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die  alte  Einfachheit  und  Schlichtheit  vergessen  und
sich  dem  Wohlleben  ergeben.

Is  keen  Kunst,  Koopmann  to  warden,

man  to  bliwen.
Vergessen  ist,  was  sie  einst  in  jungen  Jahren,  als
bei  ihnen  noch  Schmalhans  Küchenmeister  war,
über  den  leichtsinnigen,  großspurigen  Nachbar  geurteilt
  haben:

De  will  fleegen,  ehr  he  Flüchten  hett;

De  Vagel,  de  morgens  to  tierig  (=  zeitig)  singt,

denn  frett  abends  de  Katt.
Jetzt

Weeten  se  selbst  vör  Wahldag  nich,

wat  se  anfangen  sälen
und  führen  ein

Leben  as  Gott  in  Frankreich.

De  Mann  lett  dat  Geld

verdarwen;

er  fängt  allerhand  Kinkerlitzchen  54)  an,  die  viel
kosten  und  nichts  einbringen:
Wer  sim  Geld  nich  kann  liggen  seihn,
de  köfft  sick  Duben  —  denn  süht  hei't  teihn.  55)
kleidet  sich  stets  gewählt  und  denkt  nicht  daran:
Wer  alle  Tage  will  hübsch  gekleidet  gehn,
muß  am  Sonntage  in  Lumpen  stehn;
wer  Alldags  geht  im  Glatten,
geht  Sünndags  in  Klatten.
läßt  die  Zigarre  nicht  ausgehn,
He  makt  den  Mund  tom  Schorsteen,
und  scherzt  darüber:

Wer  lang  rokt,  dei  lewt  lang.
Er  will  stets  gut  essen  und  trinken  und  begründet
das  mit  dem  Sprichwort:

De  wat  hett,  de  wat  frett.
Dem  alten  goldenen  Worte

Hägup  hett  wat,

Frettup  hett  nicks
gibt  er  eine  andere,  ihm  jetzt  genehmere  Fessung:

Hägup  hett  wat,

Frettup  kriggt  wedde  wat.

He  makt  sinen  Buk  tor  Dranktunn.
Ueber  die  üblen  Folgen  seiner  Unmäßigkeit  tröstet
er  sich  hinweg:

Ma  mutt  äta,  wat  em  schmeckt,

u  lida,  wat  drup  folgt.
Se  wird,  was

fur  verdeend,  söt  vertehrt.

Er

Er

53)  We  wett,  wo  d’  Hingst  is,  wenn  Gras

waßtl!

Wenn  de  Schimmel  dod  is,  is  't  Gras  wussen.
54)  Vom  franz.  quincaille,  quincaillerie  =  kleines
  Eisen=  und  Messinggerät,  dann  nutz=  und  wertlose
  Spielerei,  Tand.

55)  Wer  sin  Geld  will  verseigen,

de  köp  sick  Duben,
denn  süht  hei't  fleigen.
Vergleiche:
Wer  sin  Hus  will  rein  erhollen,
darf  sick  keine  Duben  hollen.

Unser  Dommerland

im  Schimmelpott  nich.

So  lange  er  noch  Geld  in  Händen  hat,  klügelt  er:

Hab'  ich  einem  Groschen  in  der  Tasche,  dem
graut;

hab'’  ich  mehrere,  so  reiben  sie  sich  —  also  fort
damit!“

Und  Gelegenheit  zum
wegen;
Den  Süper  mahnt  de  Kraug,
wenn  em  sin  Döst  nich  mahnt.  56)
Frü.,er,  als  er  sich  noch  mit  dem  selbstgebrauten
Bier  begnügte,  hieß  es  bei  ihm:
Dat  Beir  folgt  dem  Tappen;
steck  tau,  so  dörst  (=  brauchst  du)  nich  jappen!
't  is  blot  a  kort  Enn,  wo't  god  schmeckt.
Und  jetzt?
Hei  süppt  as  'n  Loch,
hei  süppt  as  ne  Täk,  57)
Hei  sappt,  bit  em  de  Lüs'  ut  de  Knöplöcher
krupa,
hei  köfft  sich  oft  'n  lütt  Schwin.  58)
Vergeblich  ist  alles  Zureden  verständiger  Nachbarn,
alles  Bitten  seiner  Frau
Wenn  ne  Gaus  sich  erst  inne  Rogge  wennt  het,
is  se  schlimm  tricktoholle.
He  lett  dat  nich,  un  wenn  ok  Galgen  un  Rad
dorup  stünd,
und  tat  sich  gar  noch  auf  seinen  Wahlspruch  etwas
zu  gute:
Lustig  gelebt  und  selig  gestorben,
das  heißt  dem  Teufel  die  Rechnung  verdorben!
Dörch  de  Kehl  geht  veel.  59)
Noch  mehr  aber  kostet,  was  mit  dem  Schlemmen
äusammenhängt,  das  Kartenspiel  und  vor  allem  die
sogenannten  guten  Freunde,  die  ihm  dabei  auf
seine  Kosten  Gesellschaft  leisten.  60)
Wo  Poggen  fünd,
(Sprüche  Salomonis  1,10)
—  bevor  du  Geld  zu  dir  gesteckt  hast.
dor  fünd  uck  Arebors,
und
Wer  sich  tum  Honnig  makt,
den  biten  de  Fleigen.
Sie  alle  leben  lustig  drauf  los;
Ut  nem  andra  sinem  Fell  is  gaud  Reima
(*  Riemen)  schneiden.
in  anner  Lüds  Finger  is  god  schnida.
Es  schmeichelt  seiner  Eigenliebe,  daß  er  der  beliebteste
  Mann  im  Dorfe  ist.  Alles  drängt  sich  am  ihn

Geldvertun  findet  sich  aller-56)

  Auch  wird  es  nie  gebrechen  an  einem
Grund  zum  Zechen.
57)  „Täk“  ist  die  Hunds=  oder  Schafzecke  (Jrodes
  ricinus  oder  reduvius),  die  sich  bis  zu  Erbsenund
  Bohnengröße  voll  Blut  saugen.
58)  d.  h.  macht  sich  durch  Trunkenheit  zum
Schwein.
59)  Dörch  d’  Kähl  kann  väl,  sär  de  Schipper:
dunn  harra  sinen  Dreemaster  versapen.
60)  Wenn  dich  die  bösen  Buben  locken,  so  folge
ihnen  nicht