den  Bannern  Pommerns  das  Siegesgeschrei:  „Stettint
  Stettin!“  erscholl.  Aber  der  Markgraf  war
nicht  unvorbereitet  überfallen.  Er  war  zur  Stelle
mit  dem  Panier  Brandenburgs,  und  als  die  Pommern
  vordrangen,  donnerten  in  allen  Stra  en  und
von  den  Mauert-ermen  die  Steindüchsen  auf  die
Enggescharten  und  zerschmetterten  dte  vordersten
Glieder.  „Da  war  kein  Wehren  mehr,  sondern  als
das  Geschütz  die  Haufen  erlegt  und  die  Ordnung
getrennt  hatte,  wollte  nur  ein  jeder  zurückweichen
und  fliehen.  Indes  drang  der  hinterste  Haufem
vor;  daher  konnten  die,  welche  in  der  Stadt  waren,
  nicht  heraus,  und  die,  welche  außerhalb  der
Stadt  waren,  nicht  hereinkommen;  da  nun  auch
Putlitz  mit  seinen  Reisigen  herankam,  so  wurden
die  Stetliner  von  hinten  und  von  vorne,  auhberhalb
  und  innerhalb  der  Stadt  ohne  alle  Mühe  ermordet
  und  geschlagen,  daß  es  erbärmlich  anzusehen
  war.“  (Kantzow.)  Was  von  dem  Gemetzel
übrig  blieb,  ergab  sich  dem  Sieger:  ein  kleiner  Rest
entkam  durch  das  Schloß  und  retlete  sich  mit  Not,
darunter  auch  Herzog  Otto.  Erschlagen  war  der
wackere  Marschall  Detlev  von  Schwerin,  viele  Ritter
  und  Reisige.  Am  nächsten  Morgen  ergab  sich
das  Schloß.

Das  Andenken  an  diese  märkische  Waffewat
lebte  noch  lange  im  Volke;  auch  ein  altes  Volkslied
  in  niedersächsischer  Mundart  weiß  davon  zu
erzählen,  aus  dem  ein  paar  Strophen  hier  angeführt
  sein  mögen.

Wy  willen  singen  ein  nyen  Rey,  Na  dem  Winter
koempt  uns  de  Mey,  Dat  hebbn  wy  wol  vernamen,
Dat  kettr  Angrmünd  gewonnen  ward,  Dat  nam  die
Marggraff  framen.

Sie  quemen  vor  Angermünde  up  den  plan.  Die
Dohre  weren  en  wit  up  gedhan,  He  reth  henin  mit
schalle,  sie  riepen  all  thomal  Stettin,  Brandenborg
were  gefallen.

Die  Gausz  von  Dutlitz
grimmich  streckte  sie  eren
alle,  Die  Gryffen  hadden  die  flögel  verlahrn,
Adler  schwewete  dar  bauen.  6

Die  Gansz  war  des  mudes  also  vol,  Dorch  die
Muer  brack  sie  ein  hol,  Dörch  die  harte  feldsteine,
Da  sie  up  den  Markte  quemen,  Da  weren  erer  thene
vör  enen.

De  Schwerder  gingen  den  klincker  den  klanck,
berr  Dethleff  van  Schwerin  die  was  der  manck,
Den  pres  wolde  he  erwerven,  Des  mußte  Herr  Dethleff
van  Schwerin  Dör  seinen  Erffherrn  sterven.

Da  de  hertig  dat  gesach,  dat  da  herr  Dethleff
vör  em  lach,  Gespettet  als  ein  Brade,  Ach  milder
Christe  van  Himmelrick,  Weren  wy  nu  tho  dem
vierraden.

Da  sprack  sick  des  Hertigen  neheste  Knecht,  Gnedige
Fer  wern  wy  nu  weg,  Weren  wy  wente  uth  dem

ahre,  Ick  schwere  ydt  juw  by  truwen  und  vorware,
Den  prisz  hebben  wy  verlaren.

De  Hhertig  quam  wol  für  dat  Dahre,  Dem  ZRosse

gab  he  so  balde  die  sparen,  Syn  drawen  must  ehn

lag  hinden  Grawen,  Wo
kragen  Bauen  die  Gerhen
ie

Unser  Dommerland

261

laten,  Tho  dem  vierraden  up  dat  hohe  Husz,  Darup
ward  er  gelaten.

He  ging  sick  an  der  Borg  tinnen  sthan,  Sin
Hövet  stack  he  thom  Fenster  uth,  Van  jammer  und
ock  van  lede,  Kettr  Angermünd  du  vele  gude  Stadt,
Wie  kleglick  mut  ick  van  die  schieden.

Die  uns  dpt  nye  TLied  gesang,  Ein  Schmedeknecht
  is  he  genand,  he  heet  sick  köne  sincke,  he  furht
ein  hemmercken  up  sine  hand,  gut  Bierken  mag  he
wol  drincken.

V.

In  rascher  Folge  fielen  nun  dem  Kurfürsten  alle
festen  Plätze  der  Uckermark  zu,  und  Herzog  Kasimir
war  froh,  daß  er  die  festen  Plätze  an  der  pommerschen
  Grenze  halten  konnte.  Aber  allerlei  hochs#tegende
  Pläne  im  Reich  und  betreffs  des  polnischen
Thrones  hinderlen  Friedrich,  seinen  Erfolg  hier  voii
aus  zunutzen.  So  war  die  Geneigtheit  zum  Frieden
auf  allen  Seiten  gleich  groz.  Der  Kurfürst  begielt
die  eroberten  Teile  der  Uckermark  und  entschadigte
die  Ansprüche  der  Stettiner  Herzöge  durch  5000
Schock  bkhmische  Groschen.  In  die  Anerkennung
  der  brandenburgischemehns.
hoheit  über  Pommern  hatten  Kasimir  und  Otto
aber  wieder  nicht  gewilligt,  und  far  die
Folgezeit  kam  ihnen  der  Umstand  zugute,  da;
Friedrich  von  Brandenburg  bei  Siegismund  in  Ungnade
  ge'allen  war.  Diese  Stimmung  des  Kaisers
nuhte  Herzog  Kasimir  aus  und  begab  sich  ins  Hoflager
  nach  Ofen.

Die  Hoffnung  auf  den  Kaiser  täuschte  unsern
Herzog  nicht.  Sigismund  erteilte  ihm  nicht
alleim  am  17.  Fedruar  1424  einen  Lehnbrief
über  seine  Länder,  sondern  bestätigte  auch
Wuort  für  Wort  die  Urkunde  Karls  IV.  vom  Jahre
1355  über  die  damals  abgetretenen,  jet  freilich
durch  den  Kurfürsten  den  Pommern  eben  abgenommenen
  Teile  der  Uckermark.  Dadurch  war
die  Lage  noch  verwickelter  geworden;  denn  die  Bestätigungen,
  die  früher  dem  Markgrafen  erteilt  worden
  waren,  standen  in  schroffem  Gegensatz  zu  den
dem  Herzog  Kasimir  erteilten.  So  lag  die  Entscheidung
  also  wieder  beim  Schwerte,  und  abermals
hallte  die  arme,  geprüfte  Uckermark  von  Waffenlärm
  wieder.  Die  Ueberlieferung  weiß  zu  berichten,
  daß  die  beiden  Bürgermeister  von  Prenzlau,
Zabel  Grieben  und  Klaus  Pelz,  einem  der  kecsten
Vasallen  der  Stettiner,  Klaus  von  Köppern,  eine
Stelle  als  Torwart  in  Prenzlau  verschafften.  Durch
diesen  Verrat  gelang  es  den  Pommern,  während
eines  Fastnachtsschmauses,  am  15.  Februar  142),
in  die  Stadt  zu  dringen.  Die  den  Pommern  zugetanen
  Bürger  Prenzlaus  rechneten  aber  vergebens
auf  den  Dank  der  Sieger.  Als  Herzog  Oito  bei
der  Huldigung  die  Zahl  der  Bürger  überschaute,
konnte  er,  rasch  in  Worten  und  in  der  Tat,  doch
voll  rücksichtslosen  Rechtsgefühls,  sich  der  Schmährede
  nicht  enthalten:  „Ihr  wäret  wert,  daß  Ihr