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Slavina  kniete  an  seiner  Seite  nieder,  öffnete
sein  Wams  und  suchte  das  hervorquellende  Blut
durch  Aufpressen  ihres  Gewandes  zu  slillen;  allein,
wenn  der  Hauptstrom  auch  in  seinem  Laufe  gehemmt
  war,  so  farote  doch  noch  allzuviel  des  edlen
Leodenssaftes  den  grunen  Teppich  des  Waldes.
Auch  ließ  das  gauze  Gebaren  des  Verletzten,  dazu
die  starte  Blutung  vermuten,  daß  der  scharfe  Stahl
allzutief  in  den  Körper  eingedrungen  war  und  edlere
  Teile  verletzt  hatte.  Da  wehrte  denn  kein  gewaltsames
  Zurückhalten  des  Blutes  dem  Nahen
des  Toades

Nach  einiger  Zeit  schlug  der  Burgherr  die  Augen,
auf  und  lietz  seine  Blicke  eine  Weile  unstät  forschend
  auf  Ritter  und  Tochter  haften.  Nun  schien

er  seiner  und  der  Geschehnisse  der  letzten  Stunde
wieder  inne  zu  werden  und  erhob  drohend  die

Faust,  während  seine  Augen  wild  unter  den  dunklen,
  starrouschigen  Brauen  rollten  und  seine  Lippen
einen  bösen  Fluch  zu  murmeln  schienen.  Da  beugte
sich  die  Tochter  über  ihn,  strich  sanft  über  seine
Stirn  und  sprach  zu  ihm:  „Vater,  laß  alles  Vergangene
  vergessen  sein!  Sieh,  ich  liebe  den  Ritter
mehr  denn  mein  eigenes  Leben,  und  er  liebt  mia)
und  begehrt  mich  zu  seinem  Ehegemahl.  Nonnte
ich  bei  Deinem  furchtbaren  Hasse  gegen  die  Fremden
  anders  handeln?  Und  daß  ich  heute  den
Priester  tötete,  gebuhrte  ihm  zu  Recht.  Er  ist  auch
nur  ein  Mensch  und  ein  recht  schmutziger  dazu,  wie
Du  selber  zuweilen  sagtest.  Und  dazu  war  er  ein
Schurke,  voll  Hinterlist  und  Tücke.  Denn  er  zwang
Dich  zu  der  Untat  und  wollte  Dich,  einen  der  ersten
  Edlen  des  Wendenvolkes,  zum  gemeinen.
Meuchelmörder  machen.  Doch  der  Christengott  ist
stärker  als  unsere  Götter,  er  beschützte  den  Rititer
und  entriß  ihn  dem  sicheren  Verderben.  Ich  zürne
Dir  nicht  mehr,  mein  Vater,  laß  nun  auch  Deinen
Zorn  vergehen  und  schau  mich  wieder  gütig  an,
wie  Du  es  tatest,  bevor  der  wüste  Jakzo  seine  begehrlichen
  Blicke  auf  mich  warf.  Siehl  der  Ritter
ist  edleren  Blutes  als  jener;  ruhmreiche  Männer
waren  seine  Ahnen;  das  edle  Geschlecht  der  Wendhausen
  steht  weithin  im  deutschen  Lande  in  hohen
Ehren,  und  der  mächtige  Bischof  zu  Kammin,  selber
  aus  altadeligem  Geschlecht,  ist  seiner  Mutter
Bruder.  Deine  Tochter  erniedrigt  sich  nicht.“

Wiederum  strich  sie  dem  Vater  liebevoll  über  die
Stirn,  doch  dieser  preßte  die  Lippen  zusammen  und
schwieg,  aber  aus  dem  heftigen  Heben  und  Senken
seiner  Brust  ersah  man,  wie  sehr  seine  Seele  sich
erregte.

Nun  kniete  auch  Kunrad  an  seiner  Seite  nieder
und  begann  mit  seiner  tiefen,  wohltönenden  Stimme
  in  der  Sprache  des  Burgherrn:  „Ihr  hasset  uns
Deutsche,  Herr  Sambor,  weil  Ihr  mit  Recht  befürchtet,
  daß  Ihr  gleich  Euren  Stammperwandten
im  Westen  Euch  der  Oberhoheit  der  Deutschen  einmal
  werdet  beugen  müssen.  Außerdem  zeihet  Ihr
uns  des  Landraubes.  Doch  rauhben  wir  in  Wahrheit
  nicht  fremden  Besitz,  sondern  nehmen  nur  un-Unser

  Dommerland

ser  Eigentum  zurück,  wenn  wir  das,  was  die  Güte

Eures  Fürsten  uns  gewährt,  annehmen.  Denn  wie
unsere  alten  Stammesmären  erzählen,  wohnten  hier
bis  weit  gen  Osten  deutsche  Stamme.  Da  kam

Euer  Volk  in  großen  Horden  von  Sonnenaufgang
her,  tief  aus  dem  Dunkel  ferner  Erde,  und  vertrier
uns  an  Zahl  Geringere  aus  der  Heimat.  Nun  aber
ergeht  es  Euch  nicht  so  herbe,  wie  es  einstmalen
uns  geschah.  Denn  wir  wollen,  Euch  nicht  vertreiben,
  sondern  nur  in  friedlicher  Gemeinschaft  mit
Euch  hausen.  Harret  doch  noch  so  viel  unmbestellten
Bodens  des  Karstes  und  des  Pfluges,  so  viel  Unland
  der  urbar  machenden  Art  und  des  Spatens,
dat  es  den  arbeitsfrohen  und  werktätigen  Deutschenm
in  tiefster  Seele  betrabt  und  dauert.  Ihr  aber
hockt  in  althergebrachter  Unsitte  um  Eure  Seen  und
Flüsse  inmitten  von  Sumpf  und  Morast  in  fieberschwangerer
  Luft,  nährt  Euch  kümmerlich  von  dem

Fleische  und  der  Milch  Eures  minderwertigen
Viehes,  Fischwerk,  Pilzen,  Beeren  und  Wunzeln

des  Waldes  und  laßt  ungezäahlte  Hufen  Landes,
wo  die  edelste  der  Gottesgaben,  die  goldige  Frucht
des  Kornes,  gedeihen  könnte,  als  nutzlose  Brache
liegen.  Nur  dieses  Land  begehren  wir,  dazu  das
Oedland,  das  wir  zu  fruchttragendem  Boden  machen
  wollen,  damit  es  Wohnstätten  berge  für  fleißige
  und  arbeitsame  Menschen.  Was  Euer  ist,
kann  und  will  Euch  niemand  nehmen.  Im  Gegenteil,
  wir  wollen  Euch  lehren,  des  Bodens  in  würdiger
  Weise  zu  pflegen,  damit  Euer  Wohlstand  sich
vergrößerve  und  das  Leben  Eures  Volkes  ein  mehr
menschenwürdiges  werde,  als  es  bisher  war.

Eure  Götter  allerdings  erkennen  wir  nicht  an,
schon  der  fluchwürdigen  Greuel  wegen,  der  Menschenopfer,
  die  sie  fordern,  wie  Ihr  in,  traurigem
Irrwahn  meinet.  Eure  Götter  leben  nicht,  sie  sind
nur  Ausgeburten  Eures  eigenen,  grausamen,  irrenden
  Sinnes.  Nur  ein  Gott  lebt,  und  dieser  ist  nicht

allein  unser  Gott,  die  wir  ihn  freudig  und  voll
Ehrfurcht  bekennen,  sondern  aller  Menschen  Gott,

so  viel  ihrer  von  Morgen  bis  Abend,  vomn  Mitternacht
  bis  Mittag  wohnen.  Der  aber  verabscheut,

daß  ihm  unschuldige  Kinder  oder  unglüdliche
Kriegsgefangene  auf  seinen  Altären  bluten,  auch

gibt  es  von  ihm  kein  Bildnis  aus  Holz,  Erz  oder
Stein,  denn  er  steht  viel  zu  erhaben  über  unserem
Begreifen,  als  daß  Menschenwitz  und  Menschenkunst
  ihn  nachzubilden  vermöchten.  Eure  Götter
haben  Eure  Stammesbrüder  nicht  vor  unserer
Schwerter  Macht  geschützt,  aber  uns  gab  Gott  den
Sieg.  Vielleicht  denket  Ihr  nun  gerechter  und
höher  über  uns  Eindringlinge,  edler  Herr,  als  Ihr
bisher  von  uns  hieltet.  Eurem  Töchterlein  aber
zürnet  nicht,  daß  sie  dorthin  geht,  wohin  ihr  Herz
sie  gehen  heißt,  und  daß  sie  begehrt,  dem  Gotte  zu
dienen,  dem  auch  ich  ergeben  bin.  Ich  will  sie
halten,  das  gelobe  ich  Euch  in  dieser  ernsten  Stunde,
  wie  das  köstlichste  Kleinod,  sie  hüten  und  bewahren
  wie  meine  eigene  Seele,  denn  das  hat  sie
um  mich  tausendfach  verdient.  So  sprechet  denn