1915  1916  Nr.  11/12.

des  Dommernbundes  in  Berlin,  des  Verkehrsverbandes  für  Pommern  und  die
Insel  Rügen  E.  v.,  des  Messenthiner  Waldvereins  und  des  Buchheidevereins.

3.  Jahrgang
Verbandsorgan

herausgegeben  oon  Ludwig  hamann  und  Hrnold  Kocppen  —  —'  12  12

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Die  Karl  —  Hie  Greifl

Bilder  aus  den  brandenburgilch-pommerschen
Kämpfen  vor  fünfhunderf  Jahren.

J.

Die  mittelalterliche  Enge  der  guten  Stadt  Kost—
nitz  am  Bodensee  konnte  sie  nicht  fassen,  die  Zahl
der  Gäste;  nie  hatte  sich  unter  ihren  spitzen  Gie—
beln  je  eine  so  glänzende  Versammlung  zusammengefunden,
  weilten  doch  sogar  ein  Kaiser  und  ein
Papst  in  ihren  Mauern.  In  ihren  Gassen  sah  man
die  Mitra  der  Bischöfe,  den  roten  Hut  der  Kardinäle,
  den  violetten  Talar  gelahrter  Doktoren,  den
Helmbusch  der  Ritter,  die  Kapuze  der  Mönche;  und
Krämer  und  Wechsler,  Kriegsmänner  umd  Abenteurer
  aller  Art  und  aller  Länder  belebten  die
bunte  Zeltstadt  vor  ihren  Toren.  Der  alte  Glanz
mittelalterlicher  deutscher  Kaiserhervlichleit  leuchtete
über  Europa.  Aber  es  war  zum  letzten  Male,  daß
sich  auf  deutschem  Boden  eine  Reichs=  und  Kirchenversammlung
  von  solchem  Glanz  vereinigt  hatte,

eine  Versammlung,  auf  welcher  sich  neben  den
Reichsfürsten  auch  Gesandte  der  fremden  Könige,
zum  Teil  prinzlichen  Geblüts,  neben  deutschen

Bischöfen  auch  Prälaten  aus  England,  Frankreich,
Italien,  Schweden,  ja  aus  Spanien  und  dem  fernen
  Byzanz  eingestellt  hatten.  Zum  letzten  Male

vereinte  sich  die  gesamte  abendländische  Christenhett
  zu  einer  großen  Gemeinschaft  im  Schatten

der  deutschen  Kaiserkrone;  denn  der  Glanz  dieser
Krone  fing  an  zu  verbleichen,  das  römische  Reich
wankte  dem  Grabe  entgegen.  Aber  wie  der  absterbende
  Baum  sich  selbst  fortpflanzt,  indem  er  ein
Samenkorn  aus  seinen  Zweigen  in  den  Boden  fallen
  läßt,  dem  er  entwuchs,  so  sorgte  auch  das  alte
römische  Reich  dafür,  daß  in  seine  morschen  Trümmer
  der  Keim  zu  einem  neuen  machtvollen  Reiche
deutscher  Nation  gesenkt  wurde,  indem  Kaiser  Sie-Von

  Fritz  Thiele  in  Stettin.

gismund  vor  einem  halben  Jahrtausmd  am
30.  April  1415  —  scheinbar  nur  als  Nebenhandlung,
  in  Wirklichkeit  aber,  wie  die  Folgezeit  dartun
  sollte,  als  folgenreichstes  Ergebnis  der  ganzen

Tagung  —  eine  Urkunde  unterzeichneie,  in  welcher
  er
„den  hochgeborenen  Friedrich,  Burggraf  zu

Mürnberg  in  Ansehen  und  Betracht  seiner  Redlichkeit,
  Dernunft,  Macht,  Festigkeit  und  anderer
seiner  Tugenden,  insbesondere  aber  seiner  lauteren
und  bewährten  Treue,  die  er  gegen  uns  hat,  zu
unserem  rechten  Obristen,  Derweser  und  hauptmann
  über  die  Alark  bestellt  hat,  und  in  der
Absicht,  daß  der  Friede  und  die  Besserung  in
der  Mark  erhalten  bleiben  und  zunehmen  möge,
dem  vorgenannten  Friedrich  und  seinen  Erben
die  Mark  und  das  Kurfürstentum  mit  dem  Erzkammermeisteramte
  und  mit  allen  und  jeglichen
Würden,  Ehren  und  Rechten,  Landen  Lnädiglich
gegeben  und  ihn  zu  einem  wahren  und  rechten
Mäarkgrafen  darüber  gemacht  hat“.

Ein  halbes  Jahr  später,  im  Oktobermonat  1443,
ritt  der  neue  Kurfürst  durch  das  Teltower  Tor  in
die  Doppelstadt  Berlin-Kölln  ein,  neben  ihm  die
beiden  Bischöfe  des  Landes,  von  Lebus  und  von
BVrandenburg.  In  seinem  Gefolge  sah  man  nicht
nur  wie  vor  drei  Jahren  schwert=  und  sporenklirrende
  Ritter  in  der  knappen  Tracht,  wie  sie  die

höfische  Sitte  des  fränkischen  Südens  vorschrieb,
sondern  auch  die  weiten  Gewänder,  wie  man  sir

im  Sande  des  märkischen  Nordens  trug,  denn  inn
begleiteten  heute  auch  die  schloßgesessenen  Herren,
die  sich  damals  noch  in  trotzigem  Unabhängigkeitssimm
  verschworen  hatten,  ihn  nicht  in  der  Mark  auf-