de  hett  sich  upfidümmt  as  'n  Pingst-oß;
von  der  gilt
Bawen  Schmuckdauk,  unner  Schmutzfaut.
baben  fix  un  unner  nix,
oben  hui  und  unten  pfui,
von  oben  beglissen,  von  unten  beschissen.“
Die  gehört  zu  der  Sorte,  die  da  sagt:
„Reinlichkeit  is't  halwe  Leben;
Pingsten  dreigen  wi  dat  Hemd  üm,
wat  wi  Ostern  antreckt  hebben.“  8)
Die  ist  zu  kalbrig  und  flötet,  singt  und  lacht
ganzen  Tag;
fläuten  Frugenslür,  dägen  nicks.
Wer  nah  springende  Fisch  fischt
un  nah  singende  Mäkes  frigt,
dei  is  bedragen.  9)
Dat's  ein  licht  Fleig  (d.  i.  leichtfertig),
son  richtig  Danzfleig,
und  treibt  sich  spät  abends  umher:
gode  Deerns  un  gode  Gös'  komen  bi  Tid  nah
Hus.  10)
De  is  so  windig  as  d'’fleegenden  Holläumer,
de  is  so  wild  as'’n  jöhrig  Fahlen.
Wieder  eine  andere  ist  zu  schüchtern  und  zimperlich,
so  eegen  as  oll  Ritsch  ea  Jüssel,
de  wull  nich  alleen  up  d'  Strat  gahn;
so  eegen  as  oll  Finksch  ea  Hinm,
de  wull  nich  ohn  Nest  ea  Ei  legg'n;
so  eigen  as  Mira  sin  Zäg,
dei  wull  nich  uttam  leddga  Stüppel  fräta.  11)
Mit  den  Mädchen  im  Dorf  ist  es  also  nichts.
Da  ist  es  dem  Heiratslustigen  ganz  recht,  daß  ihm
der  alte  Moses  beim  Pferdehandel  von  einem  reichen,
  hübschen,  tüchtigen  Mädchen  in  N.  erzählt,
die  „ganz  geschaffen  wäre  wie  zu  einer  Frau“  für
ihn:  „Sie  ist  die  jüngste  von  drei  Schwestern;  die
beiden  andern  sind  schon  weg:
de  Dierns  gahn  weg  as  warme  Semmel!“  12)
Er  erkundigt  sich  nach  ihr  hier  und.  da  und  macht
sich  dann  auf,  um  unter  irgend  einem  Vorwand
Wirtschaft  und  Hof  ihrer  Eltern  in  Augenschein  zu
nehmen.  Mit  Wohlgefallen  betrachtet  er  zuerst  den
mächtigen  Dunghaufen;
8)  Reinlichkeit  is't  halwe  Leben,  sär  de  Dirn  un
fegt'n  Disch  mit'’'n  Bessen  af.
9)  Wenn  Mädchens  flöten  und  Hühner  krähen,
den'n  muß  man  bei  Zeiten  das  Gnick  umdrehen.

Jungs,  de  singen,  un  Mätens,  de  fläuten,  de
dögen  nicks.
10)  „Dat  is  de  Goos  recht,  worüm  is  sei  nich  bi
Dag  nah  Hus  gahn!“
säd  de  Voß;  dor  beet  hei  ehr  dem  Kop  af.
11.  Se  is  so  eigen  as  Bonowe  sin  Farka  —
so  eegen  as  Tant  Wangerinsch  ehr  Kinnerkes.
12)  We  ma  ein  Pund  Botte  ut  dem  Korf  verköfft
  het  un  dei  schmeckt,  denn  hole  se  de  anner
  na.

den

Unser  Dommerland

255

wo  väl  Meß  is,  is  väl  Gild.  13)
Leider  findet  er  Bauer  und  Tochter  nicht  daheimste
  sind  draußen  auf  dem  Felde.  Dafür  trifft  er  die
Bäuerin  am  Bulterfaß  mit  einem  Gesicht,  das  vor
Anstrengung  glüht  wie  eine  Päonie.  Das  ist  ein
gutes  Zeichen:

wie  die  Sahne,  so  die  Butter,

und  die  Tochter  wie  die  Mutter.

Ort  lett  nich  von  Ort;

de  Appel  föllt  nich  wit  vom  Stamm,

so  as't  Schaup  is,  so  ward't  Lamm.  14)

Aber  ihm  steigt  doch  das  Bedenken  auf:
„Düchtig  Mütter  trecken  oft  ungüchtig  Döchter
up.“
einigen  halb  verlegenen,
sich  vor,

So  entfernt  er  sich  nach
nichtssagenden  Redensarten  und  nimmt
wiederzukommen:;

Ma  mutt  de  Katt  nich  im  Sack  köpen.  —  —

Gut  Ding  will  Weile  haben.

So  dauert  es  vierzehn  Tage,  bis  er  sich  wieder  auf
dem  Hofe  sehen  läßt.  Inzwischen  hat  der  alte  Moses
  schon  dafür  gesorgt,  daß  man  dort  über  seine
geheimen  Absichten  nicht  mehr  im  Unklaren  ist.

Auf  dem  Hofe  hält  vor  dem  Stall  ein  Fuder
Heu,  und  darauf  steht  eine  stämmige  Dirn  und
stakt  mit  kräftigem  Schwunge  das  Heu  in  die  Luke.

„Dat  is  ne  Dirn  as  'n  Dausl“
denkt  der  Freier  und  tritt  ins  Haus.  Die  Bäuerin
führt  ihn  in  die  gute  Stube,  und  es  dauert  nicht
lange,  da  hört  er  die  Tochter

flink  wie  ein  Wiesel
an  der  Tür  vorüber  in  die  Küche  eilen.  Und  als
sie  dann  in  sauberer  Schürze  den  Kaffee  hereinbringt,
  da  sieht  er,  daß  der  alte  Moses  nicht  übertrieben
  hat:

„„De  Deern  is  so  glatt,

lickt  hett.“  15)
Nachher  führt  ihn  der  schweigsame  Vater  durch  die
ganze  Wirtschaft,  und  befriedigt  verläßt  der  Freier
den  Hof,  nachdem  seine  Wirte  für  den  nächsten
Sonntag  eine  Erwiderung  des  Besuches  zugesagt
haben.

Als  er  weg  ist,  hält  die  Mutter  mit  ihren  Bedenken
  nicht  zurück:  er  ist  nur  untersetzt  und  ein
Krauskopf,  und  jeder  weiß

„Kleine  Töpfe  kochen  bald  über,
und

13)  Wo  Meß  is,  is  Brot.

Wo  't  god  stinkt,  da  't  god  klinat.
Von  den  Töchtern  der  wohlhabenden  Bauern  aber
heißt  es

„je  dicker  der  Drank,  desto  fetter  de  Schwin,“
dagegen

„väl  Schwin  maken  den  Drank  dünmn“,
wenn  das  Vermögen  in  zu  viele  Teile  geht.

14)  Aber  kein  Häster  (Elster)  heckt  'n  Duw  ut.

15)  Dat  is  ne  Diern  as  ut'n  Ei  pöllt,

De  is  so  schmuck  wie  e  Poß.

as  wenn  ehr  de  Bull