste  zu  kurzem  Besuch.  Eine  Schar  Zeisige  und
Hänflinge  fällt  in  den  Hof  ein  und  schreit:

„Zägenfleisch  is  täh!"  45)
An  den  langen  Winterabenden  aber  huscht  noch  etwas
  gespenstisch  über  den  Hof  und  glotzt  unheimlich
  in  die  erleuchteten  Fensterscheiben:

„Kumm  mit,  kumm  mit,  uhul

Kumm  mit,  kumm  mit,  mi  grugt!

Kumm  mit,  kumm  mit,  uhu!“"  46)
Die  Insassen  des  Zimmers  rücken  dann  dichter  zusammen
  und  atmen  erst  erleichtert  auf,  wenn  der
Totenvogel,  der  Kauz,  wieder  im  Dunkel  der  Nacht
verschwunden  ist.  —  —

Die  Zwölften  sind  vorüber,
länger.  Schon  mahnt  die  Meise:

„Tid  is  dor!

Spitz  de  Schor  (-Pflugschar)

Sissist!  Sü  sü  sül!

Sissida,  sissida,  ziziwül“"
und  der  Bauer  beginnt  Wagen  und  Pflug  in
stand  zu  setzen.  So  kommt  „Fastelabend“  heran,
wo  das  Volk  nach  alter  Sitte  etwas  draufgehen
läßt  und  im  frohen  Gefühl  des  nahenden  Frühlings
  wie  ein  mutwilliges  Pferd  einmal  über  die
Stränge  schlägt.  Auch  Hahn  und  Ente  wollen  heute
gut  leben  und  benutzen  die  Gelegenheit,  wo  die
Scheunentür  offen  steht,  sich  über  das  Korn  auf  der
Tenne  herzumachen.  Dabei  kräht  der  Hahn:

„Dat  dat  noch  'n  Jahr  so  durt!“
und  die  Enten  schnattern  geschäftig,  mit  dem  Kopfe
wackelnd:

„Dat  ät  ick,  dat  ät  dul

Dat  ett  ick,  dat  ett  dul“
Im  Stalle  beginnen  die  Schafe  von  den  Freuden
des  Sommers  zu  schwärmen,  und  eins  wünscht
sehnsüchtig:

„Wenn  erst  Gras  wärl!“
Aber  die  Zeit  liegt  noch  so  weit,  daß  ein  anderes
verzweifelt  ausruft:

„Wer  wird's  erleben?“
Und  entsagungsvoll  hüsteln  die  dritten,  die  Lungenpfeifer:


45)  Der  Hänufling  pfeift  auch  gleich  der  Meise:
„Spinn  dicke,  spinn  dicke!  Alle  Dage  drei  Stücke!
Spinn  fin  fin  fin  fin  fin!“

46)  Die  Eule  schreit  auch:  „Mudder,  mi  gruugt!“
Sie  kündigt  den  Menschen  den  Tod  an
Ruf:  „'t  is  Tid!  t  is  Tid!“  und  klagt,  wenn  ein
Kind  im  Hause  gestorben  ist:  „Kinn  dod,  dod,
dod!"“

die  Tage  werden

——  Anser  Pommerland

mit  dem

„Ich  nich,  ich  nich!“  47)  —  —

Auch  das  Hühnervolk  scheint  den  kommenden,
Frühling  zu  ahnen  und  ist  des  Morgens  im  Stall
unruhiger  denn  je.  Das  Perlhuhn  hat  schon  lange
seinen  Unwillen  kundgegeben:

„Klock  's  acht,  Klock  's  acht!“  48)

Und  kaum  sind  sie  dem  engen  Gefängnis  entflohen,
so  erhebt  eine  Henne  ihre  Stimme:

„Hebb  hebb  hebb  legt,  hebb  legt!“
oder  sie  gackert:

„Kale  kake  kake  Klüt!  Kake  kake  kake  Klüt!“  40)
Die  ganze  Schar  der  Freundinnen  umdrängt  sie:

„Wat  wat  wat  wat  wat  wat  bedüd't  dat?“
und  spornstreichs  kommt  der  Hahn  herbeigelaufen:

„Wat  's  hier  los,  wat  's  hier  los?“

Und  als  er  das  freudige  Familienereignis  erfährt,
verbeugt  er  sich  galant  einmal  über  das  andere  und
macht  seinen  Kratzfuß  trotz  dem  geschicktesten  Tanzmeister
  und  ruft  aus  Leibeskräften  statt  jeder  besonderen
  Anzeige:

„Kiek  hierher!  Kiek  hierher!"

Bei  dem  Kratzen  hat  er  einen  fetten  Regenwurm
ausgescharrt,  den  er  glucksend  der  Henne  als  Angebinde
  präsentiert:

„Komm,  Henn,  hier  is  wat  Roares!“"“

Die  stolze  Mutter  aber  lädt  zur  Besichtigung  ein:

„Kamt,  kamt,  kikt!“

Von  dem  Lärm  herbeigelockt  kommen
valterinnen  vom  Hofe  angewatschelt.
immer  furs  Essen  ist,  mahnt:

„Back  back  back  back!“

Der  Hahn  bedauert:

„Hest  ja  keen  Mehll“

Aber  die  Gans  mit  ihren  bescheidenen  Ansprüchen
weiz  Rat:

„Nimm  doch  Klii!“

all  die  Ge-Die
  Ente,  die

47)  Een  Lamm,  een  Mutterschap,  een  Hamel
un  een  Buck  stunnen  tidig  im  Frühjahr  in'n  Stall
un  vertellden  sick  wat.  Dat  Lamm  fraug:  „Gifft  dat
nich  ball  Grö-ö-önes?"'“  Darup  säd  de  Mutter:
„Ward  ball  wa-a-are!“  De  Hamel  betwiwelt  dat  un
meint:  „Aewer  nich  so  ba-a-alll“  Darup  säd  de
Buck:  „Dat  löw  ck  uck!l  Dat  löw  'c  uck!“
Das  Lamm  sagt:  „Ach,  wenn's  doch  Mai  wär!
Ach,  wenn's  doch  Mai  wär!“  Das  Schaf:  „Wirst's
erleben,  wirst's  erleben!“  Die  Großmutter  hüstelnd:

„Ich,  ich  nicht!“  —  —  Das  Lämmchen:  „Wie  lang
ist's  bis  zum  Mai?“  Der  Bock:  „Wirst's  erleben!“
Das  Lämmchen:  „Nimmermehr!“  —  Die  Schafe

fragen  auch:  „Ward  uck  Gras  wassen,  ward  uck
Gras  wassen?“

48)  Oder  „Mak  rasch,  mak  rasch!“

49)  „Nu  heww  ick  leggt  in'n,  Häuhnestall;  woll
twintig  Eier  lä  ick  all!  —  Kakel  kakel  d’'Ei!  —
Kakel  d'Eil  Kakel  d’'Ei!  —  Perr't  nich  intweil
Kalel,  kakeldüt!  Kakeldüt!"