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Warum  hätten  sie  sonst  so  genau  die  Gegend
den  Lindenbach  in  Augenschein
war  klar,  daß  ihnen  von  ihrem  Auftraggeber  diese
Oertlichkeit,  die  wegen  der  fehlenden  Dünen  sogleich
  ins  Auge  fiel,  als  der  Endpunkt  ihrer  Reise
bezeichnet  worden  war.  Da  die  Ankömmlinge
autferdem  außer  ihren  kurzen  Dolchmessern  keine
Waffen  bei  sich  trugen,  war  Herr  Sambor  seiner
Sache  sicher,  erhob  sich  und  trat  ibnen  entgegen.
Sie  stutzten  nun  wohl  einen  Augenblick,  danm  aber
wechselten  sie  einige  Worte,  kamen  näher  und  beaeten
  Herrn  Sambor,  indem  sie  ihre  Lederkappen
  abnahmen  und,  wie  es  einem  vornehmen  Herrn
gegenüber  Sitte  war,  das  Knie  beugten.  Darauf
fragte  der  eine  der  Männer,  ob  er,  der  Aehnlichkeit
  trauend,  zu  Recht  annehme,  daß  der  Herr  der
Bruder  Herrn  Gniefomars,  Herr  Sambor,  sei.  Als
der  Burgherr  die  Frage  bejahte,  eröffnete  ihm  der
Mann,  daß  er  eine  wichtige  Botschaft  von  Herrn
Gniefomar  zu  überbringen  habe.  Und  nun  begann
der  Sprecher  seinen  Bericht,  in  dessen  Verlauf
Herrn  Sambors  Antlitz  bald  vor  jähem  Erschrecken

Um
genommen?  Es

erbleichte,  bald  von  dunkler  Zornesröte  gefärbt
wurde.  Zunächst  machte  der  Boote  die  Mitteilung,

das  Herr  Gniefomar  von  Wolf  Jaaiellowm  die
Nachricht  erhalten  habe,  daß  die  Grenznachbarn  der
Preußen.,  die  östlichen  und  südlichen.  Slawen,  an
ihren  Grenzen  gewaltige  Heeresmassen  zusammenzöden,
  augenscheinlich,  um  die  Preinen  zu  überfallen;:
  die  Pommern  möchten  daher  den  RNachezua
gegen  die  Polen  verschiehen  oder  im  Verein  mit
den  Lintizen  den  Erbfeind  bekriegen,  wozu  sie  nach
seiner  Ansicht  völlig  imstande  wären.

Noch  schlimmer  aber  war  die  zweite  Nachricht
Fürst  Ratibor,  der  sich  während  der  letzten  Jaze
in  dem  benachbarten  Kloster  Grabow  aufgehalten
habe,  um  dort  im  Kreise  der  HKlosterbrüder  für  sein
Seelenheil  zu  beten,  sei  plötzlich  in  der  Erregume
üßer  eine  von  seinen  Söhnen  ihm  durch  einen  Eilbaten
  übermittelte  Nachricht  gestorben.  Söhne  und
Bettern  hötten  soaleich  mit  dem  fürstlichen  Fanzler
eine  mehrstündiae  Beratung  gebaht,  worauf  na#ßh
allem  Seiten  hbin  in  die  fürstlichen  Nooteien  umd
alle  fihrigen  Städte  reitende  Boten  enssandt  seien
Qu  NRolfin  und  Kammin  fände  infolae  dieser  Botensendumgen
  bereits  ein  arbes  Rüsten  der  Bürder
  statt,  und  an  anderen  Orten  werde  es  wahrscheinlich
  ehenso  geschehen.  Herr  Gniefomar  sei  der
Ansicht.  dan  das  geplante  Vorbaben  auf  iraend
eime  Meise  den  Fürsten  perraton  sei  Die  Rüstunnen
  seten  alsa  gegen  die  Edelhberren  gerichteft,  da
han  Ksen  biaher  niemand  zur  Heoresfolae  aufae—
fardert  sai.  Darum  sei  ient  eiliges  Handeln  gehnten.
  Horr  Gniefnmar  warte  nur  die  Dumkelbe#it
ah.  um  mit  soinen  Onechten  üßber  den  Flun  zu  seben
ind  zu  Herrn  Samkar  #n  eilon  MWeisber  und  Ginder
  bringe  er  mit  sich  Die  Nacht  walle  er  diesseits
dor  Diewen#  bei  einem  bafreundeten  Edelherrn
A+hringen  und  bäte  Herrn  Samhar,  ihm  auf  halbem
  Wege  entgegenzukommen,  damit  sie  bereits  un-Unser

  Dommerland  —

terwegs  die  nötigen  Verabredungen  treffen  könnten.
  Sie  selber  sollten  zu  Herrn  Sambors  Verfügung
  in  der  Burg  verbleiben.  —

Der  Horster  Burgherr  war  ein  klarblickender  und
ruhig  berechnender  Mann,  der  nicht  so  leicht  die
Fassung  verlor.  Aber  diese  Nachrichten  waren  doch
von  so  niederschmetternder  Art  und  dabei  so  unvermutet
  gekommen,  daß  es  einige  Zeit  währte,  bis
Herr  Sambor  imstande  war,  in  ordnungsgemäßer
Gedankenfolge  die  Lage  der  Dinge  zu  betrachten.
Und  als  er  hierzu  fähig  war,  ward  es  ihm  alsbald
  klar,  daß  der  alte  Fuchs  Gagiello  ihn  dennoch
überlistet  habe.  Zuerst  hatte  er  den  Bruder  zu
ihrem  Vorhaben  ermuntert  und  ihm  eidlich  Hilfe
zugesagt  und  nun,  kurz  vor  dem  festgesetzten  Zeitpunkte,
  da  nichts  mehr  rückgängig  zu  machen  war,
ließ  er  sie  im  Stich,  offensichtlich  in  dem  Vorhaben,
  als  vergnügter  Dritter  dem  Kampfe  zuzuschauen
  und,  wenn  beide  Gegner  erschöpft  die  Wasfen
  hatten  senken  müssen,  sie  einzeln  zu  überfallen,
um  beide  auszurauben  und  sein  Gebiet  zu  erweitern.
  Er  kannte  ja  die  alte  Gepflogenheit  der  Preußen,
  und  es  war  ihm  desbalb  sogleich  verdächtig
erschienen,  daß  der  alte  Wolf  so  ganz  vom  östlichen
  Pommern  als  Beuteanteil  abgesehen  hat#e.
nach  dem  er  doch  schon  mehrmals  den  gierigen
Fang  aufgesperrt  hatte.  So  und  nicht  anders  rechnete
  der  alte  Röuber.  Denn  von  der  angeblichen
Bedrohung  durch  die  flavischen  Nachbarn  alaubte
er  natürlich  kein  Wort.  In  eine  Menge  einzelner
und  zumteil  einander  feindlich  gesiunter  Stämme
gespalten,  waren  jene  froh,  wenn  sie  selbst  von  dan
Preuben  in  Rube  gelassen  wurden.  Daß  die  böse
Sucht  den  Meineidigen  verderben  möchte!  Denn
sein  oberster  Gott,  Thor,  bei  dem  er  geschworen
hatte,  war  offenbar  von  demselben  Schlage  wie  das
übrige  G#ttergessndel,  Hirnasespinste  und  Schreckgesvenster
  für  blödsichtige  Toren.

Aber  die  Verräterei,  die  Tatsache  blieb  bestehen.
Man  mus'te  also  ohne  fremde  Hilfe  vorgehen.  Denn
gehandelt  musste  nunmehr  werden  und  zwar  soaleich,
  wenn  nicht  alles  verloren  geben  solkfte
Zwar  währte  es  noch  acht  Tage,  bis  die  Heereshaufen
  an  dem  aroßen  Dratigsee  zusammenkammem
solltem.  aber  dies  war  kein  Hindernis.  Spaleich,
am  nächsten  Tage,  nachdem  er  mit  seinem  Bruper
die  nötigen  Besprechungen  würde  ged#flogen  haben,
musten  Baten  nach  allen  Windrichtungen  ausaehen
umd  zum  sofortigen  Aufbruch  nach  der  Sammelstelle
auffordern.  Den  Herren  in  Kammin  würde  man
zuvorkommen.

Sie  sollten  sich  wundern!  Dann  aber  war  es
nötiq,  zuerst  gegen  diese  zu  marschieren,  um  sie  mit
ihrer  Handdalsl  Burgknechte  und  dem  bis  dahin  aewonnenen
  Anhange  an  Stödtern  ahzutumn.  Dabei
war  zu  hoffen,  daß  die  entfernteren  der  nach  Kammin
  enthotenen  Städte  so  klua  sein  würfsen,  an
die  inzwischen  sich  sammelnden  Heerscharen  Ansoluß
  zu  nehmen,  widrigenfalls  sie  zur  Heeresfolge
  gezwungen  wurden.  War  das  Heer  aber  erst