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Hönden  gelingt,  ein  Volk  freizumachen.  Allen  Versolgungen,
  die  Prutz  von  Weimar  und  Berlin  aus
drohten,  hat  er  mutig  standgehalten;  er  hat  den
Kampf  mit  den  Sorgen  des  täglichen  Lebens  als
freier  deutscher  Schriftsteller  tapfer  durchgefochten,
bis  schwere  Krankheit  ihn  nötigte,  vom  Schauplatze
des  öffentlichen  Lebens  sich  in  die  Stille  seiner
Heimat  zurückzuztehen.  Dabei  gab  er  aber  nie  die
Hoffnung  auf  eine  glückliche  Zukunft  seines  geliebten
  Vaterlandes  auf,  immer  hielt  er  diesem  die
Treue.  Als  ernster  Warner  trat  er  seinem  Freunde
Arnold  Ruge  in  der  Schrift  „Vaterland?  oder  Freiheit?“
  entgegen,  als  dieser  nach  Paris  übersiedelte,
und  an  Georg  Herwegh,  der  nach  seiner  Verbannung
  aus  Preußen  und  Zürich  das  Bürgerrecht  in
dem  Kanton  Baselland  erworben  und  seinen  Wohnsitz
  nach  Paris  verlegt  hatte,  schrieb  er  am  26.  11.
1843:  „Ein  Poet  muß  mit  seinem  Vaterlande,  in
seinem  Vaterlande  leben,  lieben,  leiden,  auf  die
Festung  gesteckt  werden  und  sich  am  Bart  zupfen
lassen,  wenn  es  sein  muß,  von  öffentlichen  und.
literarischen  Polizeiknechten,  aber  das  Feld,  das  angebarene
  seines  Vaterlandes,  muß  er  nicht  räumen.
Er  läuft  sonst  Gefahr,  daß  jenes  geheimmisvolle
Band  der  Sympathie,  das  sein  innerstes  Fühlen
  und  Denken  mit  dem  Fühlen  und  Denken
  seiner  Zeit  und  seines  Volkes  verbindet,
  zerreißt  und  er  aufhört,  das  zu  sein,  wozu
Gott,  sein  Gott,  der  höchste  Gott  der  Geschichte  ihn
bestimmt  hat:  der  tönende  Mund,  das  brausende
Herz  seines  Volkes!“  Immer  hatte  Prutz  das  große
deutsche  Vaterland  im  Auge.  Bedauerte  er  deshalb
lebhaft,  daß  die  Kriege  Friedrichs  des  Großen,  obwohs
  im  Geiste  der  Freiheit  geführt,  Siege  von
Deutschen  über  Deutsche  waren,  so  traf  es  ihn  wie
ein  Donnerschlag,  als  sich  die  Verhältnisse  Deutschlands
  1866  zu  einem  Bruderkriege  zwischen  Preußen
  und  Oestreich  zuspitzten.  „Möglich  sollen  alle
Kriege  sein,  aber  unmöglich  ist  ein  Krieg  im  eigenen
  Lande,  Deutscher  gegen  Deutsche“,  so  rief  er
bereits  1844  in  seiner  Schrift  „der  nächste  Krieg"
aus.  Dieser  Gedanke  beherrschte  so  sehr  seim  von
Vaterlandsliebe  erfülltes  Herz,  daß  er  übersah,  wie
einerseits  Oestreich  nicht  mehr  Macht  und  Geltung
aenug  in  Deutschland  besaß,  um  alle  deutschen
Stümme  von  neuem  unter  seinem  Szepter  zu  vereinen,
  anderseits  aber  die  Hohenzollern  durch  ihr
Eintreten  für  Deutschlands  Größe  seit  der  Zeit  des
Großen  Kurfürsten  es  verdient  hatten,  die  führende
Stellung  in  Deutschland  einzunehmen.  Es  mußte
infolge  dessen,  wenn  auf  friedlichem  Wege  die  Lösung

  nicht  gefunden  werden  konnte,  ein  Bruderkampf
  —  der  letzte  —  die  Entscheidung  bringem:
und  es  war  die  Aufgabe  der  preußischen  Staatskunst,

  nach  siegreicher  Beendigung  dieses  Kampfes
eine  Verständigung  zwischen  Oestreich  und  Preußen
anzubahnen,  welche  die  noch  bestehenden  Gegensätze
  endailtig  beseitiate  und  zu  einem  dauerndem
Bündnisse  führte.  Aus  diesem  Berkennen  der  politischen
  Lage  heraus  entstanden  Prutz“  „Terzinen

Unser  Dommerland

Mai  1866“".  Als  dann  die  Schlacht  bei  Königgrätz
geschlagen  war,  fühnte  er  seinen  Irrtum  durch  die
„Terzinen  Juli  1866“"“,  in  denen  er  die  deutschen
sühsen  um  den  vollen  Erfolg  des  Sieges  anflehte:


Laßt  über  Deutschland  eine  Sonne  scheinen,

Und  seht,  wie  rasch  ihr  heil'ger  Strahl  wird
zünden:

Der  Freiheit  Sonne  ist  es,  die  wir  meinen  —

Denn  nur  die  Freiheit  darf  die  Einheit  gründen!

Im  übrigen  zeugt  aber  seine  obenerwähnte  Schrift
„Der  nächste  Krieg“  von  tiefer  politischer  Einsicht:
einen  Krieg  gegen  England  hält  er  solange  für
ausgeschlossen,  bis  eine  völlige  Emanzipation  des
deutschen  Handels  vom  britischen  vorausgegangen
ist.  Ein  Bündnis  mit  Frankreich,  dessen  Ziel  die
Freiheit  ist,  erscheint  ihm  das  natürliche;  diesem
steht  jedoch  zunächst  gegenüber  der  Haß  des  deutschen
  Volkes  gegen  den  Erbfeind  unseres  Stammes
und  unser  Anspruch  auf  Elsaß,  sowie  auf  der  anderen
  Seite  die  Ansprüche  der  Franzosen  auf  das
Rheinufer;  es  ist  deshalb  ein  kriegerischer  Austrag
zwischen  beiden  Völkern  unausbleiblich.  Der  Krieg
gegen  Rußland  aber,  das  Land  der  Gewaltherrschaft,
  ist,  wenn  auch  in  nächster  Zeit  nicht  zu  erwarten,
  so  doch  nicht  nur  wünschenswert,  sondern
notmendig.  Durch  einen  Sieg  über  Rußland  würden
  unzählige  Verwicklungen  der  europäischen  Politik
  sich  auflösen,  „Polen  wieder  hergestellt,  die
Türkei  der  christlichen  Bildung  zurückgegeben,  Griechenland,
  aus  seinem  jetzigen  Scheindasein  auf  eine
Basis  gestellt,  breit  genug,  um  ihm  die  nötigen  Lebenssäfte
  zuzuführen,  die  Donauländer  bis  an  das
schwarze  Meer  zu  einem  slavischen  Mittelreich  unter
deutscher  Oberhoheit  vereinigt,  vor  allem  aber  die
russischen  Ostseeprovinzen  unserm  Vaterlande  zurückerobert
  und  diese  Unglückseligsten  unsrer  Brüder,
diese  Geächteten,  Preisgegebenen,  wieder  aufgenommen
  werden  in  die  Gemeinschaft  des  deutschen
Geistes.“

Prutz  war  eine  äußerst  vielseitige  Natur.  Was
seine  wissenschaftlichen  Arbeiten  anlangt,  so  zeichnen
sich  diese  durch  ein  umfassendes  Wissen,  durch  die
Weite  des  geistigen  Horizonts  und  durch  die  Klarheit
  der  Darstellung  aus,  Eigenschaften,  zu  denen
wir  gern  die  bisweilen  sich  bemerkbarmachende  Breite
der  Ausführung  in  Kauf  nehmen.  Sein  Werk  über
Ludwig  Holberg,  dem  er  eine  meisterhafte  Uebertragung
  von  12  Komödien  hinzufügte,  ist  noch
heute  das  Gediegenste,  das  über  diesen  dänischen
Dichter  geschrieben  ist.  Seine  „Zehn  Jahre.  1840
bis  50.  Geschichte  der  neuesten  Zeit“,  die  freilich
nur  bis  Mai  1843  reichen,  bilden  in  Verbindung
mit  dem  „Taschenbuch  der  neuesten  Geschichte“  1.
Jahrgang  1849  ein  vortreffliches  Quellenwerk  für
diese  Zeit,  und  es  ist  nur  zu  bedauern,  daß  die
Geschichte  des  deutschen  Journalismus“  unvollendet
geblieben  ist.  In  diesen  wie  in  seinen  zahlreichen