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kommen  zu  lassen,  und  „wenn  es  ein  ganzes  Jahr
Burggrafen  regnen  sollte.“

Und  die  stolzen,  selbstbewußten  Bürger  Berlins
hatten  ihm  ihre  Tore  geöffnet  und  erwarteten  ihn
mit  einer  gewissen  Beklemmung,  aber  auch  mit  Bewunderung,
  ja,  zum  Teil  wohl  auch  mit  Vertrauen.

Und  am  21.  Oktober  1415  sprachen  alle  —  Ritter
  und  Bürger  —  vor  den  „Hohen  Hause“  in  der
Klosterstraße  die  Huldigungsworte  nach,  die  Johann
  von  Waldow,  Propst  von  Berlin  und  Landschreiber
  der  Mark,  mit  vernehmlicher  Stimme  verlas.
  „Wir  huldigen  und  schwören  Herrn  Friedrich
und  seinen  Erben,  Markgrafen  zu  Brandenburg,
eine  rechte  Erbhuldigung,  als  seinem  rechten  Erbherren
  getreu  und  gehorsam  zu  sein  als  uns  Gott
helse  und  seine  Heiligen!“

„Na  frede  stundt  all  sin  beger,
Hy  steit  na  guden  freden,"

so  sang  man  von  ihm.  War  dieses  Friedensverlangen
  des  Zollern  Schwäche?  Zuerst
sie's  alle  geglaubt,  wie  er  es  mit  Leutseligkeit  und
freundlichem  Zureden  versucht  hatte,  aber  er  hatte
es  ihnen  bald  gezeigt,  was  für  eine  Bewandtnis
es  mit  dem  „Nürnberger  Tand“  hatte.  Am  Friesacks
  Mauern  war's  zu  lesen,  und  der  Hauptgegner
des  Landadels,  Dietrich  von  Quitzow,  hatte,  mit
der  Reichsacht  beladen,  fliehen  müssen.  Alles  in
allem:  Wer  es  gut  mit  der  Mark  meinte,  der  konnte
sich  des  neuen  Landesherren  freuen,  wer  sie  aber
zu  seinem  persönlichen  Vorteil  ausbeuten  wollte,  der
mußte  die  Stirn  in  Falten  ziehen.

II.

Um  dieselbe  Zeit,  als  die  Huldigung  der  märkischen
  Stände  dem  Kurfürsten  bezeugte,  daß  er  un—
umschränkter  Herr  der  Mark  sei,  saßen  auch  die  bei—
den  Herzöge  von  Pommern-Stettin,  Kasimir  und
Otto,  sorgenvoll  auf  ihrem  Greifenschloß  am  Oderstrom.
  Seit  dieser  Nürnberger  Burggraf  in  ihr
Nachbarland  eingezogen  war,  war  ihnen  Mißerfolg
auf  Mißerfolg  beschieden  gewesen.  Jetzt  lastet!  sogar
  die  Reichsacht  auf  ihnen  und
Und  das  verdankten  sie  im  Grunde  niemand  anders
  als  ihm,  dem  neuen  Kurfürsten,  dem  einflußreichen
  Freunde  des  Kaisers  Sigismund,  zu  dem
sie  jetzt  —  es  gab  keinen  andern  Ausweg  —  einen
demütigenden  Bittgang  unternehmen  mußten.  Und
ihre  Erinnerung  schweifte  zurück  in  jene  Zeit,  als
er  zum  ersten  Male  aus  seinem  fränkischen  Süden
herabgestiegen  war  in  das  Land,  das  sie  schon  als
ihr  eigen  betrachtet  hatten.  Denn  damals  war  der
Herzog  von  Pommern-Stettin  Herr  der  Mark.  Seit
die  schwachen  Markgrafen  aus  dem  Wittelsbacher
Geschlecht  zum  Dank  für  die  in  den  Unruhen  des
falschen  Waldemar  geleistete  Hilfe  1354  weite  Teile
der  Uckermark  an  die  Fürsten  Pommerns  abgetreten
hatten.  Seit  Herr  Jobst  von  Mähren,  der
Statthalter  der  Mark  —  getreu  seinem  Wahlspruch:
Iß,  was  gar  ist,  trink,  was  klar  ist,  nimm,

Unser  Dommerland

hattem

ihrem  Lande.

was  bar  ist  —  sogar  ihrem  Vater  selig,  Herrn
Swmantibor,  die  Hauptmannschaft  der  Mi.ttelmark
übertragen  hatte.  Niemand  der  bayerischen  und
luxemburgischen  Herren  hatte  auch  daran  denken
können,  das  alte  Erbe  der  tatkräftigen  Anhaltiner,
die  Lehnshoheit  über  Pommern,  zu  beanspruchen.
Gerade  in  diese  glückliche  Zeit  platzte  der  Hohenzoller
  hinein,  und  an  ihren  alten  Vater  war  bald
von  ihm  der  gemessene  Befehl  ergangen,  die  uckermärkischen
  Gebiete  herauszugeben.  Herzog  Swantibor
  selbst,  alt,  kränklich  und  voller  Verdruß  über
seinen  Rücktritt  aus  einflußreichen  märkischen  Aemtern.
  lebte  nur  noch  auf  seinen  Landgutern  und  in
Klstern,  aber  sie,  seine  Söhne  Kasimir  und  Otto,
voller  Jugendmut  und  Ehrgeiz,  hatten  zum  Schwerte
gegriffen,  um  ihre  Rechte  zu  verteidigen.  Sie  hatten
  die  Unbilden  vergessen,  die  der  märkische  Adel
ibrem  Vater  zugefügt  hatte,  sie  wußten,  daß  die
Ritter  des  Hovellandes  ebenfalls  in  Friedrich  von
Hohenzollern  den  gefährlichen  Feind  erblidckten,
und  hatten  mit  Dietrich  von  Quitzow  ein  Bündnis
geschlossen,  und  mannhaft  hatten  sie  die  Brandenburger
  angegriffen  am  Kremmer  Damm,  am  Columbanstage
  1412.  Sie  hatten  sich  gewiß  tapfer
geschlagen,  mußte  doch  Graf  von  Hohenlohe,  der
oberste  Hauptmann  der  Märker  und  Franken,  auf
der  Wahlstatt  bleiben,  und  gewiß,  das  war  ihnen
später  bewußt  geworden,  wenn  sie  den  Sieg  ausgenutzt
  hätten,  wäre  ihnen  ein  voller  Sieg  geworden.
  Aber  sie  wollten  ja  nur  ihr  Erbe  behaupten,
außerdem  war  mit  dem  aufbrausenden  Dietrich  von
Quitzow  nicht  fertig  zu  werden  gewesen.  Dam
aber  war  in  ihrem  Rücken  ein  Umwetter  aufgezogen.
  Was  den  Waffen  des  Zollern  nicht  gelungen
war,  das  brachte  sein  diplomatisches  Geschick  zuwege.
  Markgraf  Friedrich  hatte  nämlich  dem  andern
  Zweig  des  Greifenhauses,  Pommern-Wolgast,
auf  seine  Seite  gebracht,  ja  dessen  Herzog  Wartis-=law
  zu  einem  Schutzbündnis  zu  bewegen  vermocht.
Dirch  eine  Heirat  wollte  der  Markgraf  sein  Haus
an  das  Wartislaws  ketten,  indem  er  seine  Tochter
Margavete  mit  einen  Pommern-Wolgaster  Prinzgen
verlobt  hatte,  der  ja  dann  aber  gestorben  war,
lang  bevor  die  Braut  das  für  die  Vermählung  festgesetzte
  zwölfte  Jahr  erreicht  hatte.  So  war  es
denn  gekommen,  daß  sie  den  günstigsten  Augenblick,
sich  mit  Hilfe  des  havelländischen  Adels  gegen  die
Anmaßung  des  Burggrafen  zu  behaupten,  glücklich
verpaßt  hatten.  Sie  hatten  untätig  zugesehen,  wie
der  Hohenzoller,  der  plötzlich  gezeigt  hatte,  daß  er
die  Statthalterschaft  in  einem  anderen  Sinne  handhaben
  wolle  als  seine  Vorgänger,  mit  Donmerbüchsen
den  havelländischen  Adel  in  seinen  Raubnestern  Besuche
  abstattete  und  ihn  sich  unterwarf.  Denn  als
sie  noch  hin=  und  herrieten,  ob  sie  diesem  helfen
sollten,  stand  plötzlich  der  mächtige  Dietrich  Quitz
vor  ihnen,  landesflüchtig  und  mit  der  Reichsacht
beladen.  Der  ungebändigte  Trotz  des  alten  Eisenkopfes
  war  aber  durchaus  nicht  gebrochen.  Er  hatte
versucht,  sie  gegen  Brandenburg  aufzuhetzen,  aber