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Kriegsnagelungen  ĩn  der  Provinz  Pommern.
Auch  in  unserer  Prodinz  Pommern  haben  es
sich  viele  Städte  nicht  nehmen  lassen,  durch  soge—
nannte  Kriegsnagelungen  ihren  patriolischen  Sinn
zu  beweisen  und  der  Opferwilligkeit  ihrer  Einwohner
  wieder  neue  Gelegenheit  zu  geben,  sich  zu  betätigen.
  Wir  werden  gern  an  dieser  Stelle  über
derartige  Nagelungen  berichten  und  bitten  um  allseitige
  gütige  Mitteilungen.  Von  einigen  uns  bekannt
  gewordenen  können  wir  schon  jetzt  Kunde  geben.
  So  wird  uns  aus  Stolp  mitgeteilt:
Die  Nagelung  der  Stolper  Kriegssäule  ist  an
Kaisers  Geourtstag  beendet  worden.  Der  Arbeitsausschuß
  gibt  nun  das  Ergebnis  der  Nagelung  bekannt

  Es  beläuft  sich  nach  Abzug  der  Unkosten
auf  21  205,31  Mk.  Dieser  Betrag  wurde  je  zur
Hälfte  dem  Roten  Kreuz  und  der  Städtischen

Kriegshilfe  zugewiesen,  wie  es  von  Anfang  an  geplant
  war.  Alle,  die  an  der  Nagelung  teilgenommen
  haben,  werden  sich  freuen,  daß  die  Säule  nun
ihren  Hauptzweck  erfüllt  hat.  Doch  wird  die
Säule,  wie  bekannt,  zum  Zeugnis  unserer  heutigen
großen  Zeit  den  späteren  Geschlechtern  erhalten
bleiben  und  somit  dauernden  Wert  besitzen.

Während  in  Stolp  die  Nagelung  der  Säule  am
27.  Januar  beendet  wurde,  weihte  man  am  gleichen
  Tage  in  Gützkow  das  dem  genannten  Zwecke
dienen  sollende  Eiserne  Kreuz  in  Verbindung  mit
dem  Stadtwappen  ein.  Ein  Bericht  über  die  Feier
in  Gützkow  sagt:

Zur  Feier  von  Kaisers  Geburtstag  hatten  sich
an  diesem  Tage  alle  Vereine,  Innungen  und  Körperschaften
  zum  gemeinsamen  Kirchgang  vereinigt.
Danach  bewegte  sich  der  staltliche  Festzug  mit  wehenden
  Fahnen  zur  „Reichskrone“,  wo  zur  Erinnmerung
  an  diese  Zeiten  ein  Wahrzeichen  genagelt
wurde.  Propst  Hoppe  eröffnete  die  Feierlichkeit  mit
einer  ergreifenden  Ansprache  an  die  Festversammlung,
  in  der  er  die  tiefe  symbolische  Bedeutung
dieses  Wahrzeichens  —  des  Eisernen  Kreuzes  in,
Verbindung  mit  dem  Stadtwappen  darlegte.
Darauf  eröffnete  Bürgermeister  Bierhals  als  Vertreter
  der  Stadt  die  Nagelung  mit  einer  Rede,  die
mit  den  ersten  Hammerschlägen  schloß.  Die  Beteiligung
  der  Bevölkerung  an  dem  Feste  war  so  rege,
daß  für  den  ersten  Nagelungstag  allein  ein  klingender
  Erfolg  von  ungefähr  800  Mark  verbucht
werden  konnte,  die  der  „Nationalspende  für  die
Hinterbliebenen“  überwiesen  werden  sollen.  Hinzugefügt
  sei,  daß  dieser  Erfolg  in  erster  Linie  der

—

Opferwilligkeit  der  Vereine  zu  verdanken  ist.  Die
eigentliche  Feier  endigte  mit  dem  Kaiserhoch,  das

Graf  Behr--Bandelin  ausbrachte.  «

*

Aus  Bergen  auf  Rügen  hören  wir,  daß
der  Reinertrag  der  Nagelung  eines  Eisermen  Kreuzes
  bis  zum  10.  Februar  5176,57  M.  betragen
habe  Aber  noch  viele  hundert  Nägel  harrten  an

Anser  Dommerland

diesem  Tage  ihrer  Bestimmung,  sodaß  die  Endsumme
  des  Ertrages  eine  viel  höhere  werden  dürfte.

*

Seidenraupenzucht  in  Dommern.
Das  „Berliner  Tageblatt“  brachte  vor  einiger
Zeit  einen  Hinweis:  Die  Seidenraupenzucht,  eine
Erwerbsmöglichkeit  für  invalide  Krieger.  Zu  diesem
  Thema  erhielt  genanntes  Blatt  eine  uns  Pommern
  ganz  besonders  interessierende  Zuschrift.  Sie
erinnert  an  die,  wie  es  scheint  ganz  vergessene
Tatsache,  daß  bis  in  die  sechziger  Jahre  hinein  in
Pommern,  also  im  nördlichen  Deutschland,  Seidenzucht
  in  ziemlich  großem  Maßstabe  betrieben  worden
  ist.  Daß  unter  Friedrich  dem  Großen  in  Preußen,
  besonders  in  der  Mark  Seidenzucht  und
Seidenfabrikation  schwunghaft  betrieben  wurde,  ist
ja  allgemein  bekannt,  daß  aber  beispielsweise  am
27.  Juli  1864  ein  einziger  Raupenzüchter,  G.  A.
Toepffer,  in  Stettin  720  „Metzen“  Kokons  allein
zum  Verkaufe  stellte,  weiß  man  nicht  mehr.  Italiener
  und  Franzosen  waren  Käufer,  aber  auch
eine  Haspelanstalt  zu  Stettin  war  am  Markte.  Es
ist  Tatsache,  daß  in  jener  Zeit  Pommern  zu  sehr
hohen  Preisen  Kokons  nach  Frankreich  und  Italien
lieferte,  und  zwar  sowohl  japanische  als  italienische
und  Kreuzungen  von  beiden.  Man  züchtete  damals
nicht  nur  Bombyr  mori,  den  eigentlichen  Maulbeerspinmer,
  sondern  auch  Bombyr  Yamamai,  die  von
Eichenblättern  lebt,  und  versandte  sowohl  Kokons
als  Grains.

*  *  *

Pommersche  Bücherschau.

Mittelalterliche  Wandmale—
Abbildun-Buchhand-



  Max,
reien  in  der  Kirche  zu  Dargitz.  Mit  7
gen,  Pasewalk  1914.  August  Schnurr
lung.  16  S.  gr.  Oktav.  Mk.  1.—.

Ueber  dies  für  jeden  Kunstfreund  hochinteressante
Werkchen  sagt  Prof.  Lemke,  Stettin  mit  treffenden
Worten:

„Da  die  Ausführungen  des  um  die  Heimatskunde
  Pommerns  wohlverdienten  Verfassers  es  wert
sind,  eine  möglichst  weite  Verbreitung  zu  finden,
erscheint  es  angezeigt,  sie  eingehender  zu  besprechen,
um  so  mehr,  als  es  sich  zugleich  um  eine  künstlerische
  Wiederherstellung  von  mehr  als  gewöhnlicher
Bedeutung  handelt,  und  die  Dargitzer  Kirche  nicht
nur  eine  der  ältesten,  sondern  auch  eine  der  besterhaltenen
  unter  den  alten  Dorfkirchen  Pommerns
ist;  gehört  sie  ja  doch  zu  den  mit  wunderbarer
Sorgfalt  geschichteten  Granitquaderbauten  des  13.
Jahrhunderts.  So  vortrefflich  das  Gebäude  in  seiner
  Außenseite  erhalten  ist,  so  mitleidlos  war  es  in
seiner  Innenerscheinung  im  Laufe  der  Jahrhunderte
behandelt  und  der  ganze  farbige  Schmuck  der  Wände
von  einer  alles  gleichmachenden  Kalktünche  verdeckt.