3.  Jahrgang

1915  1916

Nr.  10.

verbandsorgan

des  Dommernbundes  in  Berlin,  des  Verhehrsverbandes  für  pommern  und  die
Insel  Rügen  E.  D.,  des  Messenthiner  Waldvereins  und  des  Buchheidevereins.

ZHerausgegeben  von  ludwig  Hämann  und  Krnold  Koeppen  —  —  12  -#

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Kobert  Prutz.

Ein  Gedenkblatt  zum  30.  Mai  1916.

Wohl  läßt  die  große  und  schwere  Zeit,  die  wir
seit  den  Julitagen  1914  durchleben,  unsere  Herzen
höher  schlagen,  da  die  Tugenden  unserer  Ahnen  im
deutschen  Volke  in  gesteigertem  Maße  wieder  aufleben,
  doch  sie  ermahnt  uns  auch  zur  Einkehr  in
uns  selbst.  Und  da  sind  wir  unseren  Volksschäden
und  Schwächen  tiefer  nachgegangen;  wir  haben  erkannt,
  daß  all'  die  Nachäfferei  des  Ausländischen,
all'  die  Begeisterung  für  fremde  Literatur  und
Kunst  auf  Kosten  unserer  eignen  uns  auch  nicht  im
geringsten  die  Liebe  und  Zuneigung  der  feindlichen
Länder  zugezogen  hat  und  zuziehen  wird.  Wir  haben
  uns  sagen  müssen,  daß  wir  in  unsern  internationalen
  Bestrebungen  uns  selbst  zu  verlieren  in
Gefahr  kamen,  daß  nur  das  Festhalten  an  kerndeutschem
  Wesen,  an  deutscher  Eigenart,  die  sich  aber
fernhält  von  allen  Gebresten  unseres  Volkscharakters,
  daß  dies  allein  uns  zu  Persönlichkeiten  stempelt,
  die  dem  Gegner  wenn  nicht  Zuneigung,  so
doch  Achtung  einflößen;  nur  dann,  wenn  wir  unserer
  Stammesart  treu  bleiben,  kann  das  Wort  „an
deutschem  Wesen  soll  die  Welt  genesen“  in  Zukunft
zur  Wahrheit  werden.  Zu  solchen  deutschen  Persönlichkeiten,
  die  uns  vorbildlich  sein  können,  gehört
Robert  Prutz  aus  Stettin,  dessen  hundertsten  Geburtstag
  in  dankbarer  Erinnerung  zu  begehen  vor
allen  die  Pflicht  und  das  gute  Recht  seiner  engern
Heimat  Pommern  ist,  von  der  er  in  dem  frischen.
Walladenkranze  zu  Ehren  des  Herzogs  Bogeslov
ngt:

Ein  Pommerlied?!  Ja,  rümpft  die  Nasen:
Was  auch  der  Spötter  Witz  erfand,

Ich  liebe  doch  den  grünen  Rasen,

Wo  meiner  Kindheit  Wiege  stand;:

Ich  lieb'  der  Küste  waldge  Hügel,

Die  Haide,  wo  der  Meiler  raucht,

Die  Seen,  wo  mit  schwerem  Flügel

Der  Reiher  aus  den  Fluten  taucht.

Von  Kudolf  Göhler.

Sein  ganzes  Leben  hindurch  von  seinem  ersten  üöffentlichen
  Auftreten  als  Mitarbeiter  der  Halleschen
Jahrbücher  bis  in  seine  letzten  Leidensjahre  hinein
führt  er  unentwegt  den  Kampf  für  geistige  und  politische
  Freiheit,  für  ein  einiges,  deutsches  Vaterland.
  Dieses  hat  er  zu  seiner  Herzensdame  erkoren:


Vaterland,  du  holde  Dame,
Deine  Farben  laß  mich  tragen!
Einsam  du  in  deinem  Grame,
Dich  zu  trösten  laß  mich  wagenl!
Laß  gleich  Blondel,  dem  getreuen,
Meine  Lieder  dich  begrüßen,

Laß  gleich  Rosen,  dir  zu  Füßen
Meine  Huldigungen  streuen!

Dem  preußischen  Könige  ruft  er  zu,  den  „Dom  der
Freiheit"  auszubauen,  und  das  Idealbild  eines
deutschen  Fürsten  entwirft  er  in  seinem  Lustspiele
„Nach  Leiden  Lust“:

Denn  seines  Volkes  Stärke  sei  der  Fürst,

Sei  seine  Hand,  sein  Kopf,  sein  inmerst  Herz!
Was  alle  wollen,  was  den  Guten,  Besten

Den  Busen  schwellt,  doch  was  des  Lebens  Not
Selbst  auszuführen  ihnen  nicht  vergönnt,

Die  brünstige,  die  Sehnsucht  des  Jahrhunderts:
Befried'gen  soll  sie  und  erfüll'n  der  Fürst!
Der  Zukunft  treuer  Pförtner  soll  er  sein,

Der  Freiheit  Schirmvogt,  Bannmerherr  der  Zeit!

In  seinem  Trauerspiel  „Moritz  von  Sachsen“  zeichnet
  er  diesen  vielumstrittenen  Fürsten  als  den  Vertreter
  deutscher  Einheit  und  den  Verfechter  deutscher
Freiheit;  und  in  „Erich  der  Bauernkönig“  sucht  er
auszuführen,  daß  die  Freiheit  eines  Volkes  sich
nicht  auf  Sünde  aufbauen  darf,  daß  es  nur  reinen,