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Er  aber  lachte  grimmig.  Dann
ken:  „Ich  wollt  dir  man  bloß  sagen,
mu  verändern  muß.“

Marie  Beethmann  stand  das  Herz  still;  denn  sie
dachte  gleich  an  Malte:  Wenn  Gustav  heiratete,  besagte

  er  trokdaß
  ich  mich

kam  Malte  eine  andere  Pflegerin,  als  die  für
schmutzig  bekannte  Strohmeyersch!
„Was  meinst  du,“  fuhr  Gustav  nach  langer

Pause  fort,  als  sie  nicht  antwortete,  „der  forsche,
junge  Steuermann  kann  das  nu  ja  doch  nich  mehr
sein!  Am  End  nimmst  du  den  Fischer?“

„Laß  mich  raußl!“"

„Gleich!"

„Ich  will  nach  Haus!“

Sie  stand  plötzlich  wie  gepeitscht.

„Ueberleg  dirs!“

„Jch  .  .  ich  mag  dich  nich  leiden!“

„Aber  ich  dich!“

Die  Habgier  in  seiner  Natur  war  größer  als
alles  andere.  Auch  in  seiner  Herzensangelegenheit
redete  sie  das  erste  Wort.  Aber  Schmerz  und  Eifersucht
  kamen  hinzu  —  die  Lust,  anderen,  die  ihn
kränkten,  einen  Tort  anzutun.

„Las  mich  raus!  Sonst  ruf  ich!“

„Wen?  —  Sei  doch  vernünftig!  —  Ich  hab  dich

immer  gut  leiden  können  —  und  will  dich  gut
halten.“
„Ach!  Deswegen!“"“  —  —

„Weswegen  denn  nich?“

Sie  rüttelte  am  Türschloß.
die  Hand  fest.

„Vielleicht  scheust  du  dich,  die  Last  mit  Malten.
auf  dich  zu  nehmen?“  warf  er  bissig  hin.
Eigentlich  hatten  Klugheit  und  Gier,  ste  auf  alle
Fälle  zu  besitzen,  ihm  eingeblasen,  zu  sagan:
„Wenn  du  mich  nimmst,  kannst  du
alten  Schatz  versorgen  und  ihm  alle  Tage  die  besten
Vissen  zustecken!"  —  Doch  war  er  zu  stolz  gewesen,
  das  siber  die  Lippen  zu  bringen.

„Ich  scheu  keine  Last!  Wegen  der  Last  ist  mirs
nich!“  sagte  sie  plötzlich  langsam.
„Na,  denn  überleg  dirs!“
Für  sein  Leben,  gern  hätte

Arme  genommen.

Aber  er  war  zu  klug.

„Ueberleg  dirs  nur!"  murmelte  er  noch  einma
dicht  an  ihrem  Ohr.  Dann  gab  er  sie  frei.

Als  er  in  die  Stube  zurückkehrte,  um  die  Lampe
zu  löschen  und  nehbenan  in  der  Kammer  zur  Ruhe
zu  gehen,  sagte  Malte  kein  Wort.  Aber  er  versolgte
  ihn  unablässig  mit  den  Augen.

Aber  er  hielt  ihr

er  sie  jetzt  in  die

„Willst  Du  noch  eins  trinken?“  fragte  Gustav
und  schob  im  Vorübergehen  mit  dem  Juß  einen
Stuhl  in  die  Ofenecke.

„Danke!“

Vielleicht  hatte  Malte  jede  Silbe  gehört.
war  doch  am  Ende  besser,  offen  zu  reden!

„Du  meinst  wohl,  mein  Abschiednehmen  mit
Marieken  Beethmann  wäre  auch  zu  lang  gewesen?“

Unser  Dommerland

ja  auch  deinen

„Mach  keine  Vorred!“

„Hast  Recht!  —  Na  —  geradheraus  gesagt:  Ich
hab  sie  gefragt,  ob  sie  nich  mich  nehmen  will?  —
Sie  wird  sich  das  überlegen.“

Und  nun  suchtelte  er  noch  ganz  unnötig  zwischen
  seinen  Netzen  umher,  hob  aber  den  Blick  nicht
mehr  vom  Boden,  bis  er  in  der  Kammertür  mit
einem  „Gut  Nacht  auch!“  verschwand.

„Gut  Nacht!“  klang  es  dumpf  vom  Marterbett
des  Gelähmten  zurück.

Als  Malte  allein  war,  keuchte  er  vor  sich  hin.

Wenn  er  doch  lieber  noch  einmal  zu  trinkem  erbeten
  hättel!

Und  dazwischen  —  zwischen
Schmerzensglut  schlich  sich  ein  sonderbar  fremdes,
unheimlich  stilles  Gefühl.  Wie  von  außen  kam  es
an  ihn  heran  und  in  ihn  hinein.  So  wenig  gehörte
  es  schon  zu  ihm!  —  So  gemein  und  kleinlich
  war  es  eigentlich!  Die  Befriedigung  des  Kranken
  war's  bei  der  Vorstellung,  eine  liebe,  weiche
Hand  könne  ihn  künftig  pflegen.  —

Und  Malte  Piper  haßte  dies  Gefühl,  haßte  sich
selbst  und  seinen  verkr'ippelten  Leib.

War  er  schon  so  weit?  —  —

Durch  das  stille,  selbstische  Empfinden  hindurch
tobte  der  Sturm.

alle  Liebes=  und

□  □
-

Es  schien  ein  früher  Winter  zu  werden.  Wer
des  Weges  nach  Vitte  kam,  mubte  es  der  handvoll
Häuschen  recht  gönnen,  daß  sie  sich  vor  dem  eistgen
  Nordost  so  gewissermaßen  in  die  Schlucht  verkriechen
  konnten.

Nur  die  Pipersche  Hütte  stand  frei.  Nicht  allein
hörte  man  in  ihr  bei  Unwetter  das  Meer  aus
nächster  Nähe  brüllen;  die  Wellen  spülten  manchmal
so  dicht  unter  die  schwachen  Grundmauern  herauf,
daß  diese  wankten;  und  der  Sturm  drohte,  den
Brüdern  das  Dach  über  dem  Hauvbt  zu  entführen.

Die  Stimmung  des  Dörschens  war  trotzdem  eine
zufriedene,  denn  der  Hering  nahm  schon  seit  Wochen
  seinen  Kurs  durch  die  Bucht,  und  der  Fischfang,
  dessen  Gerechtsame  für  jeden  einzelnen  Besitter
  von  Haus  und  Hof  streng  eingeteilt  waren,
lieferte  einen  ungewöhnlich  starken  Ertrag.

Beethman  und  Gustav  Piper  gehörten  zu  derselben
  „Kompagnie“.  Aber  Verabredungen  für  einen
neuen  Auszug  wurden  meist  schon  bei  der  Rückkehr
  vom  Tagewerk  getroffen  und  höchstens  durch
ein  Klopfen  ans  Fenster  oder  einen  verabredeten
Zuruf  ergänzt.  Die  engere  Gemeinsamkeit  im  Handwerk
  bedingte  kein  gegenseitiges  Aufsuchen  in  den
Häusern.

Eines  Nachmittags  aber  hatte  Beethmanm  davon
  abaesehen,  wieder  einmal  den  Fuß  über

Pipers  Schwelle  gesetzt.  Sein  Besuch  hatte  Malten
  gegolten.  Doch  war  er  dabei  auch  mit  Gustav
anders  ins  Gespröch  gekommen,  als  unterwegs  im
Boot,  oder  gelegentlich  vor  der  Haustüre.  Umnd
am  Ende  hatte  er  auch  noch  den  von  einer  Not-