len,  um  mit  ihm  über  die  für  die  nächsten  Tage  zu
treffenden  Maßnahmen  zu  beraten.

Nachdem  die  Reiter  sich  entfernt  hatten,  zog
Kunrad  Slavina  mit  sanfter  Gewalt  von  der  Leiche
des  Vaters,  bei  der  er  zwei  Knechte  als  Wache

—

zurückließ.  Dann  geleitete  er  die  Geliebte  in  sein
Heim,  das  nun  bald  auch  das  Ihre  werden
durfte.  —

Herrn  Sambors  männlicher  Stamm  erlosch  bereits
  im  dritten  Gliede  und  die  Herrschaft  Horst
siel  an  Kunrads  und  Slavinas  Nachkommen,  das
Wenohausensche  Geschlecht.  Die  Burg  am  Lindenbach
  zerfiel,  der  Deutsche  liebt  nicht  das  Hausen
inmitten  von  Morast  und  Nebelschwaden.  Nur  noch

einige  fast  verwachsene  Gräben  geben  vom  ihr
Kunde.  —

Der  Lindenbach  und  seine  Umgebung,  die
Stätte,  an  der  Ritter  Kunrad  beinahe  dem  Tode

anheimfiel,  behielt  in  seinem  und  seiner  Gemahlin
Munde  den  Namen,  den  er  ihr  einst  in  der  herbsten
  Stunde  seines  Lebens  gegeben  hatte.  Von
ihnen  vererbte  er  sich  auf  ihre  Nachkommen  und  die

Anser  Dommerland.

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umwohnende  Bevölkerung,  die  bereits  nach  eimem
Menschenalter  zum  größten  Teile  aus  deutschen
Einwanderern  bestand,  die  Herzog  Bogislav  in  den
durch  die  langjährigen  Kriege  entvölkerten,  Landen
ansiedelte.

Es  ist  eine  einsame  Stätte  von  fast  unheimlicher,
  regungsloser  Stille;  denn  fernab  pulst  das
fröhliche  Leben  und  Treiben  des  kleinen  Badeortes.
Gespenstische  Lichter  wirft  nach  Erdunkeln  der  Erde
das  Blickfeuer  des  auf  hoher  Lehmdüne  thronenden
Leuchtturms  hoch  über  das  düstere  Gewässer,  das
dichte  Erlengebüsch  und  die  finstere  Waldung.
Nur  selten  streift  vom  Meere  herauf  ein  scharfer
Windhauch  durch  Uferschilf  und  Erlenloden  und
träuselt  die  stillen  Wasser.  Der  sinnige  Badegast
aber,  der  um  solche  Stunde  auf  leichtem  Kahne  unter
  den  überhängenden  Büschen  dahingleitet,  vernimmt
  in  dem  Flüstern  des  Röhrichts  und  dem
Säuseln  des  Blattwerks  die  Mär  von  der  alten
Wendenburg,  der  dunklen  Irrnis  des  Edelings
Sambor,  der  starkmutigen  Liebe  der  kühnen  Wendenmaid
  Slavina  zu  dem  edlen  deutschen  Ritter

Kunrad,  von  schwerem  Frevel  und  blutiger  Sühne,
von  seliger  Lust  und  tiesem  Leide  an  der  Liebelose.


Onkel  Malte.

(Nachdruck  verboten.

(Fortsetzung.)

„Jä,  das  bin  ich!  Und  glaubt  mir  das  zur
das  is  kein  klein  Stück  Arbeit,  so  nen  Mannsmenschen
  zu  regieren!  —  Das  is  wier'n  Kloben
Holz!  Und  wenn  Gusching  zehnmal  mit  anfassen,
tut!  —  Und  der  Doktor  sagt:  das  is  Gelenkrefmatismos
  oder  Muskelswund  —  die  Zeit  muß  das
ausweisen.  —  Und  so  hat  der  Hamburger  auch
gerad  gesagt  und  das  is'n  berühmten  gewesen!  Und
wenn  Gustav  mir  auch  ab  und  an  mal  'n  paar

Pfennig  dafür  gibt  —  ick  denk,  das  is  nich  zu
viel!“

„Ne!  ne!  zu  viel  is  das  nich!  Das  kannste
verlangen,  Nabersch!“

Marieken  hörte  das  Surren  und  Summen  im
Dorf,  wie  sie  auch  im  Spätsommer  die  Fliegen  ge—
hört  hatte.

Roman  von  Klara  von  Sydow.

Sie  ging  umher,  als  sei  ihr  eine  schwere  Falltür
  auf  den  Kopf  und  über  die  Schultern  gestürzt.

Ueber  Gegenwart  und  Zukunft,  über  dem  kleinen
  Vitte  und  über  der  großen  weiten  Welt,  über
allem  lag  ein  eiskalter  grauer  Nebel.  Er  mußte
sich  ja  noch  einmal  heben!  —  Aber  er  schien  unteilbar.


Sie  führte  ihre  häuslichen  Hantierungen  aus,
wie  immer.  Doch  tat  sie  es  nur  aus  Gewohnheit.
Ihr  war  dabei,  als  liefe  sie  unaufhörlich  hin  und
her  —  ohne  Sinn  und  Zpeck.

Nur  manchmal  schrie  ihre  Seele  auf.  Und  dann
stand  sie  einen  Augenblick  still  und  starrte  in  die
Weite.

„Mudding,  hol  mich!  Mein  Mudding,  hol  mich
zu  dir!“  schrie  es  in  einem  fort  in  ihr.