264
war  vielleicht  schon  an  sich  klein.  Nun  hat  er  noch
ein  verhällnismäßig  großes  Leibgedinge  an  die  beiden
  Alten  zu  zahlen  und  die  andern  Geschwister  abzufsinden.
  Und  die  junge  Frau  —  ach  Gott,
de  hett  so  väl  Geld  as  de  Pogg  Hor.
Da  ist  es  kein  Wunder,  wenn  man  von  ihnen  im
Dorf  sagt:
„Dat  is  tom  Starben  to  väl  un  tom  Leben  to
wenig;
se  hebben  nich  natt  noch  drög  (-nichts  zu  trinken
  und  zu  essen),
se  hebben  nicks  up'n  Liw  un  nicks  in'n  Liw.“
Dazu  kommt  noch,  daß  ihnen  gleich  zu  Anfang  ein
Stüc  Vieh  eingeht:
der  Bettelmann  hat  Pech,  er  verliert  auch  noch
die  Pfennige.

Vitter  lacht  der  Arme:
„Wenn  de  Pracher  nicks  hebben  sall,
verlust  he  dat  Brot  ut  de  Kiepl“  20)

Mit  Neid  blickt  er  auf  den  glücklicheren  Nachbar,

dem  alles  gerät:

Dat  Glückskind  läd  up  de  Eikkatt  an

un  seeg'n  Voren  fallen.

De  Brot  hett,  dem  ward  Brot  baden;

Wo  Duben,  sünd,  dor  fleigen  Duben  tau.

ihm  dagegen,  kommt  ein  Ungläück  selten  allein:

wenn't  kümmt,  denn  kümmt't  mit  Hupen.

Alle  Mühe,  die  er  sich  gibt  scheint  vergebens:
wenn't  nich  bottern  will,  denn  bottert't  nich,
un  wenn  ma  uck  drin  sch  .  .  31)

Wenn  dann  Zinsen  bezahlt  werden  sollen,  so  ist  es

ein  schlechter  Trost:
Wo  nicks  is,  dor  hett

Bei

der  Kaiser  sim  Recht
verloren  32)
Denn
Schulden  sind  keine  Hasen,  die  laufen  nicht  weg.
Da  läßt  er  denn  oft  den  Kopf  hängen;
dor  sleht  Elend  sine  Trummel.
Dann  legt  ihm  wohl  seine  Frau  tröstend  die  Hand
auf  den  Arm:
„Jeder  sorgt  vör  sick,  Godd  vör  uns  alle  —
Wat  nich  is,  kann  noch  warden.“
Und  es  wird.  Hellere  Tage  kommen,  und  der
Mann  atmet  wieder  auf.
All  nah  grad  giwwt  Godd  sine  Gnad.
Aber
braden  Duw  flüggt  keenen  int  Mul;
wer  vorwärts  kommen  will,  der  darf  vor  keiner
Arbeit  zurückscheuen.
Arbeit  schändet  nicht,
wenn  der  Protzenbauer  auch  sagt:
„Arbeit  is  vör  Armod  god.“
Arbeiten  bringt  Brot,
Fullenzen  bringt  Hungersnot:;
30)  Wenn  de  Pracher  wat  hat,  denn  hat  hei  kein
Fatt.
31)  All  Bottern  helpt  nich,  un  wenn  ma  uck  mang
schnüwwt.
32)  Null  mit  null  geht  up.

Unser  Dommerland

Schwart  Hand  gifft  fett  Mul;
Arbeit  is  de  best  Lotterie,
Arbeit  gewinnt  alltid,
Arbeit  gewinnt  Füer  ut'n  Stein,
Arbeit  hett  bittre  Wörtel  un  säute  Frucht,
Arbeit  un  Spar'n  makt  rik  Knecht.
Aber  es  geht  langsam;
Geduld,  Vernunft  und  Sauerkraut,
das  sind  drei  edle  Sachen.  33)
Wohl  dem,  dem  dann  ein  tüchtiges  Weib  zur  Seite
steht:
de  Leiw  treckt  mihr  as  teigen  Pier!
Zwar  kann  die  Frau  nicht  so  schwer  arbeiten  wie
der  Mann;
Frugensarbeit  is  behend  —
awe  se  hett  nie  en  End.
Denn
eim  gaur  Husfru  hett  fif  K  to  besorgen:
Kinner,  Kamer,  Käk,  Keller,  Kleere.
Das  fünffache  K,  das  ist  ihr  Reich,  da  ist  sie  ein
und  alles.
Wenn  de  Fru  nich  tahus  is,
danze  de  Katte  oppem  Disch
um  de  Müs’  im  Brotspind.
sie  nachlässig  und  hält  nicht  zusamme#t,  so  ist
Mannes  Tun  umsonsti:
Was  der  Mann  mit

Ist
des
dem  Wagen
fährt,
kann  die  Frau  mit  der  Schürze  wieder  heraustragen;

de  Fru  kann  mehr  to't  Finster  rutlangen,
as  de  Mann  to  d’  Schündör  rinföhrt.
hängt  des  Hauses  Wohlstand  zumeist  von

ins  Haus

So
ab:

Flitig  Fru  is  de  best  Sparbüß;

wo  de  Fru  gaut  wirtschafttt,

dor  waßt  an'n  Balken  de  Speck.
Und  neben  all  ihrer  Arbeit  hat  sie  noch  Zeit,  ihr
Heim  wohnlich  zu  gestalten  und  zu  schmücken:

wo  Frauenhände  hinfassen,  da  wachsen  Rosen.
Aber  die  Frau  darf  den  Mann  nicht  regieren  wollen.


Mannshand  bawen!  34)

Kreigen  sall  dat  Hauhn  nich  as  de  Hahn,

dei  Fru  wes  ehren  Mann  unnerdahn
Denn.

de  Frugenslüd  hebb’'n  lang  Hor,  äwer  korten

Sinn  35)  —

de  Frues  hebba  bloß  eina  Dag  im  Joahr  recht,

o  den  weita  sei  nich  —

Wiwerrat  un  Baukweitsaat

ihr

33)  Geduld,  Vernunft  un  Hawergrütt,
de  sünd  to  allen  Dingen  nütt.
34)  Zu  einem  auf  Rügen  getanzten  Castiltaner
singen  die  Herren:
„Die  Mannshand,  die  muß  oben  sein,"
worauf  die  Damen  antworten:
„Das  wird  wohl  nur  ein  Irrtum  sein.“
35)  Aehnlich: