ein  Verlöbnis  mit  einer  andern  Tochter  des  Markgrafen,
  Elisabeth,  zu  Neustadt-Eberswalde  stattfand.
  Es  war  ein  Brautschatz,  ausgesetzt  von
10  000  Gulden  gegen  Verpfändung  von  Angermunde,
  im  Fall  die  Zahlung  ausbliebe.  Eine  bare
Mitgift  von  1200  Gulden  wurde  sofort  versprochen,
alles  unter  Bürgschaft  einer  großen  Zahl  von  Prälaten,
  vornehmer  Vasallen  und  Bürgermeistern,
außerdem  bekräftigt  durch  einen  Eid  des  Markgrafen
  Frledrich,  des  späteren  Eisenzahns,  ein  Beispiel,
  wie  bescheiden  Fürstenehen  ausgestattet  wurden
  und  wie  sicher  man  in  jenen  unruhigen  Zeiten
gehen  wollte.  Voll  Ungeduld  blickte  Joachim  der
Ehe  entgegen,  aber  ehe  es  dazu  kam,  hatte  Kurfürst
  Friedrich  in  seinem  sonnigen  Süden  auf  dem
Schlosse  Kadolzburg  die  Augen  zur  letzten  Ruhe  geschlossen.


—  —  —

Längst  ruhen  heute  die  Kämpfe  zwischen  Aar
und  Greif.  Andere  Kämpfe,  größere  und  schwerere,

Unser  Pommerland

263
galt  es  gemeinsam  zu  bestehen,  seit  der  letzte  Pom—

mernherzog  in  der  Familiengruft  beigesetzt  wurde,

und  sein  Volk  die  seinem  Geschlecht  bis  zum  Aussterben
  bewahrte  Treue  auf  die  Hohenzollern  übertrug.
  Pommern  und  Märker  wetteiferten  darin,  dem
erlauchten  Geschlecht  das  Banner  zu  tragen  und
Bausteine  herbeizutragen  für  den  gewaltigen  Bau
des  Deutschen  Reiches.  Friedrich  der  Große  hat  daher
  auch  in  seinem  Testament  seinen  Nachfolgern
„erkläret  und  angeraten,  daß  sie  sich  vorzüglich  auf
die  pommersche  Nation  verlassen  und  dieselbe  als
die  erste  Stütze  des  preußischen  Thrones  ansehen
könnten  und  müßten.“  Die  Namen  Kolberg  und
Großkeeren,  Leipzig  und  Belle-Alliance,  Sadowa
und  Gravelotte  sind  eine  glänzende  Bestätigung  dafür,
  und  auch  heute  wieder  besiegelt  mancher  Sohn
Pommerns  seine  Treue  zu  Kaiser  umd  Reich,  zu
König  und  Vaterland  auf  den  blutgetränkten
Schlachtfeldern  Flanderns,  in  den  moorigen  Wäldern
  Kurlands  und  an  den  roten  Klippen  von  Helgoland.


—  H

Dolleshumor  und  Volksweisheit.

Sprichwörker  und  sprichwörkliche  Kedensarten.

(Schluß.)

Altes  Holz  brennt  am  besten.  27)

Je  öller,  je  döller;

wenn  es  anfängt,  bei  Nordost  zu  regnen,

und  die  alten  Weiber  anfangen  zu  tangen,

dann  hat  es  kein  Aufhkren.

Aehnlich  ist's  bei  dem  üältlichen  Junggesellen
oder  dem  schon  stakrigen  Witwer,  der  wider  Erwarten
  noch  auf  Heiratsgedanken  kommt  und  dabei  gewöhnlich
  eine  lächerliche  Rolle  spielt:

wenn  da  leiw  Gott  na  Nara  hebba  will,

lett  hei  na  ulla  Kerl  a  jung  Wiw  fria.  28)

27)  Wenn  alte  Scheunen  Feuer  fangen,  dann
brenmen  sie  schnell.
28)  Wer  sich  dat  Buen  bat  dem  Winter  lett
o  dat  Frien  bat  upt  Iller  (-Alter),
o  dat  Sch=  en  bat  in  da  Stadt,
dei  ward  tum  Nare.
Wer  dat  Frigen  upt  Ueller  schüwwt
un  dat  Kleimen  (Ritzen  und  schadhafte  Stellen
  in  Haus  und  Stall  mit  Lehm  verschmieren)
  bet  tum  Winte,
datt  gerett  nich  gaud.

Von  Drof.  Dr.  A.  Brun  k.

II.

Glücklich  die,  von  der  man  sagen  kann-„Se

  is  warm  to  sitten  kamen.“
Leider  sind  aber  die  Glücksgüter  auch  auf  dem
Lande  sehr  ungleich  verteilt;

de  een  löppt  mit'n  Büdel,

de  anner  löppt  mit't  Geld.
Selten  heiratet  ein  Reicher  eine  Arme.  29)  Die  Re—
gel  ist

„Gild  kümmt  to  Gild“
und

„Eeen  Beddler  kümmt  vör't  annern  Dör.“
Die  Wirtschaft,  die  der  Sohn  vom  Vater  übernahm,

29)  Höchstens,  wenn  er  alt  ist.  Dann  tröstet
stch  die  junge  Braut  wohl:

„Hei  bringt  mi  int  Brot

un  ick  fäud  em  to  Dod!“
und  ihre  Eltern  hoffen,  es  möchte  auch  für  sie  etwas
  aus  der  guten  Partie  abfallen;  die  Mutter
klopft  sich  auf  die  Lippen  und  spricht:
„Da  schast  du  Mülka  (-Mäulchen)  dat  no  ees

god  hebba!“