Der  Hahn  aber  macht  all  dem  Gerede  ein  Ende  mit
der  Erklärung:

„Ick  bin  de  Herrr!“  50)

Inzwischen  hat  die  Meise  die  Bäuerin  schon  herbeigerufen:


„Kik  in't  Ei,  kik  in't  Ei,  kik  in't  Eil!“

Als  diese  aber  über  das  kleine  Ei  murrt,  tollert
der  Hahn:

„Wat  sall  man  dortau  dauhn?

Küten  is  kein  Hauhn;

Dor  kann  man  nicks  to  seggen.

Grot  Eier  kann't  nich  leggen."

Und  als  die  Henne  sich  mit  Recht  durch  diesen  Undank
  gekränkt  fühlt  und  klagt:

„Mutt  Eike  legge,

Mutt  barftke  goahne!"
rät  er  ihr:

„Verkop  de  Eier  o  kop  di  Schauh!“

—  —  —  Wieder  ist's  April  geworden.  Wie  mit
Kannen  gießt's  vom  Himmel  herab.  Der  Hahn
läuft  mit  hängenden  Schwanzfedern  über  den  Kof
und  ruft:

„O  grote  Nod!“
während  die  Enten  sich  in  dem  Wetter  recht  wohl
fühlen:

„Dat  is  got,  dat  is  got!"

Selbst  die  Gans  scheut  sich,  aus  dem  Stall  herauszugehen
  und  fragt:

„Bür't  Dur  is't  wol  sihr  natt  natt  natt?“

Die  Enten  schnattern  zur  Antwort:

„Ja,  Gnaden  Gaus,  schön  natt,  schön  natt.
Un  bören  s'  to  Högd  ehren  leiwen  Rock!“
Da  tritt  die  Bauernfrau  mit  einer  Schüssel  aus  der
Küche,  und  das  ganze  Volk  setzt  sich  in  Bewegung:

„Pack  pack  packl  —  Back  back  backl  —  Wat  wat

wat?“
Andere  schreien  dazwischen:
„Aaten  (-Erbsen),  Aaten,  Aaten!  51)  —  Gasten
(Gerste),  Gasten!“
Aber  die  kiesätschen  wenden  sich  bald  ab:

„Prachewark!  Prachewark!“

Als  sie  sich  satt  gefressen  haben,  watscheln  sie  eine

hinter  der  andern  zum  nahen  Bache  und  putzen  sich

und  schnattern  alle  durcheinander,  bis  zuletzt  eine

50)  Des  Morgens  ruft  der  Hahn:  „Dor  kümmt
de  schwarte  Düwel  all  wedder  mit  de  Koar
(*Karre)!“  Er  kräht  auch:  „Zucke  is  dür!“  oder
„Küken  sin  düer!“  —  Die  Henne  kakelt:  „Herrn
Deckberr  het  vier  Eck,  vier  Eck  het  Herrn  Deckberr!“
—  Täuberich,  Katze,  Ente,  Henne  und  Ziege  unterhalten
  sich.  Der  Täuberich  sagt:  „Wo's  min

Frrue  Wo's  min  Frru?  Kak  Koffee,  kak  Koffee,
kak  Koffee!“  Die  Katze:  „Mi  au,  mi  au!“  Die

Ente:  „Dat  dacht'  ick  wol,  dat  dacht'  ick  wol!  Gun
Dag,  gun  Dag,  gun  Dag!“  Die  Henne:  „Kakel
kakel  Klit!“  Die  Ziege:  „Wat  noch  mee-2

51)  In  Polen  rufen  die  Tauben,  wenn  die
Bauernfrau  über  den  Hof  geht:  „Grochu,  Grochul“
d.  h.  Erbsen,  Erbsen!

Unser  Dommerland

205

das  Wort  behält.  Plötzlich  erheben  sich  alle  flügelschlagend
  mit  halbem  Leibe  aus  dem  Wasser  und
jubeln  der  Erzählerin  zu:
„Brav  brap  brav  brav  brav  brav  brav!"
Was  sie  wohl  erzählt  hat?  —  Familiengeheimnisse.
Inzwischen  hat  sich  das  Wetter  aufgeklärt,  und
die  Sonne  blickt  zum  ersten  Male  wieder  so  recht

frühlingswarm  hernieder.  Uebermütig  pfeift  die
Meise:
„Sch  .  .  in'n  Pelz,  sch  in'n  Pelz!“  52)

Plötzlich  schwirrt's  in  der  Luft;  ein  Zug  Rotschwänzchen
  läßt  sich  neben  dem  Bauernhause  nieder
  und  jubelt,  froh  der  überstandenen  Reise:

„Hier  kik  ick,  hier  kik  ick!“

Der  Bauer  holt  Wagen  und  Pflug  aus  dem  Schuppen
  und  fährt  ins  Feld.  Hinter  ihm  her  kehren
seine  Kinder,  ein  strammer  Junge  und  ein  pausbackiges
  Mädchen,  eine  Schar  goldgelber  Güssel  und
einige  Gänse  nach  dem  somigen  Bachufer,  wo  die
ersten  Kräuter  saftig  hervorsprießen.  Da  steht  auch
ein  Kahn;  schnell  ist  er  ins  Wasser  geschoben  und
besetzt,  die  Güssel  sind  vergessen,  und  nun  beginnt
unter  Lachen  umd  Kreischen  ein  Wippwappen,  daß
einem  angst  und  bange  werden  kann.  Der  Ziegenbock,
  der  auch  den  schönen  Frühlingstag  zu  einem
Spaziergang  benutzt,  schreit:

„Gott  erba-a-arm  sich!“

Der  Hahn,  der  auf  dem  Hofe  den  Spektakel  gehört
hat  und  auf  die  Mauer  geflogen  ist,  um  Umschau
zu  halten,  kräht:

„Dat  süht  trurig  ut!“

Aber  die  Ente  als  die  einzig  „seebefahrene“  freut
sich  des  tollen  Mutwillens  und  lacht:

„Lat  gahn,  geiht  gaut!  Lat  gahn,  geiht  gaut!

Lat  gahn,  geiht  gaut!“  53)
Auch  der  Gant  bekommt  nun  Lust,  schlägt  mit  den
Flügeln  und  wirft  sich  kreischend  ins  Wasser:
„Willen  to  Kri-ieg  gahn!  Willen  to  Kri-ieg
gahn!“
Die  Gans  schreit  erschrocken  auf:

„Herr  Gott  doch!  Herr  Goit  doch!“
Die  Güssel  laufen  hinter  ihr  her:

„Ick  will  mit,  ick  will  mit!“

Aber  die  Enten  lachen  sie  aus:

„Schät,  Schät  Schät  Schät  Schät!“"

Der  Hahn  hat  sich  inzwischen  beruhigt;  er  plustert
auf  der  Mauer  in  der  warmen  Sonne  sein  Gefieder,
  schüttelt  sich  und  kräht:

52)  Sie  warnt  aber  auch:  „To  früh,  to  früh!“"

53)  An  einem  heißen  Sommernachmittag  überredet
  die  Ente  den  Hahn  und  die  Ziege,  mit  ihr
eine  Wasserfahrt  zu  machen.  Plötzlich  zieht  ein  Gewitter
  auf,  und  der  Kahn  fängt  bedenklich  an  zu
schaukeln.  Da  erhebt  der  Hahn  ein  großes  Geschrei:
  „Wat  denn  nu?  Wat  denn  nu?“  und  die
Ziege  stimmt  ein:  „Daß  Gott  erba-a-arm!“  Aber
die  Ente  lacht  beide  aus:  „Wat  Schnick,  wat
Schnack!  Wat  Schnick,  wat  Schnack!“"