heran;  die  entferntesten  Beziehungen  werden  herausgesucht,
  um  eine  Verwandtschaft  mit  ihm  nachzuweisen,
  und  wenn  sich  nicht  einmal  eine

Frindschaft  von  nägen  Schäpel  Utsaat
seb#stellen  läßt,  so  beißt  es  vielleicht  gar:

Wi  sind  noch  inna  Frindschaft:

Unsem  Vader  sin  Aex

lag  up  junem  Vader  sinem  Haullotz
oder

Wi  sind  noch  inna  Frindschaft:

Mia  Vader  keffd  von  dinem  Vader  na  Kauh.  61)
Früher  wehrte  er  derartige  plumpe  Annäherungsversuche
  mit  einem

Wat  Varre,  wat  Fründ:

wer  keen  Geld  hett,  bliw  mi  von'n  Wagem!  62)
ab:  heute  sieht  er  darin  Huldigungen  und  bildet
sich  etwas  darauf  ein:

He  besitt  mihr  Inbillung  as  de  Hund  Flöh,  63)
und

Inbillung  is  düller  as  Pestilenz.

Seiner  „Stellung“  glaubt  er  es  schuldig  zu  sein,
jedem,  der  ihn  darum  angeht,  zu  borgen.  Und  je
mehr  er  gibt,  desto  mehr  wird  er  in  Anspruch  genommen;


Se  sugen  em  ut,  as  de  Meesk  (-Ameise)  den
Mahnkarn  (-Mohnkopf).
zu  borgen,  drängen  sich

Andere,  die  sich  schämen
ihn  heran;  er  denkt  nicht

mit  Tauschangeboten  an
mehr  daran:

Wer  girn  tuschen  mag,

de  mag  ok  girn  bedreegen;  64)

wer  nich  glöwt,  de  ward  nich  bidragen.
Aber

De  lett,  kann  up'n  Hund
kamen.
Sein  Wohlstand  ist  schon  längst  zurückgegangen.  Er,
der  früher  morgens  stets  der  erste  aus  dem  Bette
wac,  erklärt  jetzt,  wenn  er  bis  in  den  hellen  Tag
hinein  liegt:

Is  nich  gaud,  wenn  de  Minsch  tau  tidig  in'n

Dau  geiht;

denn  hett  hei  den  ganzen  Dag  natt  Föt
und  sucht  sein  Gewissen  zu  beruhigen:
Wer  früh  aufsteht,  sein  Brot  verzehrt;
wer  lange  schläft,  den  Gott  ernährt.  65)

alls  de  Hunnen

61)  Us  Großmutters  hewwe  sick  an  einen  Backowe
  de  Orsch  warmt.
din  Großmutte  satt  mal
eens  up  einen  Stauhl  top.
62)  Von  dem  Schwächling,  der  sich  von  jedem
ins  Schlepptau  nehmen  läßt,  sagt  man:
Gott  hett  de  Zeeg  den  Schwanz  nich  so  lang
wassa  lauta,
dat  se  sich  de  Fleega  damit  kehra  ka.
63)  He  bild't  sich  noch  mea  in
as'n  oll  Sög  mit  een  Titt.
He  trett  as  de  Pogg  im  Maanschin.
64  We  Lust  tum  Tuschen  hett,
de  hett  ock  Lust  tum  Bedreegen.

Min  Großmutte  un

Unser  DPommerland

260

Erhebt  er  sich  dann  endlich,  so  tröstet  er  sich:

Wer  lang  schlöppt  un  drell  löppt,  kümmt  ock
nah.  66)

Ja,  wenn  er  nur  drell  liefe!  Aber  das  geht
Kümmst  mich  hüt,  kümmst  du  morgen,
äwermorgen  ganz  gewiß.  67)

Anstatt
Morgen,  morgen,  nur  nicht  heute,
sprechen  alle  faulen  Leute

heißt  es  bei  ihm:

Heute,  heute  will  ich  ruhn,
morgen  meine  Arbeit  tun.

Und  steigen  ihm  einmal  Bedenken  auf,  so  wehrt  er

sie  ab:

Kümmt  Tid,  kümmt  Rat:

kümmt  Sommer,  kümmt  Saat;

kümmt  Harwst,  kümmt  Vorrat.
So  läßt  er  alles  gehen,  wie  es  will,

Hei  lett  fif  grar  sin
und  lebt  in  den  Tag  hinein,  bis  er  endlich  selbst  in
Verlegenheit  kommt:

Kommt  Zeit,  kommt  Rat  —

kommt  der  Frühling,  fehlt  die  Saat.  68)

Bar  Geld  ist  nicht  mehr  vorhanden:  der  Bau  seines

  neuen,  „standesgemäßen"  Gutshauses  hat  mehr

gekestet,  als  er  dachte,  und  so  wieder  die  alte  Wahrheit
  bestätigt:

Narren  bugen  Hüser,

un  klauk  Lüd  köpen  sei.

Nun  stürzt  er  sich  wieder  in  die  Arbeit  und  sucht

einzuhrlen,  was  er  in  der  Zeit  des  Prassens  versäumt

  hat:
Gegen  Abend  und  am  Sonnabend  sind  alle
Faulen  fleißig;
to  d’  Nacht  krigen  de  Fulen  ehr  Macht.

Aber  es  will  ihm  nicht  glücken;

Wenn  die  Karre  erst  einmal  in  den  Dreck  geschoben
  ist,

hält  es  schwer,  sie  wieder  herauszuholen:

wat  ehsta  im  Verbutta  is,  dat  bliwwt  uck  dre:

wat  verloren  is,  dat  is  weg  (seggt  Vadda
Stirr).

Den  alten  Knecht,  der  ihm  einst  in  all  den  schweren

  Jahren  treu  zur  Seite  gestanden  hat,  hat  er  im

Aerger  weggejagt;  jetzt  sieht  er  ein:

65)  Wer  schläft,  der  sündigt  nicht.

66)  Wer  lang  schleppt  o  drell  leppt,  kimmt  uck  so

wit,
as  wer  frih  upsteht  o  gornischt  det.

Vergleiche
De  Schult  ut  Ullen-Schlag
stund  up  dreiviertel  Klock  vär  Dag;
un  as  de  Sünn  all  bänhoch  (’bodenhoch)  stunm,
dunn  hädd  hei  einen  Strump  an.

67)  Hei  krüppt  as  de  Fleig  inne  Bottermelk.
Dat  geiht  so  eben,  as  wenn  Gottlieb  danzt
68)  Kümmt  Tid,  kümmt  Rat  —
un'n  Hund  sch  .t  d'  Todat  (-Zutat).