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„Allerdings,  Mütterchen,“  erwiderte  Slavina,
„aber  ich  verspüre  heute  eine  besondere  Unruhe,  als
ob  mir  eine  böse  Nachricht  drohe.“

„Nun,  nun,  Herrin,“  beruhigte  Frau  Mechtilde
die  künftige  Burgfrau,  „Ihr  müßt  nur  Eure  ängstlichen
  Befürchtungen  lassen.  Das  verscheucht  die
Rosen  auf  den  Wangen  und  macht  die  Funkeläuglein
  iribe.  Was  sollte  Euch  gefährden?  Ihr
seid  in  sicherer  Hut  und  für  die  Zukunft  vertraut
Gott  und  den  Heiligen!  Auch  besitzt  Ihr  außer
Eurem  Verlobten,  Herrn  Kunrad,  ja  zwei  mächtige
Schützer,  den  gewalligen  Herrn  Fürsten  und  den
hochwürdigen  Herrn  Bischof,  die  werden  Eure
Sache  schon  zu  einem  glückhaften  Ende  führen.  —
Ach  ja,  der  Hochwürdige!  Als  blutjunges  Ding
habe  ich  den  frommen  Herrn,  er  war  dazumal  ein
Knäblein  von,  zwei  bis  drei  Jahren,  noch  auf  den
Knieen  gewiegt.  Ich  war  ja  des  Türmers  Tochter
  und  seine  Wärterin,  wie  ich  später  die  seines
Schwestersohnes  wurde.  Wie  hätte  ich  damals  den
verlacht,  der  mir  hätte  weissagen  wollen,  der  mumtere
  Knabe  würde  einmal  ein  so  frommer  und  gewaltiger
  Kirchenherr  werden  und  noch  dazu  hier
im  finsteren  Heidenlande,  und  ich  würde  als  Schaffnerin
  Herrn  Kunrads,  seines  Schwestersohnes,
kaum  die  vier  oder  fünf  Meilen  von  ihm  entfernt,
mitten  zwischen  Wölfen  und  Mördern  hausen."

Slavina  mußte  trotz  der  letzteren,  allerdings
nicht  zu  ihrer  Kränkung  geschehenen  Hindeutung
auf  ihren  Vater  lächeln;  war  es  doch  nicht  das
erste  oder  zweite  Mal,  daß  Frau  Mechtilde  von
der  hohen  Ehre  erzählte,  die  ihr  in  ihren  Jugendjahren
  zuteil  geworden  war.

Doch  nun  blickte  die  Maid  plötzlich  schärfer  ins
Freie  hinaus  und  rief  gleich  darauf  der  Schaffnerin
  zun  „Siehst  Du,  wie  sehr  ich  recht  hatte!  Da
kommt  schon  der  Knabe  eiligen  Ganges  dahergeschritten,
  fast  um  eine  Stunde  früher  als  bisher.
Ich  eile,  Herrn  Kunrad  zu  benachrichtigen,  damit
wir  sogleich  erfahren,  welche  Nachrichten  er  brinat.“

Bei  diesen  Worten  stürmte  Slavina  auch  schon
zur  Tür  hinaus,  während  die  Schaffnerim  ihr
kopfschuttelnd  nachschaute.

Der  Knabe  berichtete  seiner  jungen  Herrin  die
Ereiant'se,  die  sich  wäbrend  des  Tages  auf  Herrn
Sambors  Burg  abgespielt  hatten,  die  Ankunft  der
fremden  Boten,  die  Bestellung  der  fron=  und  zins-Ppflichtigen
  Einwohner  der  Herrschaft  für  den  übernächsten
  Tag,  die  Verteilung  der  Waffen  an  die
Buraknechte  und  Dörfler  und  die  Abtsicht  Herrn
Sambors,  am  nächsten  Morgen  in  aller  Frühe  einen
längeren  Ritt  anzutreten.

Die  Mitteilungen  des  Knaben  versetzten  die  Liebendesi
  in  nicht  geringe  Bestürzung.

Kunrad  und  Sloavina  blickten  zunöchst  eine  Weile
einander  fragend  an;  dann  saate  der  Ritter  mit
düsterer  Miene:  „Es  ist  kein  Zweifel,  Dein  Vater
hat  auf  irgend  eine  Weise  Deinen  Aufenthaltsort
entdeckt  und  entbietet  nun  seine  Mannen,  um  meine
Burg  zu  bestürmen.  Zweifellos  hat  er  außerdem

Unser  Dommerland

eine  ganze  Anzahl  seiner  Standesgenossen  für  den
Rachezug  gewonnen,  darunter  auch  seinen  Bruder,
der  ihm  durch  die  Boten  seine  Bereitwilligkeit  mitteilen
  läßt.  Denn  daß  diese  Leute  Fischer  und
von  Westen  gekommen  sind,  hat  der  Junge  richtig
an  ihrer  Kleidung  und  Sprache  erkannt.  Der  Ostpommer
  spricht  und  kleidet  sich  anders  als  der  aus
dem  Westen.  —

Was  nun  unsere  Lage  betrifft,  so  könnten  wir
dem  Ansturm  unserer  Feinde  in  Gelassenheit  Tro)
bieten.  Mauern  und  Tore  der  Burg  sind  fest;  der
Wallgraben  tief  und  breit,  der  Erdwall  so  steil,
daß  es  den  Burschen  kaum  gelingen  würde,  ihn
während  des  Tages,  besonders  unter  unseren  Geschossen,
  zu  erklimmen.  Während  der  Dunkelheit
freilich  möchten  sie  Mittel  und  Wege  finden,  sich
an  die  Mauern  heranzuschleichen.  Aber  dort  ist  es,

wie  gesagt,  mit  ihrer  Kunst  vorbei.  Nur  durch
längeres  Ausharren  und  indem  sie  uns  Tag  und
Nacht  beunruhigen,  könnten  sie  uns  zuletzt  ermüden

  und  niederzwingen.  Denn  bei  der  geringen
Anzahl  von  Leuten,  über  die  ich  bisher  verfüge,
so  lange  ich  nur  erst  ein  paar  Hufen  unter  dem
Pfluge  habe,  müßten  wir  Tag  und  Nacht  auf  dem
Posten  sein.  Trotzdem  brauchten  wir  nicht  zu  befürchten,
  ihnen  zu  erliegen,  da  der  Fürst  mit  seinen
  Kriegsknechten  uns  alsbald  zu  Hilfe  kommen
würde.  Dein  Vertrauter  würde  ihn  sofort  über  unsere
  Lage  unterrichten.  Aber  Du  darfst  nicht  in
der  Burg  bleiben.  Wenn  Du  auch  ein  mutiges
Mädchen  bist,  so  würde  Dir  doch  die  stete  Aufregung
  und  die  Sorge  um  mich  schaden.  Ich  halte
es  daher  für  das  Geratenste,  wir  verlassen  morgen
mach  Beginn  der  Dunkelheit  die  Burg  und  begeben
uns  zunächst  zum  Fürsten  nach  Kammin.  Es  sind
für  einen  Reiter  drei  Stunden  Entfernung  und  ich
kenne  Weg  und  Oertlichkeit  genau.  Daß  wir  nicht
am  Tage  die  Fahrt  machen,  gebtetet  die  Vorsicht,
denn  es  bürgt  uns  nichts  dafür,  daß  Dein  Vater
nicht  auch  bereits  die  auf  unserem  Wege  liegenden
Ortschaften  aufgewiegelt  hat.  Sogleich  nach  Wollin

  uns  zu  wenden,  wohin  ich  Dich  von  Kammin

aus  geleiten  zu  lassen  gedenke,  möchte  aus  dem
Grunde  nicht  rätlich  sein,  weil  wir  auf  diesem  Wege
leicht  auf  die  Schar  stoßen  könnten,  die  Dein  Ohm
herbeiführt.  Von  Kammin  aus  eile  ich  mit  dem
Fürsten  zum  Entsatz  der  bis  dahin  von  meinen
Leuten  verteidigten  Burg;  denn  ich  bin  der  festem
Ansicht,  daß  Herr  Ratibor  einen  so  offenbaren
Landfriedensbruch  streng  ahnden  wird.“

Slavina  versicherte  zwar,  daß  sie  gern  bei  dem
Geliebten  ausharren  wolle,  willigte  aber  schlie  lich
in  die  Fahrt  nach  Kammin  ein,  als  der  Geliebte
sie  daran  erinnerte,  daß  sie  ja  nach  beiderseitigem
Beschlun  in  den  nächsten  Tagen  auch  ohne  Zwang
die  Reise  gemacht  hätten.  —

Als  Herr  Kunrad  am  nächsten  Morgen  beim
Frühimbiß,  den  er,  wie  auch  die  übrigen  Mahlzeiten,
  gemeinsam  mit  der  Geliebten  einzunehmen
pflegte,  dieser  vergeblich  harrte,  eröffnete  ihm  die