einmal  von  furchtgebietender  Stärke,  so  mußten  die
letzten  Widerspenstigen  wohl  oder  übel  folgen,  wenn
sie  nicht  härteste  Bestrafung  erfahren  wollten.

Nachdem  Herr  Sambor  in  dieser  Weise  über  die
nächsten  Maßnahmen  bei  sich  beschlossen  hatte,  entsandte
  er  sogleich  an  seine  eigene  Untertanenschaft
reitende  Boten  mit  dem  Befehl,  daß  in  der  Frühe
des  übernächsten  Tages  jeder  streitbare  Mann  sich
bewaffnet  vor  seiner  Burg  einfinden  solle.  Darauf
  ließ  er  alle  Wertgegenstände,  die  das  Haus  in
sich  barg,  in  den  Herrensaal  schaffen  und  in  zwei
große  Eichentruhen  verpacken.  Diese  vergrub  er
später  nach  Einbruch  der  Dunkelheit  mit  Hilfe  von
Gnirko  und  Pliezka  an  geheimem  Orte  im  Walde.
Dann  erst  gab  er  sich  einige  Stunden  lang  der
Ruhe  hin.

Dus  Verhängnis.

Während  des  Ritters  Wunde  heilte,  war  allabendlich
  ein  Wendenknabe  in  der  Burg  erschienen
und  hatte  mit  Slavina  geheime  Zwiesprache  gepflogen.
  Er  hatle  darauf  jedesmal  die  Nacht  in
der  Burg  zugebracht  und  diese  des  Morgens  wieder
  verlassen.  Der  etwa  fünfzehnjährige  Knabe
war  der  Enkel  der  Kräuterfrau.  Da  er  ein  anstelliger
  und  geweckter  Junge  war,  gebrauchtem  ihn
die  Knechte  der  Wendenburg  gern  zu  allerlei  Handreichungen
  und  anderen  Dienstleistungen.  Deshalb
hielt  er  sich  während  der  Tageszeit  in  der  Burg
auf,  sofern  er  nicht  seine  Pflegerin  auf  der  Kräutersuche
  begleiten  mußte.  Durch  diesen  Knaben  waren
die  Liebenden  über  alles,  was  sich  seit  ihrer  Flucht
in  der  Burg  und  am  Schilfsee  ereignet  hatte,  genau
  unterrichtet.  So  hatten  sie  unter  anderem
auch  erfahren,  daß  am  Tage  nach  dem  geheimmisvollen
  Verschwinden  der  beiden  Burgknechte  der
Tempeldiener  und  ein  Fischer  eines  plötzlichen  Todes
  gestorben  waren.  Nach  der  Darstellung  des
Knaben  waren  diese  beiden  spät  abends  bei  der
Waldfrau  erschienen  und  hatten  sie  um  ein  Heilmittel
  gegen  furchtbare,  innere  Schmerzen  gebeten,
die  sie  zu  erleiden  hatten.  Die  Alte  hatte  an  den
Krankheitserscheinungen  alsbald  erkannt,  daß  die
Männer  vergiftet  waren,  und  ihnen  gegenüber  diesen
  Verdacht  auch  ausgesprochen.  Da  hatten  denn
die  beiden  berichtet,  daß  sie  von  dem  Oberpriester
zu  einem  Trinkgelage  geladen  worden  seien.  In
ihrer  Trunkenheit  müsse  jener  ihnen  das  Gift  beigebracht
  haben,  denm  alsbald  nach  ihrem  Fortgange
  hätten  die  gräßlichen  Schmerzen  begonnen.
Die  Unglücklichen  ahnten,  daß  der  gewissenlose
Priester  sich  ihrer  als  Mitwisser  seines  Verbrechens
habe  entledigen  wollen,  und  hatten  nun  in  ihrer
grenzenlosen  Wut  der  Waldfrau  das  ganze  Geheimnis
  verraten.  —  Den  Unglücklichen  selbst  war
nicht  mehr  zu  helfen  gewesen.  Trotz  der  sogleich
angewandten  Gegenmittel  hatten  sie  sterben  müssen,
noch  ehe  sie  ihre  Behausungen  erreicht  hatten.  Mit

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gräßlich  verzerrtem  Gesichtszügen  waren  sie  am
nächsten  Morgen  in  der  Nähe  des  Dorfes  aufge—
funden  worden.

Durch  den  Bericht  des  Knaben  hatte  Slavina
ihren  wohlbegründeten  Verdacht  bestätigt  gefunden.
Hatte  sich  doch  der  Elende  sogar  gegen  die  beiden
Mämer  gerühmt,  den  Burgherrn  zu  der  Tat  gezwungen
  zu  haben,  da  dieser  im  Willen  gehabthabe,
  den  verhaßten  Deutschen  mit  dem  Leben  davonkommen
  zu  lassen.  Das  liebende  Weib  aber
faßte  nunmehr  den  festen  Entschluß,  an  dem  Verbrecher
  die  gerechte  Strafe  zu  vollziehen.

Auch  von  den  häufigen  Ausritten  des  Burgherrn
  und  der  Beobachtung  des  Strandes  durch  die
beiden  Diener  Gnirko  und  Pliezka  hatte  der  Knabe
berichtet.  Während  die  Liebenden  die  Ursache  der
Streifereien  am  Strande  richtig  gedeutet  hatten,
waren  sie  jedoch  betreffs  des  Burgherrn  in  einem
großen  Irrtum  befangen,  da  sie  vermeinten,  jene
Ritte  würden  allein  Slavinas  wegen  unternommen.
  Wenn  sie  aber  aus  diesen  vermeintlichen
Nachforschungen  wiederum  den  Schluß  zogen,  daß
Herr  Sambor  von  dem  wirklichen  Aufenthaltsorte
der  Tochter  nicht  das  geringste  ahne,  so  hatten  sie
allerdings  hinsichtlich  der  Tatsache  selber  recht.
War  doch  der  Gedanke,  daß  Sloavina  sich  in  der
festen  Burg  des  Ritters  berge,  Herrn  Sambor
selbst  in  jenen  Augenblicken  nicht  gekommen,  in  denen
  er  der  Annahme  nicht  fernstand,  daß  der  Ritter
  sich  gerettet  haben  möchte.

Herrn  Kunrads  Wunde  war  inzwischen  völlig
verheilt  und  die  Liebenden  hatten  beschlossen,  an
einem  der  nächsten  Tage  sich  nach  Wollin  zu  begeben
  Dort  sollte  Slavina  in  der  Obhut  des
Herrn  Bischofs  verbleiben,  bis  auf  eine  oder  die
andere  Weise  der  Widerstand  des  Baters  besiegt
sein  würde.  —

So  war  der  Tag,  an  dem  Herr  Sambor  die
Botschaft  seines  Bruders  empfing,  herangekommen
und  näherte  sich  seinem  Ende.  Slavina  stand  am
hohen  Fenster  des  Burgsaales  umd  schaute  erwartungsvoll
  auf  den  Weg  hinaus,  der  fast  schmurgerade
  zwischen  Wald  und  Feld  in  west-östlicher  Richtung
  einherlief.  Soweit  dieser  Weg  Herrn  Kunrads
  Landbesitz  begrenzte,  war  er  durch  Lehmauffuhr
  während  des  Winters  gefestiat  worden,  doch
war  auch  die  Schlessiner  und  Horster  Strecke  nicht
zu  schlecht,  wenn  hier  auch  einige  Stellen  wegen
ihrer  niedrigen  Lage  bei  feuchter  Witterung  schwer
gangbar  und  noch  schwerer  fahrbar  waren.

Neben  Slavina  saß  die  alte  Schaffnerin,  Frau
Mechtilde,  vor  dem  Spinnrocken  und  ließ  die  Spindel
  schnurren.

„Ihr  schaut  heute  ja  schon  so  früh  nach  dem
Boten  aus,  Herrin,“  wandte  sich  soeben  die  Alte
an  ihre  Schutzbefohlene,  indem  sie  ihre  Arbeit  ruhen
  ließ.  „Ich  meine,  er  pflegt  doch  für  gewöhnlich
  später  zu  kommen.“