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ausgenommen  und  mit  der  Weisung  der  Be—
lehnten  an  den  gedachten  Markgrafen“  und  weiter,
„daß  die  Reichsbelehnung  der  Stettiner  Herzoge
den  Rechten  des  Markgrafen  Friedrich
  und  der  Mark  keinen  Eintrag  tun
sollte,  und  Siegismund  deshalb  aus  krniglicher
Machtvollkommenheit  den  Inhalt  aller  ergangenen
  Briefe,  welche  die  Herrlichkeit,
Rechte,  Freiheiten,  Privilegien  der  Mark  und  ihr
redliches  Herkommen  schwächten,  wi  derriefl!“

IV.

Daß  der  Einfluß  des  Siegismund  eng  befreundeten
  Markgrafen  auf  die  Gestaltung  der  Urkunde
mitgewirkt  hat,  geht  daraus  hervor,  daß  dem  Herzoge
  Wartislaw  von  Pommern-Wolgast  die  Bestätigung
  seiner  älteren  Lehnsbriefe  ohne  Einschrönkungen
  und  Klauseln  zu  teil  wurde.  Man  kann  es
daher  wohl  verstehen,  wenn  Herzog  Otto,  grollend
über  die  Parteilichkeit  des  Kaisers,  die  dem  Brandenburger
  so  unverblimt  die  Lehnshoheit  über  die
Mark  zusprach,  in  die  Heimat  zur'ckkehrte  und  beschloz,
  seine  Rechte  mit  dem  Schwerte  zu  verteidigen.
  Es  gelang  den  beiden  Stettiner  Herzögen
auch,  einen  furchtbaren  Bund  gegen  den  Brandenburaer
  zusammenzubringen.  Eingedenk  der  gemeinschaftlichen
  Abkunft  vergaßen  die  beiden  pommerschen
  Herzogslinien  diesmal  ihre  Eifersichteleien
und  versprachen  sich  beizustehen.  Auch  die  Meckl'mburger
  Herzöge  fürchteten,  bei  dem  stets  wachsenden
Einflusse  des  Kurf  rsten  Friedrich  in  dessen  Abhänatgkeit
  zu  geraten  und  traten  dem  Bunde  hei,
ebenso  die  Herzöge  von  Braunschweig  und  Sachsen-Lauenburg,
  fa  Polen  und  der  nordische  Unmionskönig
  Erich  sagten  Unterstützung  zu.  Allerdinas
hatten  die  Verböndeten  gleich  zu  Anfang  des  Feldzuges
  1419  ein  empfindliches  Mißgeschick.  Herzog
Joham  von  Mecklenburg-Stargard  geriet  in  die
Gesangenschaft  der  Märker.  Um  die  Befreiung
ihres  Sivpen  zu  erzwingen,  sielen  die  Verbündetem
in  märkisches  Gebiet  ein.  Intere'ssant  sind  im  Vergleich
  zu  den  heutigen  Kämpfen  die  Kahlen  der
Streiter.  Die  Streitmacht  der  Mecklenhurger  bestand
  aus  tausend,  die  der  Herzöge  von  Pommern-Stettin
  gar  nur  aus  vierbundert  Gewappneten.  Die
Verennung  der  Stadt  Strafburg  muste  am  dem
mannhaften  Mute  der  Einwohner  scheitern,  die  von
den  Toren  und  Mauern  mit  Donnerbüchsen  Steinkugeln
  gegen  die  Stürmenden  schleuberenn.  Dabei
fällte  eine  einzige  Steinkugel  vier  starke  Männer,
wöhrend  zualeich  zwanzig  Mann  zur  Erde  stürztem
So  wurde  die  Belagerung  von  Straßburg  aufgedeben.


Mehr  Gläck  hatten  die  Pommern  vor  Prenzlau,
das  ihnen  nicht  widerstehen  konnte.  Aber  schon
nahte  den  Märkern  Hilfe.  Ihr  Markgraf,  der  als
Reichsfeldherr  gegen  die  Hussiten  im  Felde  gestanden
  hatte,  kam  herbei,  zwang  die  Mecklenburger
zun  Waffenstillstand  und  warf  sich  dann  auf  die

Unser  Dommerländ

Stettiner,  und  es  gelang  ihm,  den  Pommern
„Ketzer-Angermünde“  zu  entreißen.  Nur  das  Schloz,
welches  von  Johann  von  Briesen  verteidigt  wurde,
konmte  er  in  der  Eile  nicht  bezwingen.  Um  gegen
Ueberfälle  der  Pommern  geschützt  zu  sein,  erbaute
er  mitten  in  der  Stadt  eine  Wagenburg,  die  er  mit
Donnerbüchsen  ausstattete.  Den  älteren,  bedächtigen
Herzog  Kastmir  hinderte  ein  Augenübel,  den  Oberbefehl
  über  die  Pommern  zu  übernehmen,  und  die
unbesonnene  Kampfesbegier  des  jüngeren,  Oto,
brannte  darauf,  Joham  von  Briesen  in  dem  bedrängten
  Schloß  Angermünde  zu  entsetzen;  und
ohne  die  Ankunft  der  5000  anmarschierenden  Polen
und  die  Hilfstruppen  des  Kamminer  Bischofs  abzuwarten,
  beschloß  er  trotz  der  Abmahnungen  Kastmire
  und  gegen  alle  Kriegsklugheit,  den  Markgrafen
  in  der  Stadt  mit  Benutung  des  Eingangs  am
Schlosse  zu  überfallen.  Vergebens  machte  ihn  sein

erfahrener  Feldhauptmann  Detlev  von  Schwerin
auf  die  Gefahr  eines  solchen  Unternohmens  aufmerksam.
  Uebermütig  spottete  Herzog  Otto  des  bedächtigen

  Dieners  und  rief  ihm,  wie  das  alte  pommersche
  Lied  sagt,  zu:

her  Detloff  ji  fruchten  jw  styff
jw  is  leide  vor  jwe  junge  Iyff,
unde  vor  jwe  schoene  wyff.)

Verstimmt  durch  so  unverdienten  Vorwurf
widerte  Herr  Detlev  von  Schwerin:

1

Tein,  her,

my  es  nicht  leide  vor  myn  junge  lyff
ock  nicht  vor  myn  schoene  wyff;

ick  will,  efft  got  wil,  sor  jw  sterwen,
edder  hiden  prys  un  ehr  erwerwen“.

Der  Marschall  riet  dann,  wenigstens  es  zuerst  mit
Kaspar  Gans,  Edlem  Herrn  von  Putlitz,  dem  früberen
  Parteigänger  der  Quitzows  und  jetzigen  Fahrer
  des  von  den  märkischen  Adligen  aufgebotenen
Heerbannes,  zu  versuchen,  damit  derselbe  ihnen
nicht  in  den  Rücken  fiele;  „vielleicht  würde  der  Angriff
  auf  seine  Reisigen  auch  den  Markgrafen  aus
seinem  Vorteil  ins  freie  Feld  locken.“  Aber  der
eigensinnige  Fürst,  darin  dem  großen  Friedrich  ähnlich,
  der  vor  Prag  durch  ein  Schmähwort  den  Urenkel
  Detlevs,  Kurt  von  Schwerin,  in  den  unausweichlichen
  Tod  trieb,  wollte  auf  keinen  Rat  hören.
  „Er  wollte  den  Adler  in  seinem  Nest  angreifen,
  die  Gans  könne  ihn  nicht  beißen.“  So  drang
Ottr  in  der  Stille  einer  der  letzten  Märznächte
1420  gegen  die  Mauern,  ward  durch  Johanm  von
Briefen  in  das  Schlos  und  in  die  Stadt  gelassen,
so  daß  plötzlich  in  drei  Gassen  unter  drei  flattern-*)

  Vergleiche  F.  W.  Barthold,  Geschichte
von  Rügen  und  Pommern.  4.  Teil,  1.  Band
(Friedrich  Perthes,  Hamburg  1843)!