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zuspiegeln,  damit  diese  sich  von  den  kleinen  Dingen
aus  ein  Stückchen  weiter  Welt  zurechtlegen  sollten.

Und  noch  ein  Gegenstand  in  der  dunstigen  kleinen
  Stube  war  stumm-beredt.  Doch  war  er  nicht
einmal  sichtbar.  Ein  hölzerner  Kasten  —  Maltes
Schiffskoffer  —  deckte  ihn;  und  es  flüsterte  ein
schwermütiges  Geheimnis  aus  seinen  Falten.

Gustav  hatte  nicht  geantwortet,  als  Malte  sagte:
„Vorm  Fenster  is  wer!“  —  Ja,  er  hatte  nicht  einmal
  von  seinen  Netzen  aufgesehen.  Dafür  drehte
Malte  desto  erregter  den  Kopf  um,  so  weit  es  ohne
großen  Schmerz  gehen  wollte.  Seine  Lider,  die
schon  schwer  über  die  Augen  gesunken  waren,  hoben
  sich  dabei.  Seine  Brauen  zogen  sich  zusammen.
  Alles  in  seinem  Gesicht  erschien  scharf  und
angespannt.  Schon  vorher  war  ihm  beklommen  in
dem  niederen  Raum  gewesen.  Jetzt  brach  der  helle
Schweiß  auf  seiner  Stirn  aus  und  dunkel  errötend
wiederkolte  er:  „Vorm  Fenster  is  wer!"

„Na  so  laß'n  doch!“  —  Und  nach  einer  Weile:
„Ich  hab  nichts  draußen.  Und  in  der  Vitt  wird
auch  nichts  gestohlen!  Wo  sollten  die  Leut  auch
bin  damit?  Jeder  kennt  den  anderen  sein  Milchspann!"


„Tu  mir'n  Gefallen  geh  raus  und  sieh  mal
nach!“  sagte  wieder  der  Kranke.  Und  nun  stieg  es
ihm  schon  so  beänstigend  in  den  Hals,  daß  er  ganz
heiser  sprach.

„Nachsehn?  —  Auch  noch  mal!  —  Hast  du
Gravsen!  —  Wenn  einer  was  will,  wird  er  sich

woll  melden!“

Daß  er  auch  gestern  und  vorgestern  schon  jemanden
  unter  dem  Fenster  gesehen  habe,
Malte.  Aber  in  gebieterischem  Ton  fuhr  es  ihm
heraus:  „Sieh  nach!  —  Und  wenn's  Marie  Beethmann
  is,  sag  ihr,  sie  soll  zu  mir  kommen!“

Nun  stand  Gustav  auf.  Aber  ganz  langsam.
„Bist  du  unklug?“  fragte  er.

„Sie  is  meine  Braut  gewesen!“  keuchte  der  andere
  und  sah  seinen  Bruder  flammend  an.

„Sos  —  Jal  —  Ich  weiß!  —  Und  nmnu?  —
Was  soll  sie  nus

Mitten  in  der  Stube
fragte.

„Ich  will  ihr  sagen  —  daß  es  vorbei  is.“  Aber
Maltes  Gesichtsausdruck  blieb  trotz  der  Tonlosigkeit
  seiner  Worte  herausfordernd.

Erst  als  Gustav  hinaus  war,
zusammen.

Und  der  kleine  Fischer  war  plötzlich  so  schnell
fortgegangen,  nein,  nicht  gegangen  —  gelaufen;
förmlich  hinausgeschnellt  wie  eine  Wildkatze  —  daß
bildmäßig  eine  komische  Erinnerung  davon  in
Malte  zurückblieb.

Ihn  aber  schüttelte  die  Verzweiflung.  Das
Blut  quoll  ihm  vom  Herzen  in  die  Brust.

Und  auf  einmal  fuhr  er  doch  wieder  in  die
Höhe.  Er  hatte  einen  Schrei  gehört.

stand  Gustav,  als  er  so

sank  er  in  sich

Anser  Dommerland

unteroͤrückte

„Gustab,“  hatte  es  geschrieen.
los!“

Da  rief  er,  so  laut  er  rufen  konnte  —  und  seine
Stimme  drang  über  die  Hausdiele  bis  vor  die
Tir:  „Marie  Beethmann!  —  Reinkommen  sollst
du!  —  Marieken  Beethmann!“

Und  sie  kam.  Nun  mußte  sie  kommen.  Und
wenn  ganz  Vitte  vor  Pipers  Tür  gestanden  hätte
und  alle  Puttgartener  ihr  in  langem  Zuge  gefolgt
wärem!  4S½)

Schritt  für  Schritt  ging  sie  über  den  Flur,  trat
lautlos  über  die  Schwelle  der  Stubentür,  die  so
niedrig  war,  daß  ihr  blonder  Kopf  oben  fast  gegen
  den  Rahmen  stieß.  Und  ohne  Aufenthalt  ging
sie  vorwärts,  bis  sie  dicht  vor  Malte  stand.

Ihr  graute  und  doch  war  sie  selig.  So  hatte
sie  sich  die  Hölle  gedacht  —  und  so  den  Himmel.
—  Ihr  war,  als  habe  sie  Malte  Piper  hnundert
Jahre  lang  nicht  mehr  gesehen  und  es  wäre  immer
noch  besser,  ihn  so  zu  sehen,  als  nie  mehr.

Keiner  störte  sie.  Gustav  war  draußen  geblieben.
  Seine  Augen  funkelten,  als  er  dort  am  Türpfosten
  lehnte  und  auf  Marie  Beethmanns  Fortgang
  wartete.  Malte  war  der  Unterliegendel!

Vielleicht  scheute  er  sich  unwillkürlich,  das  Funkeln
  seiner  Augen  sehen  zu  lassen,  das  er  doch
nicht  unterdrücken  konnte.  Möglich  aber,  er  scheute
etwas  anderes  noch  mehr,  ohne  es  selbst  zu  wissen:
den  großen  Sieg,  den  noch  einmal  die  Liebe  da
drin  feiern  würdel!

—  Warum  es  sich  selbst  antun,  da  zuzusehen?  —

Marie  zitterte,  wie  sie  noch  nie  in  ihrem  Leben
gezittert  hatte.  Ihr  Gesicht  war  ganz  blaß  geworden,
  und  es  dauerte  eine  ganze  Weile,  bis  es  sich
wieder  färbte.

Aber  Malte  war  mit  Glut  übergossen.
schämte  sich  so  vor  dem  gesunden  Mädchen.

„Fürcht  dich  nur  nich!  Solch  Stacker  kann  nich
heiraten!“"

Da  zuckte  es  in  ihrem  Herzen,  denn  nun  erst,
da  sie  es  von  ihm  selbst  hörte,  begriff  sie,  daß
wirklich  alle  Hoffnung  zu  Ende  war.  —  Und  doch
sch  ittelte  sie  immerfort  den  Kopf,  als  begriffe  sie
es  nicht.

:O!“  sagte  sie,  ohne  den  Blick  von  ihm  zu  las-„Gustav,

  laß  mich

Er

sen.  „O,  mein  Gott!“  Furcht  und  Andacht  hinderten
  sie,  laut  zu  weinen.  Aber  ihre  Tränen

strömten  unaufhaltsam.

„Du  mußt  nu  gar  nich  mehr  an  mich  denken!“

(Moltel  —  Und  jetzt  schluchzte  sie  doch  laut
auf.
„Und  du  kannst  nu  e'nen  anderen  heiraten.  Ich
trag  es  dir  nich  nachl!“

Ihre  Brust  flog,  und  ihre  Augen  sahen  ihn  entsetzt
  an:  „Red  nich  so  gottlos!“

„Marieken!“
Da  setzte  sie  sich  zu  ihm  auf  den  Bettrand  und
streichelte  seine  Hände.  Die  armen,  zusammengekrümmten

  Hände,  die  da  so  elend  wie  zur  Parade
auf  dem  Deckbett  lagen,  weil  es  ihn  zu  furchtbar