Aus  der  zeit.

Oberbũrgermeister  Gronow,  Stralsund.

Der  Stralsunder  Oberbürgermeister  Ernst  Gronow
  konnte  am  Donnerstag,  den  20.  Januar,  seinen
  60.  Geburtstag  feiern.

Gronow  ist  ein  Kind  unserer  Heimatprovinz,
denn  er  wurde  im  Jahre  1856  zu  Greifswald  geboren,
  wo  er  auch  seine  ganze  Jugend=  und  Schulzeit
  verlebte.  Nach  bestandenem  Abiturientenexamen
studierte  er  zuerst  in  Leipzig,  Berlin  und  Heidelberg,
  zum  Schlusse  in  seiner  Vaterstadt  Greifswald
die  Rechtswissenschaften.  Im  Jahre  1884  wurde
er  von  der  Stadt  Stralsund  zum  besoldeten  Ratsherrn
  gewählt  und  ihm  dort  sechs  Jahre  später  das
Amt  des  Stadtsyndikus  übertragen.  Aus  der  Wahl
zum  ersten  Bürgermeister  der  Stadt  im  Jahre  1898
ging  er  als  Sieger  hervor.  Im  Jahre  1910  erfolgte
  nach  Ablauf  der  ersten  Amtsperiode  seine
Wiederwahl.  Gronow  ist  Mitglied  des  Preußischen.
Herrenhauses  sowie  des  Pommerschen  Provinziallandtages.
  Mögen  noch  viele  Arbeitsjahre,  zu  seiner
  Freude  und  zum  reichen  Segen  der  Stadt  Stralsund
  dem  Sechzigjährigen  beschieden  sein!

*

Dr.  Paul  Liman  .

In  den  ersten  Tagen  des  Februar  starb  zu
Berlin  an  den  Folgen  einer  Operation  im  Alter

von  erst  56  Jahren  der  bekannte  Schriftsteller  und
Redakteur  Paul  Liman.  Für  unsere  Provinz  hat
er  insofern  eine  besondere  Bedeutung,  daß  er  einer
der  Mitbegründer  der  Vereins  Deutscher  Studenten
zu  Greifswald  ist.

Geboren  am  8.  Februar
veröffentlichte  er  im  Alter  von  38  Jahren  seine
Bismarck-Denkwürdigkeiten  und  1901  die  Schrift
„Bismarck  nach  seiner  Entlassung.“  Allgemein,  auch
im  Auslande,  wurde  sein  Name  bekannt  durch  die
freimütigen  Bücher  „Der  Kaiser“  (1904)  und  „Der
Kronprinz“  (1914),  die  beide  in  rascher  Folge  neue
Auflagen  erzielten.  Sein  furchtloses  Eintreten  für
Wahrheit  und  Recht  sichern  dem  tichtigen,  fleißigen.
Gelehrten  ein  bleibendes,  ehrendes  Andenken.

r-*

Eine  Heldentaf  des  Staffhalfers  des  Provinz  Pommern.

Ueber  die  Rettung  einer  Motorbatterie  durch
den  Prinzen  Eitel  Friedrich  wird  aus  dem  k.  k.
Kriegspressequartier,  also  aus  bestunterrichteter
Quelle,  dem  „Berliner  Lokalanzeiger“  von  einem
Augenzeugen  Folgendes  berichtet:

Am  Doberdo  kam  ich  zufälliger  Weise  zu  einer
Mörserbatterie,  die  Interessantes  erlebt  hat.  Sie
gehört  zu  jenen,  die  als  erste  im  Weltkriege  zur
Ueberraschung  der  Engländer  und  Franzosen  von
ihrem  Dasein  Kunde  gaben.  Während  des  Bewegungskrieges
  an  der  deutschen  Westfront  war  die
Batterie  überall  da,  wo  das  glorreiche  Vordringen
der  deutschen  Armee  durch  Festungen  und  Verteidi-1860

  in  Schneidemühl,

—  Anser  Pommerland  —

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gungsanlagen  gehindert  wurde,  und  sie  riß  Tore
belgischer  und  französischer  Festungen,  manchmal
ohne  Mithilfe  der  deutschen  Schwesternbatterien  auf.
Luttich  war  schon  in  deutschen  Händen,  als  die
Batterie  an  der  Westfront  erschien.  Den  ersten
Schuß  gab  sie  auf  Namur  ab.  Für  die  Forts  de
Dandoi  und  de  Mezieères  genügten  einige  Volltreffer,
  um  den  hoffnungslosen  Widerstand  zu  brechen.
  Das  Fort  d'Etave  hißte  nach  einem  einzigen
Warnungsschuß  die  weiße  Flagge  eine  Vier.elstunde
  vor  dem  Ende  der  durch  die  Unterhandler
gebotenen  Frist.  Auf  französischem  Boden  trat  die
Batterie  dann  bis  Givet  in  Tätigkeit.  Am  2.  September
  fuhr  sie  über  Sedan  zur  Maas.  Die  Belagerung
  des  Forts  de  Troyon  war  noch  im  Gange,
als  es  durch  einen  riesigen  Kraftaufwand  der  Franzosen
  gelang,  die  dünne  deutsche  Linie  bei  Saint
Renis  einzudrücken.  Die  Mörserbatterie  befand  sich
so  zwischen  zwei  Fronten.  Der  Feind  hatte  sich
schon  auf  hundert  Schritte  an  die  Batterie  herangearbeitet,
  als  hinter  ihrem  Ohr  ein  dommerndes
Hurra  erscholl.  Die  Königsgrenadiere  gingen,  um
die  Batterie  zu  retten,  zum  Sturm  vor.  Ein  kräftiger
  Offizier  schritt  ungeachtet  des  Kugelregens,
der  ihn  empfing,  voran.  Ein  lauter  Ruf  übertönte
  das  Gewehrknattern  und  Kampfgetöse  der
Königsgrenadiere.  Er  besagte:  „Ein  Sohn  des
Kaisers  ist  es,  der  euch  zum  Sturme  führt!“  Die
dadurch  angefachte  Begeisterung  tat  Wunder.  Der
unwiderstehliche  Stoß  drängte  die  französische
Schwarmlinie  zurück.  Die  Batterie  montierte  indessen
  das  Geschütz  rasch  ab,  kehrte  um,  zog  sich
zurück  und  wurde  sofort  zur  Neuherrichtung  nach
Metz  geschickt.  Dort  erfuhr  sie,  daß  ihr  Retter
Prinz  Eitel  Friedrich  war.  Von  Metz  kehrten  die
Mörser  wieder  zur  Maas  zurück,  kämpften  bei
Loule,  Saint  Mihiel,  beschossen  das  Fort  de  Lioville
  und  arbeiteten  vier  Wochen  hindurch  in  den
Argonnen.  Kurz  nach  der  italienischen  Kriegserklärung
  war  die  Batterie  schon  am  Plateau  Doberdo
  in  Stellung,  und  jetzt  hält  sie  dort  treue
Wacht.

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Der  Brand  in  Poblotz.

In  der  letzten  Januarwoche  ist  bei  einem  großen
  Brande  in  Poblotz  das  ganze  Gebäude  des
Kinderheims  bis  auf  die  Umffssungsmauern  in
Flammen  aufgegangen.  Als  Glück  bei  dem  gro#en
Unglück  ist  noch  zu  betrachten,  daß  Verluste  an
Menschenleben  nicht  zu  beklagen  sind.  Ueber  die
Entstehungsursache  des  Brandes  ist  bisher  nichts
Zuverlässiges  bekannt  geworden.  Zurzeit  des  Brandes
  waren  annähernd  100  Kinder  in  dem  Gebäude
des  Heims  untergebracht,  die  nun  mit  ihrem  Pflegepersonal
  sich  in  bitterster  Not  befinden.  Vorläufig
hat  die  kleine  Schar  in  den  benachbarten  Gebäuden
ein  Unterkommen  gefunden.  Bei  der  herrschenden
Kälte  tut  aber  dringende  Hilfe  not  und  sind  Gaben
  aller  Art,  hauptsächlich  Lebensmittel  und  Kleidungsstücke
  sowie  Geldspenden  sehr  erwünscht.