Männer  sich  ihm  näherte  und  ihm  das  grausige  Gescheynis
  mitteilte.  Dunile  Zornesrote  fardte  sein.
Antlig,  als  er  die  Tat  der  Tochter  vernahm,  und
auf  Stirn  und  Schlafin  schwollen  die  Adern  zu
dicken  Strängen  empor.  Wie  er  nun  aber  die
triumphierenden  Worte  vernahm,  die  Slaoina  al
den  Priester  gerichtet  halte,  stieß  Herr  Sambor  in
einem  plotztichen,  lichten  Ahnen  der  BVerhaͤltnisse
einen  wildgrimmigen  Fluch  aus  und  nun  verlies
den  besonnenen  Wann  die  ruhige  Bedachtsamkrit.
Er  ritz  sein  Pferd  herum,  erteilte  dem  einen  der
Knechte  mehrere  Weisungen  und  sprengte,  wahrend
dieser  den  Weg  nach  der  Burg  langs  des  Sees
einschlug,  mit  seinem  anderen  Begleiter  voll  blindwutigen
  Zornes  in  entgegengesetzter  Richtung  der
jluchtigen  Tochter  nach.  —

Intwischen  hatte  Kunrad  mit  seinen  Knechten
die  ins  Auge  gefaßte  Wegstelle  erreicht  und  erwar—
tete  nun  seit  bereits  einer  Stunde  die  Geliebte.

Den  Weg  überschritt  an  diesem  Orte  eine  Bodenerhebung,
  und  man  hatte  von  hier  einen  Ausblick
auf  eine  beinahe  halbstündige  Wegstrecke.  Der  Ritter
  hatte  seine  Leute  absatteln  lassen,  während  er
selber  in  den  Bügeln  verblieben  war,  um  noch
einige  Hundert  Klafter  weiter  Ausschau  halten  zu
können.  Trotzdem  Slavina  ihre  Rückkehr  erst  fur
die  Mittagszeit  in  Aussicht  gestellt  hatte  und  obwohl
  Kunrad  ihrer  Klugheit  und  Vorsicht  ver—
traute,  quälte  ihn  doch  eine  starke  Unruhe,  und  er
machte  sich  Vorwürfe,  daß  er  der  Geliebten  nicht
zur  rechten  Zeit  das  feste  Versprechen  abgenommen
hatte,  der  Rache  zu  entsagen.  Doch  das  war  num
nicht  mehr  zu  ändern.  Er  mufßte  sich  in  Geduld
fassen.  So  spähte  er  denn  unverwandten  Blickes  in
die  Ferne,  trotz  der  noch  zeitigen  Stunde  die  Geliebte
  erwartend.  Wieder  mochte  so  unter  Spähen
und  Harren  eine  halbe  Stunde  verflossen  sein,  da
sah  Kunrad  plötzlich  einen  Reiter  oder  eine  Reiterin

  —  noch  vermochte  er  nicht  genau  zu  unlerscheiden,
  ob  es  Mann  war  oder  Weib  —  auf  weit
ausgreifendem  Rosse  in  rasender  Flucht  heransprengen,

  wenige  Hundert  Schritte  zurück  aber
folgten  in  gleich  stürmischer  Schnelle  zwei  andere
Reiter.  Blitzschnell  zuckte  es  dem  Ritter  durch  den
Sinn:  Es  war  Slavina,  die  man  verfolgte.  Im
gleichen  Augenblick  gab  er  seinem  Tiere  die  Sporen
  und  stob  davon.  Ihm  folgten  die  Knechte  in
kurzem  Abstande  auf  dem  Juße.

Das  mutige  Pferd,  das  mehrere  Wochen  bei  guter
  Pflege  gestanden  hatte,  schoß  pfeilschnell  dahin.
Aber  es  war  auch  die  höchste  Not,  denn  schon  waren
  die  Verfolger  der  Reiterin  bis  auf  die  Hälfte
der  früheren  Entfernung  nahe  gekommen  und  von
Minute  zu  Minute  verringte  sich  der  Abstand.  Nun
erblickte  die  Gehetzte  den  herar  Prausenden  Ritter
und  dieser  bemerkte,  wie  sie  ihr  Tier  zu  äußerster
Kraftanstrengung  antrieb.  Noch  war  Kunrad  wohl
fünfhundert  Klafter  weit  von  der  Geliebten  entfernt,
  aber  das  Roß  griff  so  gewaltig  aus,  da#
die  Bäume  des  Waldes  zur  Linken  gleich  einer

Unser  Dommerland

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einzigen  Mauer  am  Auge  des  Reiters  vorüberhuschten.
  Bald  schätzte  Kunrad  die  Emifernung  nur  noch
auf  dreihundert,  bald  auf  zweihundert  Kuafeer.
Nunmehr  bestand  kein  Zweifel,  er  erreichte  die  Gelieote

  vor  ihren  Verfolgern.  Da,  —  —  bearmherziger
  Himmel!  —  —  —  Das  Blut  drohte  Runrad
  in  den  Adern  zu  erstarren  —  —  —  ploplich

strauchelte  Slavinas  Roß,  sank  vornüber  zu  Boden
und  die  Reiterin  flog  in  den  Sand.  Zest  schien
diese  verloren.  Doch  im  Windesnu  stand  die  Unerschrockene
  wieder  auf  den  Jußen,  ritz  ihr  Tier
empor  und  saß  im  nachsten  Augenblick  im  Satueel.
Zwar  machte  das  verängstigte  Tier  nur  noch  ein
paar  Dutzend  hastiger  Sprange,  aber  diese  retteten
der  Beherzten  das  Leben.  Denn  als  nun  der  vorderste
  der  Reiter  wildrollenden  Auges  mit  gezücktem
  Dolche  heranstob  und  schon  den  Arm  erhob,
um  im  nächsten  Augenblick  den  tödlichen  Stoß  zu
tun,  brauste  auch  schon  Kunrads  hochragendes  Rog
heran,  sprang  mit  mächtigem  Sate  das  niedere
Tier  des  Wenden  an  und  warf  es  mit  furchtbarer
Wucht  zu  Boden,  so  daß  es,  um  sich  selbst  gewirbelt,
  den  Reiter  unter  sich  begrub.  Sobald  nun
aber  der  andere  Reiter  den  Fall  des  ersten  bemerkte,
  zudem  die  heranstürmenden  Krnechte  bereies
in  bedrohlicher  Nähe  erblickte,  riß  er,  den  Gestürzten
  schmählich  im  Stiche  lassend,  seinen  Gaul  herum
  und  stob  gleich  einem  gehetzten  Wolfe  von  dannen.


Num  erst  sah  der  Ritter  sich  nach  dem  überrittenen
  Manne  um.  Dieser  lag  stöhnend  und  schwer
atmend  am  Boden,  noch  halb  unter  dem  wild  ausschlagenden
  Rosse  begraben.  Da  trat  Slavina  heran,
  und  während  sie  schaudernd  den  am  Boden
Ringenden  betrachtete,  sagte  sie  hart  und  bitter:
„Es  ist  mein  Vater,  Geliebter!“

Entsetzt  starrte  Kunrad  die  Sprecherin  an.  Dein
—  —  —  BVater?“  kam  es  heiser  und  stückweise  von
seinen  Lippen,  „Dein  —  —  —  Vater?“

„Mein  BVater,“  wiederholte  die  Maid,  aber  jetzt
klang  das  Wort  milder  und  weicher,  fast  mitleidsvoll.
  Slavina  hatte  aus  den  schmerzvoll  verzerrten
  Zügen  des  Vaters  geschlossen,  daß  di.  ser  einen
schweren  Unfall  erlitten  hatte.  In  Eile  sprang  nun
auch  Kunrad  vom  Pferde  und  befreite  mit  Hilfe
der  soeben  angelangten  Knechte  den  Burgherrn  von
der  Last  des  Tieres.  Dabei  gewahrten  sie,  das
eine  große  Blutlache  an  der  Stelle  stand,  wo  der
Gest  rzte  lag,  nicht  weit  von  dieser  bliete  der
Dolch,  den  er  der  Tochter  hatte  ins  Herz  stoßen
wollen.  Auch  dieser  war  blutbefleckt,  er  hatte  sich
seinem  Besitzer  bei  dessen  Sturz  in  die  Seite  gebohrt.


Kunrad  ließ  den  augenscheinlich  schwer  Verletzten
  vorsichtig  aufheben  und  im  Schaitten  des  Waldes

  auf  das  weiche  Moos  betten.
Dort  lag  nun  Herr  Sambor  mit  geschlossenen
Augen  und  schmerzvolles  Aechzen  und  Stöhnen

drang  durch  seine  fest  zusammengepreßten  Zähne.